Kritik an neuer Temporegelung

Notweg: Eltern sorgen sich um ihre Kinder

Neue Temporegelung: Besorgte Eltern im Notweg
+
Machen sich Sorgen um die Sicherheit der Kinder im Wohngebiet (von links): Tobias Frings, Michaela Dieckmann, Denise Kleine, Martin Hesselmann, Thorsten Kleine.

Einen richtigen Namen hat der schmale Wirtschaftsweg am Wohngebiet Wolfsheide nicht. Ein neues Schild „Ende Tempo-30-Zone“ könnte jetzt verstärkt zum Problem werden.

Ense - Die Anwohner kennen den sauber asphaltierten Pfad, der sich von der Kreuzung Ruhner Weg und Am Wimberg bis zum Abzweig Burkhardrother Weg zunächst am Baugebiet „Am Gerlinger Notweg“ und dann am Wohngebiet Wolfsheide IV vorbei zieht, nur zu gut: Denn zum einen ist er mittlerweile die „Haupteinflugsschneise“ für die Menschen im Bremer Wohngebiet, zugleich wird sie viel von Fußgängern, Radfahrern und vor allem Kindern genutzt.

Das könnte jetzt verstärkt zum Problem werden. Denn vergangenen Mittwoch fiel Anwohnerin Michaela Dieckmann eine Neuerung auf, die die Lage nur noch verschlimmere: An den beiden besagten Enden des Weges wurden Schilder aufgestellt, nach denen hier das im Wohngebiet geltende Tempo 30 aufgehoben sei.

Dieckmann: „Ich wohne seit 26 Jahren hier, meine Tochter hat hier das Radfahren gelernt. Heute würde sie das vermutlich nicht überleben. Auf diesem Weg ist eh schon ohne Ende Autoverkehr, viele geben richtig Gas, und viele Eltern gehen dort mit ihren kleinen Kindern spazieren, oder die Kinder sind mit ihren Laufrädern unterwegs, die sie natürlich nicht hinreichend unter Kontrolle haben, oder die Kleinen gehen hier entlang zum Bolzplatz.“

Der Weg sei eben leider auch sehr attraktiv für Verkehrsteilnehmer jeglicher Art: Taxis, Müllabfuhr, Paketdienste: „Hier geht es zu wie an der Autobahn“, meint Denise Kleine, eine weitere Anwohnerin. „Und selbst jene, die ganz unten im Bereich der Heideresidenzen wohnen und Richtung Werl wollen, fahren hier entlang. Obwohl sie dadurch eigentlich keine Zeit sparen.“

Dabei ist die Fahrbahn sehr eng und weist keinen Gehweg auf. Fußgänger weichen den Autos automatisch aus. Thorsten Kleine: „Ich kümmere mich um den Grünstreifen und wäre beim Rasenmähen einmal fast von einem Wagen touchiert worden.“

Tobias Frings, ebenfalls Anwohner und zudem Mitglied im Planungsausschuss, sieht jedoch auch die andere Seite der Medaille – oder vielmehr des Schildes. Denn wenn auf der einen Seite die 30er-Zone aufgehoben ist, gilt sie auf der anderen zwangsläufig: „Der deutliche Mehrwert hier ist, dass einfahrende Fahrzeuge hiermit auf die Tempobeschränkung innerhalb der Burkardrother Straße, an der ich mit meiner Familie wohne, und des ganzen Gebietes Wolfsheide hingewiesen werden. Unstrittig ist dabei, dass die Ausgestaltung des Weges – ich möchte ihn nicht Straße nennen – keinesfalls glücklich ist für den Begegnungsverkehr zwischen Fußgängern, Radfahrern, Kindern und Autos und sicherlich auch zu einer Belastung der direkten Anwohner führt.“

Er plädiere daher dafür, durch die Verwaltung prüfen zu lassen, welche Möglichkeiten es geben mag, diese Situation zu verbessern und wie sich der Weg in Zukunft entwickeln werde: „Denn mir persönlich ist auch nicht klar, wer Eigentümer des Wegs ist, noch, wer gegebenenfalls ein Tempo 30 dort verhängen darf oder kann.“

Ursprünglich habe es sich wohl um einen Erschließungsweg für die Wolfsheide gehandelt. Aktuell wird ein paar Meter weiter westlich gebuddelt, „und mit Fertigstellung des neuen Baugebietes und Anbindung an den Bischof-Plöger-Ring und Ruhner Weg per Mini-Kreisel soll daraus wohl ein Fußweg werden.“ Bis dahin wird es aber wohl noch eine Weile dauern, denn im neuen Baugebiet stehen ja nicht einmal die Rohbauten.

Die Problematik ist für die Gemeinde relativ neu. Daher kann Stefanie Müller, Fachbereichsleiterin Bauen- und Gemeindeentwicklung, nicht ad hoc eine Lösung anbieten: „Wir werden uns die Lage jetzt vor Ort mit dem Tiefbau- und dem Ordnungsamt anschauen müssen und dann überlegen, welche rechtlichen Bestimmungen dort gelten und welche Maßnahmen wir dort zugunsten der Anwohner ergreifen können.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare