Severin Brand (38) aus Höingen

Ruhestand für Hühner: Enser rettet Tiere vor dem Schlachthof

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Auch Tochter Jonna-Alena kommt durch das Ehrenamt ihres Vaters früh mit den Tieren in Kontakt.

Ihren Ruhestand genießen seit geraumer Zeit fünf Hühner in Ense. Severin Brand hat sich den „ausgedienten“ Legehybridhühnern aus Eierfarmen angenommen. Er hat bereits als Kind Hühner als Haustiere gehalten und sich im vergangenen Jahr nach einer Fernsehreportage dem gesamtdeutschen Verein „Rettet das Huhn“ angeschlossen.

Höingen – Hintergrund des Vereins ist es, den Tieren aus der konventionellen Legehennenhaltung ein Stück weit „normales Hühnerleben“ nach ihrem „aktiven Berufsleben“ zu ermöglichen. Die gefiederten Zweibeiner sind ausschließlich zum Zweck des Eierlegens gezüchtet. Das Problem dabei: Nach 18 Monaten lässt ihre Produktivität nach und es kommt die Frage der Wirtschaftlichkeit ins Spiel. „Sie sind nicht mehr rentabel und würden zum Schlachthof gegeben“, erläutert Brand. 

Hier setzt der Verein an. Aus kooperierenden Betrieben in ganz Deutschland übernehmen die Mitglieder den kompletten Besatz zum Zeitpunkt der Ausstallung und vermitteln sie an Privatpersonen. Diese Hennen legen immer noch Eier – nur eben nicht mehr in einer für den Wirtschaftsbetrieb relevanten Menge. 

„Und wenn sie nur zwei Monate noch ein schönes Leben haben“, lohnt sich in den Augen von Severin Brand sein Engagement. Ihre maximale Lebenserwartung nach der Ausstallung beziffert der Verein mit einem bis drei Jahren. Die Tiere entwickeln laut Aussage des Vereins Verhaltensauffälligkeiten und Legeproblematiken bis hin zu Tumoren.

Mobbing unter Hühnern

 „Hühner sind soziale und intelligente Lebewesen“, ist sich der Höinger sicher. Die Haltung auf engstem Raum äußere sich in gestörtem Sozialverhalten. „Normal leben sie in Gruppen von etwa 20 Tieren mit einer klaren Rangordnung.“ Das sei bei der Haltung auf engem Raum aber nicht möglich, sodass es von „Federzupfen bis hin zu Kannibalismus“ auch unter Hühnern Mobbing gebe. 

Severin Brand aus Höingen kümmert sich um die geretteten Legehybridhennen – hier „Krümelchen“.

Der Verein achtet bereits bei der Abholung darauf, ob Auffälligkeiten bestehen. „Ein gut organisiertes Team“ kontrolliert bereits beim Einfangen als erste Maßnahme das Federkleid. Durch Abtasten des Bauches und erfühlbare Verhärtungen könnten Legeproblematiken diagnostiziert oder ausgeschlossen werden. Gegebenenfalls wird ein Tierarzt hinzugezogen, notfalls werden die Hühner eingeschläfert. Im Idealfall aber kommen sie zu den bereits im Vorfeld akquirierten neuen Haltern. 

Federkleid kontrolliert

Einige Tiere müssen aufgepäppelt werden, so der 38-jährige Waldorflehrer. Dazu hat er eine eigens eingerichtete Pflegestation mit Rotlicht und Einzelkäfigen. Beim Federkleid müssen hier und da Schüßlersalze helfen, die auch bei Menschen mit Haarproblemen zum Einsatz kommen. Auch die Ernährung müsse vorsichtig umgestellt werden. 

Ganz verzichten könne man auf die vorherige Ernährung mit eiweißhaltigem Legemehl nicht, da der Organismus der Tiere darauf angewiesen sei. Dennoch ist sich Severin Brand sicher, dass sie gekochten Reis oder Nudeln, Salat oder ausgewählte Kräuter als Leckerei empfinden. Und augenscheinlich erwarten die fünf geretteten und drei vom Züchter stammenden Zwerghühner von ihrem Halter etwas Leckeres, so zahm wie sie ihm entgegen streben. 

Appell an Kunden

Severin Brand appelliert an alle, „ein paar Cent für ein Ei mehr zu bezahlen“ – die Eier aus Biohaltung mit einem guten Biosiegel hätten die besten Haltungsbedingungen. Er hat für sich selbst entschieden, vegan zu leben. Es gibt lediglich eine Ausnahme: Die Eier seiner eigenen Hühner.

Der Verein

Severin Brand ist Vermittler beim Verein „Rettet das Huhn“, der 2007 gegründet wurde und seit 2015 als eingetragener Verein geführt wird. Der satzungsgemäße Zweck des Vereins sei die Förderung des Tierschutzes. „Durch Aufklärung und gutes Beispiel soll Verständnis für das Wesen der Tiere erweckt, ihr Wohlergehen gefördert und die Verhütung jeglicher Tierquälerei, Tiermissachtung und Tierausbeutung erstrebt werden. Die Tätigkeit des Vereins erstreckt sich auf den Schutz aller Tiere und ist nicht ortsgebunden.“

Quelle: Soester Anzeiger

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