Kunterbunt und kreativ

So gestalten die Schüler der Fürstenbergschule mit Spraydosen die Fassade der Sanitäranlagen um

Leonhard, Niklas und Amir (von links) gestalten mit Künstler Benjamin Siems einige Blumen mit der Spraydose.
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Leonhard, Niklas und Amir (von links) gestalten mit Künstler Benjamin Siems einige Blumen mit der Spraydose.

Leonhard, Niklas und Amir hatten noch nie im Leben eine Spraydose in der Hand – das hat sich in den vergangenen beiden Tagen geändert. Die sechsjährigen Schüler der Fürstenbergschule gestalten gemeinsam mit Künstler Benjamin Siems und ihren Mitschülern die Wände der Sanitäranlagen unter dem Abdach um.

Hünningen - „Hast du keine Kraft in den Fingern“, meckert Benjamin Siems Amir an und greift beherzt zu. Gemeinsam sprayen sie rote Farbe auf eine Schablone mit Blumenmuster. Danach ist Niklas an der Reihe mit einer gelben Spraydose, dann Leonhard mit orange. Als Benjamin Siems sagt, jetzt dürft ihr die mit Klebeband befestigte Schablone wegnehmen, staunen die drei Schüler, die wie rund 50 andere Kinder am Ferienprogramm der Schule teilnehmen, nicht schlecht. Die Blume sieht schon richtig gut aus, sagt Siems, „jetzt müssen wir sie trocknen lassen, dann machen wir weiter.“

Die forsche Art des Künstlers kommt bei den Kindern gut an – vor allem kennt Siems am zweiten Tag bereits die meisten Namen seiner Schützlinge. „Das ist der Beruf“, sagt er mit einem Lachen.

Benjamin Siems ist ein Graffiti- und Airbrush-Künstler aus Coesfeld, im Internet ist er unter dem Namen „2lefthands“ zu finden. Siems gestaltet Garagentore und Innenräume, in der letzten Zeit habe er sich aber auf Workshops mit Kindern konzentriert.

Schüler-Biotop auf Toilettenwand

Mehr als 50 Quadratmeter Wandfläche will der Künstler in dieser Woche mit seinen kleinen Helfern gestalten. Die Idee: Das Schüler-Biotop zwischen Waltringen und Hünningen soll sich auf der Wand wiederfinden.

Bereits im Vorfeld hatten die Schüler das Projekt vorbereitet, gemeinsam mit ihren Lehrern hatten sie sich angeschaut, welche Tiere in dem Biotop leben und Fotos gemacht. Aus diesen Bildern hat Benjamin Siems Skizzen und Schablonen gefertigt. Am vergangenen Donnerstag hatte Siems begonnen, zunächst mit einer Schicht Tiefgrund. „Das ist ein wenig wie flüssige Milch und zieht in den Stein ein, sodass die Steine später keine Farbe mehr aufsaugen.“ Anschließend sprühte Siems die Wand zweimal mit einem Haftgrundmittel ein. Einen blauen Himmel und eine grüne Wiese hatte der Künstler den Schülern am Wochenende auch schon vorbereitet, sodass diese am Montag direkt mit den Spraydosen loslegen konnten.

Schüler der Fürstenbergschule gestalten Fassade der Sanitäranlagen neu

Schüler der Fürstenbergschule in Hünningen gestalten Fassade der Sanitäranlage mit Graffiti-Künstler Benjamin Siems um
Schüler der Fürstenbergschule in Hünningen gestalten Fassade der Sanitäranlage mit Graffiti-Künstler Benjamin Siems um
Schüler der Fürstenbergschule in Hünningen gestalten Fassade der Sanitäranlage mit Graffiti-Künstler Benjamin Siems um
Schüler der Fürstenbergschule in Hünningen gestalten Fassade der Sanitäranlage mit Graffiti-Künstler Benjamin Siems um
Schüler der Fürstenbergschule gestalten Fassade der Sanitäranlagen neu

„Ich liebe Tiere“, sagte die siebenjährige Livia. Sie hatte bereits einen großen Hirsch auf der Wand vorgezeichnet – die Umrisse wurden mit einem Tageslichtprojektor an die Wand geworfen. „Ein super Hilfsmittel“, sagt Bejamin Siems zu der aus der Mode gekommenen Technik. Livia hatte so viel Spaß, dass sie nach dem Hirsch gemeinsam mit Fynn einen Fischreiher in Angriff nahm.

Freitag soll das Werk fertig sein

Jennifer Merchies, Erzieherin in der OGS der Fürstenbergschule, hatte den Künstler im Internet entdeckt und das Projekt mit angeleiert. „So haben wir uns das vorgestellt“, sagt sie, „alle können mitmachen.“ Zuvor sei dort, wo jetzt das Kunstwerk entsteht, eine dunkle Wand gewesen, erklärt Jennifer Merchies.

Später drückte Benjamin Siems auch Livia eine Spraydose in die Hand, die kleine Künstlerin sollte ihre Zeichnungen nun auch mit Farbe füllen. Zunächst war Livia noch skeptisch, dann fing aber auch sie an mit den bunten Farben – davon hatte Siems eine ganze Lkw-Ladung mitgebracht – herumzuprobieren. Am Freitag soll das Kunstwerk fertiggestellt werden – ein kunterbuntes Biotop mit vielen kleinen und großen Hinguckern.

Fördergeld

Einen fünfstelligen Betrag – insgesamt 17 180 Euro – hatte die Hünninger Fürstenbergschule vom Schulministerium des Landes für das Ferienprogramm erhalten. Das Ministerium fördert außerschulische Bildungs- und Betreuungsangebote in Corona-Zeiten speziell. Bereits für die Sommerferien stellte das Land insgesamt 75 Millionen Euro zur Verfügung. Die verbliebenen Fördermittel überträgt die Landesregierung auf die Herbstferien und darüber hinaus, heißt es in einer Mitteilung. Rund 50 Schüler nehmen in Hünningen teil.

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