Tour durch die Gemeinde

Sensenmann und Kettcar-Fahrer drehen Video zum Ense-Lied - hier gibt es den Song in voller Länge

Mit dem Kettcar zum Musik-Video: Bürgermeister Rainer Busemann (hinten rechts) und Ralf Hettwer (links) vom Initiativkreis Ense unterstützen Winni Biermann und Claudia Hirschfeld
+
Mit dem Kettcar zum Musik-Video: Bürgermeister Rainer Busemann (hinten rechts) und Ralf Hettwer (links) vom Initiativkreis Ense unterstützen Winni Biermann und Claudia Hirschfeld.

Wie auch der Rest des öffentlichen und kulturellen Lebens mag die Karnevalsession zwar dem Coronavirus am Narrhallamarsch vorbeigehen, doch zumindest das Wetter hat Erbarmen. Blauer Himmel und Sonnenschein erwarten Winni Biermann, als er nach Ense kommt. Gemeinsam mit Musikerin Claudia Hirschfeld sowie ihrem Mann und Manager Andreas Mautner hinter der Kamera will der Münsterländer ein Video zu ihrem Karnevalsschlager „Der Sensemann von Ense“ drehen.

Ense - Seit ein Lokalsender in seiner Heimat durch einen Facebook-Post Biermanns auf den Song aufmerksam wurde, noch lange, bevor er überhaupt in voller Länge erhältlich ist, ging der Radiobeitrag in Enser Facebookgruppen viral – die Reaktionen waren mal so, mal so, berichtet Mautner: „Aber wenn etwas polarisiert, dann wird darüber gesprochen. Und viele glaubten, der Sensenmann stehe für das Coronavirus. Dabei ging es uns nur um das Wortspiel.“ Seine Frau Claudia Hirschfeld, die das Stück komponiert, getextet und mit ihrer Orgel im Studio eingespielt hat, ergänzt: „Wir haben da echt eine Welle losgetreten. Wir wollen dabei nicht mehr, als nur ein bisschen gute Laune verbreiten in dieser tristen Zeit. Uns war es wichtig, dass alle Ortsteilen vertreten sind. Und sollte ich irgendetwas nicht berücksichtigt haben, bitte nicht böse sein. Wir können ja immer noch weitere Strophen dazu dichten.“ Doch letztlich müsse der Song ja nicht jedem gefallen.

Winni Biermann dagegen fuhr voll auf ihn ab – buchstäblich. Den singenden Lkw-Fahrer aus Bocholt lernte die Enser Showorganistin über Facebook kennen. Für ihn hatte sie ein Truckerlied im Country-Stil geschrieben und ihm einfach auch den „Sensenmann“ mitgeschickt. „Der gefiel mir eigentlich noch besser, den wollte ich unbedingt singen“, meint Biermann. Für ihn ist es nicht das erste Mal, dass sein Gesang im Internet für erhöhte Aufmerksamkeit sorgt. 2014 filmte ihn ein Lokaljournalist am Steuer seines Brummis, als er für seine Soli im Männerchor probte. Das Video ging sofort durch die Decke, Fernsehsender fragten ihn an, letztlich nahm er für Sony ein Album auf mit Titeln aus Oper und Operette, er tourte mit Paul Potts und Anna Maria Kaufmann. Sein Management habe ihn sogar dazu drängen wollen, Berufssänger zu werden, erzählt er. Doch der Familienvater wählte den sicheren Job hinter seinem Lenkrad. Zum Glück. Denn erstens führte die Platte zwar einige Wochen lang die Klassikcharts an, war insgesamt jedoch nicht so erfolgreich, als dass Sony weitere folgen ließ. Heute, in Pandemie-Zeiten, kann er sich erst recht zu der Entscheidung gratulieren. Als Fahrer im Baugewerbe geht das Geschäft für ihn gerade durch die Decke, während viele Künstler auf dem Zahnfleisch robben.

Claudia Hirschfeld kommt statt der üblichen 100 Aufritte in diesem Jahr nur auf zehn. Auch der wohl ausschließlich für Ense interessante „Sensenmann“ wird ihr kaum Reichtum bescheren. Aber dazu ist er ja auch gar nicht gedacht: „Ich habe es genossen, immerhin die Zeit zum Komponieren und Texten zu haben, dazu fehlt mir sonst die Muße“, ringt sie der Pandemie eine ihrer wenigen guten Seiten ab.

Bürgermeister Busemann bietet Videomaterial an

An diesem Tag werden nur noch all jene Segmente gefilmt, in denen Biermann zu sehen ist. In den Tagen zuvor hat Mautner in allen Ortsteilen allerlei Lokalkolorit eingefangen, zum Teil mit der Drohne. In den kommenden Tagen und Wochen erwartet ihn noch einiges an Schnittarbeit am Rechner.

Zu Beginn treffen sie sich noch mit Ralf Hettwer und Rainer Busemann – der Vorsitzende des Initiativkreises und der neue Bürgermeister stehen voll hinter der eingängigen Mitsingnummer. Busemann bietet sogar Videomaterial von Ense an, das er für seinen Wahlkampf anfertigen ließ. Aber vermutlich hat Mautner schon längst alles im Kasten, was er braucht. Dafür findet Busemann in Biermann einen Bruder im Geiste – also, Schützenbruder. Der Enser Bezirksschützenmeister trifft auf einen dank Corona schon im zweiten Jahr amtierenden Schützenkönig.

Dreharbeiten für das Musik-Video

Video-Dreh Sensenmann-Lied von Claudia Hirschfeld und Winni Biermann
Video-Dreh Sensenmann-Lied von Claudia Hirschfeld und Winni Biermann
Video-Dreh Sensenmann-Lied von Claudia Hirschfeld und Winni Biermann
Video-Dreh Sensenmann-Lied von Claudia Hirschfeld und Winni Biermann
Dreharbeiten für das Musik-Video

Vom Rathaus geht es zum ersten Drehort, der im Lied erwähnten Bäckerei Klapp. Die massive Wersi-Orgel ist nicht mit dabei, zu aufwendig wäre es, sie von einem Drehort zum nächsten zu wuchten. Ihre Besitzerin huscht stattdessen nur ab und an als Sensenmann, Pardon, Sensenfrau durchs Bild. Auf dem Weg zu Klapp lachen zwei Frauen von einem Balkon herunter: „Ach, ihr seid das mit dem Lied“, ordnen sie die schwarze Kutte direkt korrekt zu. Bäckermeister Heiko Klapp gibt dem Sensemann ein paar Kekse mit auf den Weg. Nun sind sie quasi die Plätzchen des Todes.

Von Bremen bis Volbringen

Statt ein teures Kamerateam zu verpflichten, filmt Mautner mit seiner digitalen Fotokamera, „denn das soll ja auch keine Oscar-reife Produktion werden“, betont er den Spaßfaktor der Aktion. Und als Ton wird ja später eh der Song drüber gelegt, Biermann singt zum Playback aus einem Bluetooth-Lautsprecher. Zum Glück einem großen und vor allem lauten. Denn als vor der Gaststätte Wulf gefilmt wird, wütet einer der Nachbarn in seinem Garten mit der Kettensäge, was in Anwesenheit des Sensenmanns einen makabren Beigeschmack bekommt. Noch schräger wirkt der Auftritt des Gevatters Tod vorm Gasthaus Himmelpforten. Vierte Station ist der Hof Asshoff in Oberense, und vollbringen will das Gespann den Dreh abschließend in Volbringen am Ortseingangschild. „Nun wollen wir den Song aber auch hören“, ruft ihnen ein junges Paar zu und schaut vom Fenster aus belustigt zu. Bis ihn wirklich alle in voller Länge hören und vor allem sehen können, vergeht noch eine unbestimmte Zahl von Tagen oder Wochen. Sobald das Lied auf allen üblichen Portalen zum Download bereitsteht und das Video online geht, will Mautner rechtzeitig Bescheid geben.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare