Über 1.000 Kurzarbeiter in Enser Betrieben 

Bei einigen Unternehmen beträgt der Anteil der Kurzarbeiter bereits jetzt 50 Prozent, bei anderen derzeit 30 Prozent, aber mit steigendem Niveau.

Bremen – Die Lage ist schwierig, aber nicht hoffnungslos. Das kann man wohl als Ergebnis einer Umfrage der Kreiswirtschaftsförderung bei den acht größten Enser Unternehmen festhalten. Demnach gebe es durch die Corona-Krise mehr als 1 000 Kurzarbeiter in den heimischen Betrieben.

Das jedenfalls teilt Ulrich Häken aus Bremen, Fraktionschef der CDU im Kreistag Soest, gegenüber dem Anzeiger mit 

Er hatte eine Befragung in seiner Funktion als Vorsitzender des Aufsichtsrates der Kreiswirtschaftsförderung in heimischen Unternehmen angeregt. 

Während sehr „autonahe“ Betriebe teils deutliche und massive Einbrüche bei Umsatz und Auslastung spürten, gehe es anderen Industrieunternehmen und Dienstleistern noch relativ gut. 

Nahezu alle Firmen nähmen die Bedrohung durch Corona sehr ernst und hätten betriebsinterne Pandemiepläne ausgerollt, das getrennte Zwei-Schicht-Modell ist hier wohl Mittel der Wahl. Das bedeutet, dass die gesamte Belegschaft in zwei Schichten aufgeteilt wurde, und nun zeitversetzt arbeiten– also ohne eine Überlappung der Zeiten und ein Aufeinandertreffen der Mitarbeiter am Standort. Home-Office werde umgesetzt, wo es gehe, Dienstreisen sowie Besuche seien nahezu alle abgesagt worden.

Da die Automobilindustrie europaweit nahezu alle Werke stillgelegt hat, große Zulieferer wie Bosch, ZF, und andere sich dem angeschlossen haben, wurde auch den heimischen Unternehmen, die Grundlage für eine stabile Weiterbeschäftigung entzogen. Die Firmenchefs loben daher auch das Instrument der Kurzarbeit-Regelung, das schnell und relativ unbürokratisch umgesetzt werden könne. 

Bei einigen Unternehmen beträgt der Anteil der Kurzarbeiter bereits jetzt 50 Prozent, bei anderen derzeit 30 Prozent, aber mit steigendem Niveau. Wieder andere blieben bisher ganz verschont, bereiten sich aber ebenfalls darauf vor. 

Auch die verschiedenen anderen staatlichen Hilfen – neben dem Kurzarbeitergeld insbesondere mögliche Steuerstundungen oder KFW-Mittel – werden geprüft. Die Hausbanken seien in den vergangenen Tagen auch besser im Thema und weitestgehend hilfsbereit. Bei der Versorgung durch Rohstoffe, Vorprodukte oder Dienstleistungen sieht man noch keine großen Probleme. Teils auf Grund langjähriger partnerschaftlicher Kunden-Lieferanten-Beziehungen, teils auf Grund hoher Lagerhaltung. Teils helfen Enser Unternehmen ihren Kunden auch bei Ausfall anderer Lieferanten, zum Beispiel indem bestehende Kontakte nach Italien oder anderen europäischen Ländern genutzt werden.

Ein durchmischtes Bild gibt es bei der Abfrage nach dem Informationsstand. Während sich einige Unternehmen mehr fachspezifische Auskünfte durch IHK und Verbände gewünscht hätten, beklagen andere schon jetzt die Informationsflut aus verschiedenen Richtungen.

Einig sind sich alle, dass diese Krise die Unternehmen gemeinsam noch lange begleiten werde. Und wenn auch die medizinische Notwendigkeit der derzeitigen Maßnahmen vollumfänglich begrüßt oder zumindest akzeptiert werden, so weist man doch daraufhin, dass dieser Zustand nicht über viele Monate hinweg aufrecht erhalten werden kann.

Ulrich Häken lobt alle beteiligten Unternehmen für die Auskünfte. „Diese Informationen aus der Wirtschaft sind sehr wichtig für uns. Einmal können wir gegebenenfalls für Nachbesserung auf Bundesebene werben. Was aber genauso wichtig ist: Wir müssen heute schon an morgen denken und für die Unternehmen Unterstützungsmöglichkeiten entwickeln, aus dieser schwersten Krise seit dem Zweiten Weltkrieg auch wieder herauszukommen.“

Aber auch hier seien die Enser Unternehmer eine verlässliche Größe. Nahezu alle arbeiteten mit Hochdruck an neuen Projekten. Ob schon in einigen Monaten, spätestens aber im nächsten Jahr sieht man „Licht am Ende des Tunnels“, will man neu durchstarten. Und dass, so eine weitere gute Nachricht, am liebsten mit der ganzen Mannschaft. Entlassungen sind also derzeit kein Thema.

Großes Lob bekam neben der Bundes- und Landesregierung auch der heimische Bürgermeister Hubert Wegener für den frühzeitigen Kontakt zu den Unternehmen. Für Häken ein Zeichen, dass alle Verwaltungsebenen – auch Gemeinde und Kreis – derzeit ihr Bestes geben, um die Wirtschaft, aber auch die Gesellschaft, vor den Folgen der Pandemie zu schützen. 

Letztlich müsse die „große Politik“ Antworten auf die Frage geben, wie es mit der Weltwirtschaft weitergehen sollte. Ulrich Häken spricht sich in diesem Zusammenhang ganz klar auch für europäische Lösungen aus. 

„Für die Zukunft müssen für alle Eventualfälle, wie solche Epidemien, Handelsbeschränkungen oder gar kriegerische Auseinandersetzungen irgendwo auf der Welt, zumindest Zweitlieferketten in der EU aufgebaut werden. Wir brauchen auch europäische Antworten auf die ‘neue’ Seidenstraßen-Strategie der Chinesen, als auch eine europäische Digitalstrategie gegen die großen Internetriesen in Amerika. Und dabei müssen wir unsere mittelständisch geprägt Wirtschaft im Blick haben.“

Quelle: Soester Anzeiger

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