Vize-Bürgermeister in Ense kann Enttäuschung über Verzögerung bei Kapellen-Sanierung verstehen 

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Als „offene Kirche“ präsentierte sich die Kapelle am Sonntag. Hubert Kerstin vom Kapellenvorstand zeigte sich mit der Jubiläumsfeier zufrieden.

Waltringen – Vize-Bürgermeister Klaus Osterhaus (CDU) verband den Blick zurück mit einem deutlichen Hinweis auf die Gegenwart.

„Damals – 1669 – wurde erst gehandelt, das heißt gebaut. Dann ließ man sich 24 Jahre Zeit, um den Neubau zu beurkunden. Und es war in Ordnung. Heute braucht man wohl 24 Monate Zeit, um eine simple Baugenehmigung für dringend notwendige Reparaturen zu bekommen. Und nichts ist in Ordnung!“ 

Damit bezog sich der Repräsentant der politischen Gemeinde auf die verschobene Sanierung der Marien-Kapelle durch das Erzbistum Paderborn, die in der Vorwoche für eine Schlagzeile im Anzeiger gesorgt hatte. „Ich kann Ihre Sorgen und Nöte im Zusammenhang mit diesem Genehmigungsverfahren nachvollziehen und hoffe, dass es zeitnah – nicht erst nach 24 Jahren oder Monaten – doch noch zu einem guten Abschluss kommt. Bleiben Sie trotz aller Enttäuschung und Verbitterung zuversichtlich“, so Klaus Osterhaus in seinem Grußwort am Sonntagmorgen wörtlich.

Wobei er ergänzte: „Im Verwaltungshandbuch für das Erzbistum Paderborn heißt es unter dem Stichwort Gebäude und Grundstücke bewirtschaften zutreffend: ‘Gebäude können Identifikation stiften und Glaubensleben ermöglichen. Bei sinkenden Mitgliederzahlen gilt es, Gebäude und Grundstücke so zu unterhalten, dass Gemeindeleben heute und für die nachfolgende Generation möglich ist.’“ Zwar wolle er vermeiden, den Vorgang bewusst zu bewerten, dazu kenne er die inhaltlichen und verwaltungstechnischen Vorgaben des Bistums zu wenig. „Es mag ja vielleicht auch sinnvoll sein, einheitliche Standards vorzugeben – Stichwort: differenzierter Zugang zur Kapelle. Aber muss das alles so lange dauern? Darf die Selbstständigkeit der Kirchen- bzw. Kapellengemeinden so sehr beschnitten bzw. eingeschränkt werden?“

Mit Blick auf das eigentliche Jubiläum sagte Klaus Osterhaus: „350 Jahre Kapellengemeinde Waltringen, das sind – je nachdem, welche durchschnittliche Lebenserwartung man zugrunde legt – etwa sechs bis neun Generationen, die sich um den Bau, die Erweiterung und den Erhalt ihres Gotteshauses gekümmert haben. Natürlich alles im Ehrenamt! So einfach kann das gehen, hier in Waltringen sowieso.“ Recherchiere man zur Kapelle, so Klaus Osterhaus weiter, „zieht es sich wie ein roter Faden durch die Geschichte: Immer waren ehrsame und bescheidene Menschen am Werk, damals wie heute, die Mut und Gottvertrauen hatten. Es wurde gespendet und gestiftet. Und das auch in Zeiten, in denen das Geld knapp war. Es wurde organisiert und gearbeitet. Jeder half mit Geräten und seiner Arbeitskraft so, wie er konnte und es ihm möglich war. Das Gotteshaus entsprach den jeweiligen Bedürfnissen der Gläubigen: Ursprünglich reichten knapp 18 Quadratmeter, dann wurde erweitert bzw. zweimal neu gebaut, sodass die heutige, 1954 geweihte dritte Kapelle, rund. 275 Quadratmeter misst.“

Bis 1924 sei es in Waltringen fester Brauch gewesen, dass drei- bis viermal im Jahr Gottesdienst gefeiert wurde. „Heute findet im wöchentlichen Wechsel samstags um 17 Uhr ein Wortgottesdienst oder eine Hl. Messe statt. Dazu kommen nicht nur die Waltringer, sondern auch Gläubige aus den umliegenden Orten zusammen. Im Sommer sind es ca. 40 bis 50, im Winter sogar ca. 60 bis 70 Gläubige, die den Weg zum gemeinsamen Gebet in der kleinen, familiären Kapelle nach Waltringen finden.“ Und er glaube, dass es in der Bremer Pfarrkirche „leider manchmal auch nicht viele mehr sind“, so Klaus Osterhaus. Dass die Kapelle vor 350 Jahren unter den Schutz Mariens gestellt und nach ihr benannt worden sei, ist für Klaus Osterhaus Ausdruck einer hohen Emotionalität. Und zur Frage, warum dies so sei, zitierte er Dechant Dr. Gerd Best: „Einmal wegen der Nähe zu Christus. Aber für mich gibt es noch eine andere Erklärung: In einer Kirche, die ja aus ihrer Entstehungszeit nachvollziehbar männlich dominiert war, ist Maria immer der weibliche Akzent gewesen, der emotionale Akzent. Das ist für mich ein ganz wichtiger Grund, warum die Verehrung von Anfang an so ausgeprägt war.“ Dieser emotionale Akzent, so Klaus Osterhaus, das er das „Gefühl der Geborgenheit im Schutz der Mutter Gottes“ nennt, „wird wohl auch die Waltringer vor 350 Jahre dazu bewogen haben, ihre Kapelle der Himmelfahrt Mariens zu widmen.“

Zu guter Letzt dankte Klaus Osterhaus im Namen des Rates und der Verwaltung der Gemeinde Ense, „aber auch ganz persönlich dem Waltringer Kapellenvorstand sowie den beteiligten Ortsvereinen für ihr außerordentliches Engagement und gratuliere der gesamten Kapellengemeinde zu ihrem 350. Jubiläum. „Für Ihre unermüdliche Sorge um den Bestand, die Gestaltung und das Umfeld der St.-Marien-Kapelle spreche ich Ihnen unsere Anerkennung aus.“

Heinrich Brunnberg vom Waltringer Kapellenvorstand ließ in seiner Ansprache kurz die 350-jährige Geschichte der Marien-Kapellen Revue passieren. Ein großes Anliegen war es ihm dann, den „guten Geistern im Dienste der Kapellengemeinde“ für ihren Einsatz mit Blumen oder einem Präsent zu danken. Das waren neben Organist Elmar Dülberg – „Du spielst seit Jahrzehnten in jeder Messe unsere Orgel“ – auch die beiden Küsterinnen Resi Knaup und Elisabeth Diemel, die unter anderem für die „prächtige Ausschmückung“ der Kapelle zu den Gottesdiensten zuständig sind. Ferner wurden Gerold und Ute Wittkamp ausdrückich gewürdigt, die für die Reinigung des Gotteshauses zuständig sind.

Quelle: Soester Anzeiger

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