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Ruhne 4: Windparkbetreiber fordern schnelles Repowering

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Von: Karin Hillebrand

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Zwischen den drei großen Windrädern stehen noch drei kleinere, die mit der Umsetzung von Ruhne 4 zugunsten eines leistungsstärkeren Rades abgebaut würden.
Zwischen den drei großen Windrädern stehen noch drei kleinere, die mit der Umsetzung von Ruhne 4 zugunsten eines leistungsstärkeren Rades abgebaut würden. © Karin Hillebrand

Die Betreiber des Windparks in Ense-Ruhne setzen Hoffnungen in die neues Gesetzeslage und wollen möglichst schnell das Repowering auf der Haar abschließen. Ein neues Windrad soll hierbei drei alte ersetzen.


Ruhne – Das Anliegen von Andreas Düser ist nicht ganz uneigennützig. Er ist Mitbetreiber des Windparks Ruhne-Waltringen (WP), Mitbegründer der Interessengemeinschaft für Erneuerbare Energien in Südwestfalen (IG2e), Mitgesellschafter der Biogas-Anlage in Höingen und beruflich mit der Planung und Beratung im Zusammenhang mit erneuerbaren Energien befasst.

Gerade deshalb sieht der Maschinenbauingenieur anhand der Fragen, die ihm von Unternehmen fast täglich gestellt werden, aber auch das entsprechende „überragende öffentliche Interesse“ am Ausbau eben dieser Energieformen. „Es geht darum, ob wir Strom aus Windkraft liefern können oder eine Windkraftplanung durchführen, um Anlagen für verschiedenste Unternehmen aufstellen zu können. Auch bei der Biogasanlage wird regelmäßig angefragt, ob mehr Wärme oder direkt Strom und gegebenenfalls auch Gas geliefert werden können. Es sind Fragen, die kommen, weil die Not der Industrie so riesengroß ist“, beschreibt Düser die Problematik.

Vogelschutzgebiet nimmt große Fläche ein

Gleichzeitig habe die Bundesregierung in diesem Jahr zur Beschleunigung des Ausbaus erneuerbarer Energien in der Erneuerbare-Energiengesetz-Novelle (EE-Novelle 2023) unter anderem eine Befreiung in Landschaftsschutzgebieten als Standard definiert. Bislang konnte eine Befreiung nur der betreffende Kreis erteilen. Gerade im Kreis Soest sei viel Fläche als Vogelschutzgebiet ausgewiesen.

Die IG2e spricht sich daher für eine beschleunigte Umsetzung all der Projekte aus, die durch die EE-Novelle ohnehin realisiert werden dürfen, wie zum Beispiel Windräder in Landschaftsschutzgebieten. Als Mitbetreiber des Windparks sieht Düser hiermit auch neuen Wind für das noch offene Projekt Ruhne 4 aufkommen: „Das haben wir aus der ursprünglichen Planung heraus nehmen müssen, um wenigstens die drei anderen Windkraftanlagen realisieren zu können.“

Mit dem sogenannten „Repowering“ wurden 2014/2015 sieben alte Anlagen aus dem Jahr 1994 gegen drei leistungsstärkere, 150 Meter hohe Windkrafträder ausgetauscht. „Ruhne 4 lag nicht in den dafür ausgewiesenen Flächen, sondern in einem Vogelschutzgebiet. Hiervon gibt es gerade in Ense viele“, erklärt der 56-Jährige hierzu.

Zudem sei die Gemeinde stark zersiedelt und landschaftlich durch Berge und Täler geprägt, was es nicht einfach mache, Ersatzstandorte zu finden: Der „angedachte Standort ist prädestiniert für ein Windrad.“

9 Millionen Kilowattstunden Strom

Die vierte Anlage des WP könnte, so Düser, 9 Millionen Kilowattstunden Strom im Jahr erzeugen. 2020 bekamen die Betreiber einen Ablehnungsbescheid vom Kreis Soest, in dem die Arbeitsgemeinschaft Biologischer Umweltschutz (ABU) negativ Stellung bezog. „Der Mornellregenpfeifer macht in dem Gebiet Rast“, zitiert Düser daraus.

Die WP beauftragte einen Ornitologen damit, über drei Jahre hinweg Kartierungen durchzuführen. In zwei Jahren habe dieser eine sehr geringe Anzahl der Vögel dort beobachten können. „Man weiß nicht sehr viel über diesen Vogel – anders als bei anderen Arten, wie beispielsweise dem Rotmilan oder der Wiesenweihe.“

Der WP muss jedes Jahr etwa zehn Hektar Ausgleichs-Fläche zur Verfügung stellen. Durch doppelten Reihenabstand und Blühstreifen schaffe man dort Lebensraum für die Wiesenweihe. Auch dürften bestimmte Spritzmittel dort nicht eingesetzt werden, um so den Eingriff in die Natur auszugleichen.

Über 100 Anteilseigner

Die Windpark Ruhne-Waltringen GmbH hat über 100 Anteilseigner, dazu zählt auch Bürger-Windrad-Ense. Momentan werde ein neuer Antrag mit Ausgleichskonzept für den Mornellregenpfeifer für Ruhne 4 erarbeitet, so Düser, Gemeinde und Bezirksregierung hätten das Projekt immer unterstützt, auch beim Kreis Soest sei man auf der Arbeitsebene sehr bemüht.

Ihn selbst treiben, neben der geschäftlichen Interesse, ganz persönliche Anliegen an: „Beteiligung vieler Menschen, Unabhängigkeit, Bezahlbarkeit, eine CO2 -neutrale Produktion zur Begrenzung des Klimawandels.“

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