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Junger Sauerländer errichtet Zahntechniklabor auf Jamaika

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Von: Stefanie Nöcker

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Für drei Monate war der Zahntechniker Frederik Hamm auf Jamaika, um Bedürftigen zu helfen.
Für drei Monate war der Zahntechniker Frederik Hamm auf Jamaika, um Bedürftigen zu helfen. © Privat

Jamaika. Das grüne Paradies der Karibik. Reggae, Rum, Lebensfreude pur. Tropengrüne Wälder, strahlend weiße Sandstrände und ein Meer in den schönsten Blautönen. Das alles erwartet Urlauber auf Jamaika. Frederik Hamm aus Eslohe hatte zwar das gleiche Reiseziel wie ein Tourist, doch Erholung stand bei ihm nicht im Mittelpunkt. Der 23-Jährige war mit der zahnmedizinischen Hilfsorganisation „Diano“ (Dental International Aid Networking Organisation) für rund drei Monate in der Hauptstadt Kingston.

Eslohe - „Viele möchten sofort nach dem Abi ins Ausland und eine schöne Zeit haben. Das ist ja fast schon Standard. Aber das habe ich eben nicht gemacht. Ich wollte meinen Job gerne mit einer Auslandserfahrung kombinieren“, erzählt Frederik Hamm. Nachdem er im Jahr 2018 sein Abitur absolviert hat, begann er direkt im Anschluss die Ausbildung zum Zahntechniker. Und das stand für ihn bereits früh fest. „Mein Vater ist auch Zahntechniker. Er war schon immer mein Vorbild und hat mich inspiriert“, verrät der 23-Jährige. Und weiter: „Die Zahntechnik ist einfach meine Leidenschaft.“

Fest steht: Frederik Hamm liebt seinen Beruf. Kein Wunder also, dass er auch in seiner Freizeit voll und ganz bei der Sache ist. Vor einiger Zeit las der Esloher eine Fachzeitschrift und ist auf „Diano“ aufmerksam geworden. „Ein junger Mann war ebenfalls mit der Organisation auf Jamaika. Ich war sofort von der Geschichte angetan und wollte genauso ein Abenteuer erleben“, blickt Hamm zurück.

Gesagt, getan. Die Organisation hat die Flüge gebucht, Frederik seine Unterkunft, ein Airbnb. Kurz vor seiner Abreise hat der Esloher Spendenmaterial wie Instrumente, Fräser, Wachs und Kunststoff gesammelt. Auf Jamaika angekommen, wurde Frederik schnell klar, dass das Land zwar „wunderschön“, aber auch ziemlich arm ist – und eine hohe Kriminalitätsrate hat. „Wenn es dunkel ist, geht hier niemand mehr auf die Straße. Viele Menschen sind arbeitslos, schlafen auf dem Bürgersteig“, berichtet Frederik Hamm. „Es war anfangs wirklich schwer, sich alleine zurecht zu finden“, gibt der 23-Jährige zu.

Ich habe gesehen, was Armut und Dankbarkeit bedeuten. Ich nehme eine besondere Lebenserfahrung mit. Und ich würde es wieder genauso machen. 

Frederik Hamm

Aber der Esloher hat sich der Herausforderung gestellt, um den Bedürftigen auf Jamaika zu helfen. Er hat mit dem Ministry of Health Jamaica zusammengearbeitet, um ein Zahntechniklabor aufzubauen. „Wie können wir das Labor einrichten? Welche Materialien und Maschinen benötigen wir? Welche Probleme kommen auf uns zu? Diese ganzen Fragen mussten beantwortet werden“, erzählt Frederik Hamm. Er hat einen Plan entwickelt, wie das Labor in drei Schritten, kurz-, mittel-, und langfristig, aufgebaut werden kann.

Das Ziel des Ganzen: den ärmeren Bürgern eine Grundischerung zu geben. Dazu gehörte auch, kostenlos Prothesen anzubieten. Diese hat Frederik für die ärmeren Menschen hergestellt. „Das sind die klassischen Totalprothesen wie man sie von Oma und Opa kennt oder herausnehmbare Klammerprothesen. Für Kronen und Brücken fehlten schlichtweg die Materialien und Maschinen.“

Leider lässt sich so ein Mammut-Projekt natürlich nicht in drei Monaten realisieren. „Schritt zwei wäre es, das Labor mit 3D-Druckern, Computern und Scanner auszustatten, um Prothesen und Zähne zu designen. Die Zielvorstellung ist ein volldigitales Labor nach deutschem Standard“, sagt Frederik Hamm. Er hofft inständig, dass das Projekt nach seiner Abreise nicht ins Leere läuft. „Dafür habe ich ja schließlich die Pläne geschrieben, Material und Maschinen bestellt und jamaikanische Zahntechniker überzeugt, sie sogar teils im Crashkurs ausgebildet. Jetzt liegt es an den Jamaikanern, was sie daraus machen.“

Alles in allem blickt Frederik auf drei wertvolle Monate zurück. „Die Menschen waren dankbar. Ich konnte ihnen ihr Lächeln und Lebensgefühl zurückgeben. Und wenn sie endlich wieder ihre tropischen Früchte essen können, was sie ewig nicht konnten, weil ihnen die Zähne fehlten, ändert das ihren kompletten Nahrungskreislauf. Aber ich glaube, das geht jetzt zu tief“, lacht der Esloher. „Ich habe gesehen, was Armut und Dankbarkeit bedeuten. Ich nehme eine besondere Lebenserfahrung mit. Und ich würde es wieder genauso machen.“

Morgen wird der 23-Jährige die Rückreise nach Deutschland antreten. „Ich freue mich wahnsinnig auf meine Familie und das gemeinsame Weihnachtsfest. Nächstes Jahr ziehe ich nach Köln. Da werde ich meinen neuen Job anfangen, natürlich auch als Zahntechniker. Und irgendwann geht es dann zurück ins Sauerland, wo das Labor von meinem Papa auf mich wartet.“

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