Er will „mit gutem Beispiel vorangehen“

Corona-Impfung von Eslohes Bürgermeister Stephan Kersting sorgt für Irritationen

Eigene Impfung als Appell an die Mitarbeiter: Eslohes Bürgermeister Stephan Kersting.
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Eigene Impfung als Appell an die Mitarbeiter: Eslohes Bürgermeister Stephan Kersting.

Der Impfstoff gegen das Coronavirus ist knapp. „Die Schwächsten zuerst schützen“, lautet der Grundsatz der Bundesregierung. Nur Bewohner und Mitarbeiter von Pflegeeinrichtungen sowie alle Menschen über 80 erhalten derzeit die Impfung. Doch auch Eslohes Bürgermeister Stephan Kersting und Kämmerer Michael Nemeita ließen sich impfen. Das sorgte jetzt für Irritationen.

Eslohe - Es habe keinerlei „Vordrängeln“ oder gar eine Ausnutzung des Bürgermeisteramtes oder des Kämmereramtes auf einer „Warteliste“ gegeben, betont Kersting, der die Impfungen auf Nachfrage unserer Zeitung bestätigte. Aus einem anonymen Schreiben an den Kurier war hervorgegangen, Kersting und Nemeita hätten sich impfen lassen, ohne zur Gruppe 1 mit höchster Priorität zu zählen.

„Aufgrund der für mich doch enttäuschenden Anzahl von Einwilligungen zum Impfen haben sich Herr Nemeita und ich entschlossen mit ‘gutem Beispiel’ voranzugehen und uns als ‘Chefs’ von Störmanns Hof ebenfalls impfen zu lassen. Wir haben uns dazu entschlossen, um Sie eindringlich zu bitten sich ebenfalls impfen zu lassen“, so der Bürgermeister in einem Brief an die Mitarbeiter des Seniorenheims in Eslohe, welcher der Redaktion vorliegt. „Bitte verstehen Sie unsere persönliche Impfung und diesen Brief als Appell, sich ebenfalls impfen zu lassen“, heißt es darin.

Corona-Impfung von Eslohes Bürgermeister Stephan Kersting sorgt für Irritationen

Der Bürgermeister betont die absolute Notwendigkeit der bevorzugten Impfung von alten und pflegebedürftigen Menschen sowie Mitarbeitern von Pflegeheimen bei der aktuellen knappen Versorgung mit Impfdosen, also auch von diesen Personengruppen im Störmanns Hof in Eslohe.

„Aufgrund der für mich doch enttäuschenden Anzahl von Einwilligungen zum Impfen haben sich Herr Nemeita und ich entschlossen mit ‘gutem Beispiel’ voranzugehen und uns als ‘Chefs’ von Störmanns Hof ebenfalls impfen zu lassen.

Stephan Kersting Bürgermeister der Gemeinde Eslohe und Geschäftsführer Störmanns Hof

Der Träger dieser Einrichtung sei zu 100 Prozent die Gemeinde Eslohe. Der Bürgermeister sei als Geschäftsführer dort beschäftigt und nehme diese Tätigkeit regelmäßig auch innerhalb der Einrichtung wahr, ebenso Kämmerer Nemeita als weiterer Geschäftsführer.

„Die formale Berechtigung ergibt sich eben aus der Tätigkeit von Herrn Nemeita und meiner Person in Störmanns Hof“, erklärt Kersting und versichert mit Nachdruck, „dass ich als Bürgermeister diese Impfung zu diesem frühen Zeitpunkt, die mir rein formal aus oben genannten Gründen angeboten wurde, zunächst sofort abgelehnt habe“. Vielmehr sei später der zitierte Appell an die Mitarbeiter ausschlaggebend für seine Entscheidung gewesen.

So habe er zunächst, nachdem Störmanns Hof die Zusage eines Impftermins von der zuständigen Stelle bekommen habe, unverzüglich einen Brief an alle Bewohner und Mitarbeiter der Einrichtung verschickt. In diesem Brief sei eine ausreichende Frist benannt worden, in der sich die angeschriebenen Personen zur Impfung anmelden mussten.

„Das Anmeldeergebnis war bezüglich der Bewohnerinnen und Bewohner relativ gut, aber leider bezüglich der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus meiner Sicht sehr unbefriedigend. Wir mussten leider feststellen, dass nicht einmal 40 Prozent der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bereit waren, die Impfung durchführen zu lassen“, berichtet Kersting.

Das enttäuschende Impfergebnis habe er mit Dr. Christoph Struwe und Michael Nemeita, intensiv diskutiert. Auch habe er weiterhin mit verschiedenen „impfbereiten“ Mitarbeiterinnen gesprochen, um nach den Gründen der Ablehnung zu forschen. Einer dieser Gründe sei eine diffuse „Angst“ vor Nebenwirkungen der Impfung gewesen. Gemeinsam sei man zu der Überlegung gekommen, den „Impfaufruf“ an die Mitarbeiter mit einem dringenden „Impfappell“ zu starten und nochmals auf die Notwendigkeit der Impfung hinzuweisen. „In diesem weiteren kurzfristigen Aufruf habe ich dann meine Bereitschaft erklärt, mich selbst zusammen mit den Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen impfen zu lassen, um diese Ängste, sozusagen als gutes Vorbild, zu nehmen und um damit zusätzlich Vertrauen aufzubauen. Der Aufruf erfolgte einen Tag vor dem Ende der Anmeldefrist.“

Für Kersting sei seine Impfung auch in der Nachbetrachtung die richtige Entscheidung gewesen, obwohl ihm klar gewesen sei, dass Diskussionen aufkommen würden. Doch „die Impfbereitschaft und die Anmeldungen stiegen innerhalb der kurzen Frist bis zum Anmeldungsende auf über 74 Prozent“, sieht sich der Bürgermeister bestätigt, zumindest einem Teil der Mitarbeiter die Angst genommen zu haben.

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