"Alten Brauch aufrechterhalten"

Kläppstern werden an Kartagen in Isingheim an die Kinder verteilt

Die St. Antonius-Kapelle in Isingheim.

Isingheim. Die kleine Ortschaft Isingheim an der Bundesstraße 55 ist ein Ortsteil der Gemeinde Eslohe. Ein Anhaltspunkt über die frühere Größe des Ortes ergibt sich aus einem Schatzungsregister (diente der Erhebung von Steuern) für das Jahr 1543. Demnach gab es in „Isinckheim“ sechs Schatzungspflichtige. Die Zahl dürfte mit den damals vorhandenen Höfen beziehungsweise Häusern übereingestimmt haben. Zu den Besonderheiten und Sehenswürdigkeiten des Ortes gehören die denkmalgeschützte St.-Antonius-Kapelle aus dem Jahr 1762 und die denkmalgeschützte Knochenmühle aus dem 19. Jahrhundert. Diese nimmt gerade jetzt zu Ostern eine wichtige Rolle im Ort ein.

Mitten durch Isingheim fließt der Esselbach. Die St. Antonius-Kapelle ist für die Bewohner des kleinen Örtchens der Mittelpunkt des Dorfes. Die Dorfgemeinschaft, dazu gehören auch Lüdingheim und Bockheim, sind mit Recht stolz auf ihre kleine St.-Antonius-Kapelle.

Ortsvorsteher Norbert Sapp hat die Schlüsselgewalt und wird sie gerade jetzt in der Karwoche gerne öffnen. Am vergangenen Dienstag kamen die Gläubigen zum Kreuzweg beten zusammen. Hierzu waren Einwohner, Familien und Gäste willkommen. In der Kapelle hängen die 14 Stationen des Leidensweges Jesu. Es sind Bilde, colorierte Lithographien, mit Texten in fünf Sprachen. Die Lithographie im engeren Sinn als Drucktechnik bezeichnet den Druck mittels einer Steinplatte.

Dazu wird das Bild gespiegelt auf den Lithographiestein (häufig Kalkstein) aufgetragen und auf einen Träger gewalzt. Die Steinplatte wird nach der Auflage vollständig zerstört, damit keine weiteren Drucke vorgenommen werden können. Jede originale Lithographie wird in einer limitierten Auflage gedruckt.

Einweihung im Jahr 1764

Rund 20 Jahre hing dieser Kreuzweg als Leihgabe in der Pfarrkirche St. Peter und Paul Eslohe. Norbert Sapp weiß, welch ein Schatz die Kapelle birgt. 1762 wurde der Grundstein der heutigen Kapelle gelegt. 1764 wurde sie feierlich geweiht. Bereits vorher gab es dort eine Kapelle. Sie wird 1582 in den Esloher Kirchenbüchern erwähnt. Die Sonne scheint durch die Fenster und füllt den Raum in ein bezauberndes Licht.

Norbert Sapp führt freudig eine der acht neuen Holz-Kläppstern für die Kartage vor. „Die haben wir angeschafft, um den alten Brauch aufrecht zu erhalten. An den Kartagen werden die Kläppstern an Kinder verteilt, die sich an diesem alten Brauchtum beteiligen möchten“.

Die Kläppstern ersetzen die Kirchenglocken, die zum Zeichen der Trauer über den Tod Jesu schweigen. Am Gründonnerstagabend erklingen die Glocken letztmalig. Danach verstummen sie auch am Karfreitag und Karsamstag. Da die Glocken „nach Rom geflogen“ sind und erst zu Ostern wieder erklingen, ist es Tradition, sie durch die Klappstern in dieser Zeit zu ersetzen. Die Kinder ziehen dann mehrmals täglich durch den Ort.

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