Knochen knarren und ächzen noch

Die Knochen werden einmal jährlich auch heute noch gemahlen: Franz Stratmann mit großen und kleinen Besuchern in seiner Knochenmühle. Fotos: Erika Biskoping

Über 100 Jahre gibt es in dem kleinen Dorf Isingheim, in dem heute etwa 100 Einwohner leben, eine Gaststätte. Dem Eigentümer Franz Stratmann gehört auch eine der drei letzten Knochenmühlen in Westfalen. Hier ächzen auch heute noch die Knochen...

Im Jahr 1911 kaufte Franz Bruder, der Großvater des jetzigen Besitzers Franz Stratmann, das Haus mit Gaststätte direkt an der B 55 in Isingheim. 1931 heiratete Hedwig Bruder Fritz Stratmann, der die Gaststätte vom seinem Schwiegervater übernahm. Seit 1952 ist sie im Besitz von Franz Stratmann. Auch versorgte Franz Stratmann mit Ehefrau Hanna außer der Gaststätte eine Landwirtschaft und eine Poststelle, die bis 1969 im Haus Stratmann untergebracht war.

Mit der Einrichtung der Post-Nebenstelle, die dem Postamt Eslohe unterstand, wurden Poststempel angeschafft, die den Namen des Ortes und des Leitpostamtes verzeichneten. Am 22. Juli 1909 bekam Isingheim eine Telegraphen-Betriebsstelle, die Poststelle wurde am 1. Juli 1930 eingerichtet.

"Es klapperte die Mühle am rauschenden Bach"... Die große Leidenschaft des heute 78-jährigen Franz Stratmann ist seine historische alte Knochenmühle, eine Attraktion besonderer Art. Stratmann ist Eigentümer einer der drei letzten Knochenmühlen in Westfalen. Die Wasserkraft des Esselbaches nutzend, war ursprünglich an diesem Standort eine Sägemühle vorzufinden. Erst später, in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, wurde diese durch die heute bestehende Mühle besetzt. Es war eine Anpassung an die Bedürfnisse der Landwirtschaft, da das Knochenmehl für die Düngung des Bodens dringend benötigt wurde. Kunstdünger war damals nicht bekannt.

Ein Haufen alter Tierknochen

Beim Betreten der Mühle stößt der Besucher auf einen Haufen alter Tierknochen. 65 Kilo schwere eiserne Stempel zerstampfen die Knochen zu Mehl. Das Knarren und Ächzen der seit 1985 unter Denkmalschutz gestellten Knochenmühle hört man immer dann, wenn Franz Stratmann Gäste hat und ihnen die Anlage und ihre Arbeitsweise vorführt. So jährlich am Pfingstmontag, dem "Deutschen Mühlentag", dann dreht sich das Wasserrad und es werden, wie zu alten Zeiten, in dem Kulturdenkmal am Esselbach Tierknochen zu Knochenmehl verarbeitet.

In ihrer aktiven Zeit vor fast 100 Jahren verarbeitete die Isingheimer Knochenmühle pro Jahr rund 1000 Zentner Knochen zu Mehl. Überliefert ist dieses von Fritz Stratmann, dem Vater des jetzigen Besitzers. Dessen Schwiegervater Franz Bruder bezog die Knochen wagonweise aus weitem Umkreis.

Nach Kriegsende mahlten Stratmanns nur noch für den Eigenbedarf. Wirtin Hanna, Ehefrau des Besitzers verstarb am 6. November 2011. Nicht nur seinem Heimatörtchen Isingheim auch Lüdingheim und Hof Bockheim, der als Einzelhof an der B 55 zwischen Isingheim und Cobbenrode liegt, stand Franz Stratmann 32 Jahre als Ortsbeauftragter vor. Das angrenzende hauseigene Grundstück an der B 55, wird sowohl als Parkplatz wie auch als Bushaltestelle genutzt. Eine Verbindung vom Eichholz zur Bushaltestelle gibt es erst seit dem Jahr 2000. Die Dorfbewohner errichteten in Eigenleistung eine schmucke Holzbrücke über den Esselbach, der durch das Dörfchen fließt.

"Ein Ort der Stille"

"Besonders für unsere Schulkinder war dieses ein notwendiger Schritt zur Sicherheit," berichtet im Jahr 2003 Franz Stratmann, Ortsbeauftragte bei einem Interview mit dem SauerlandKurier. Auch die Kapelle, die sich mitten im Dorf befindet und dem heiligen Antonius geweiht ist, erwähnt er voll Stolz. Liebevoll wird sie von Dorfbewohnern gepflegt. Das elektrische Geläut erinnert dreimal am Tag, "hier ist ein Ort des Gebetes und der Stille".

Im Inneren der Kapelle befindet sich eine Gedenktafel, auf der die Gefallenen aus beiden Weltkriegen von Isingheim, Lüdingheim und Bockheim verzeichnet sind. Im September 2010 wurden umfangreiche Renovierungsarbeiten an der St. Antonius Kapelle durchgeführt.

Als das Baugerüst aufgestellt wurde und der alte Schiefer vom Dach entfernt wurde, stellten die Arbeiter fest, dass die gesamte Dachfläche zusätzlich neu verschalt werden musste. Der komplette Erlös des Dorf- und Kapellenfestes sowie Spenden von Besuchern halfen der Renovierung ein Stück weit weiter. Im kommenden Jahr 2013 feiert die Dorfgemeinschaft Isingheim das 250. Jubiläum der Errichtung der St. Antonius Kapelle.

Das jährliche Dorffest auf dem Spielplatz in der Dorfmitte ist der absolute Jahreshöhepunkt, bei dem der Zusammenhalt der Dorfgemeinschaft spürbar wird. Groß und Klein, Alt und Jung feiern miteinander in harmonischer Gemeinsamkeit.

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