Traurigkeit und Dankbarkeit

Pfarrer Jürgen Rademacher in Eslohe verabschiedet

Zum Abschied bekam das Pfarrer-Ehepaar Jürgen und Inka Rademacher (Mitte) von Presbyterium und Mitarbeitenden der Evangelischen Kirchengemeinde Dorlar-Eslohe ein Bild.

Eslohe. Traurigkeit und Dankbarkeit – diese Gefühle lagen jetzt über der Verabschiedung von Jürgen Rademacher, der mehr als 33 Jahre lang als Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde Dorlar gearbeitet hatte. Diese markierte den anstehenden Wechsel noch ganz anders: Einen Monat vor seiner Pensionierung wechselte sie ihren Namen und macht jetzt als Evangelische Kirchengemeinde Dorlar-Eslohe mit der Ergänzung deutlich, wo die meisten ihrer Gemeindeglieder wohnen. Auch der Verabschiedungs-Gottesdienst fand in Eslohe statt.

Die örtliche Evangelische St.-Johannis-Kirche platzte aus allen Nähten: 180 Besucher saßen und standen hier gedrängt, im Gemeinderaum unterhalb der Kirche verfolgten weitere 80 Menschen die Video-Übertragung des Gottesdienstes.

In seiner letzten Predigt erläuterte der Gemeindepfarrer Jürgen Rademacher den Zuhörern nochmal unaufgeregt, dass Glaube und Gemeinde gern Heimat sein wollten, aber jeder Mensch selbst darüber entscheide, wie er sich von beidem anziehen lassen möchte – und diese Anziehung am Ende nur über Nähe funktioniere. Im Rahmen des Gottesdienstes wurde Jürgen Rademacher von Superintendent Stefan Berk, Leitender Theologe des Wittgensteiner Kirchenkreises, zu dem auch Eslohe-Dorlar gehört, entpflichtet, verbunden mit seiner Würdigung für Jürgen Rademacher: „Ein Pfarrer, der seine Arbeit leise, behutsam und doch beharrlich tut. Ein Kollege, der lieber noch einmal über eine Sache nachdenkt als zu schnelle Entscheidungen zu treffen. Jemand, der gerne anderen den Vortritt lässt – und trotzdem eine geistliche und theologische Autorität ist. Dabei kann man nicht sagen, dass Du Dich mit dieser leisen, zurückhaltenden Art vor Verantwortung gescheut hättest.“ Etwa, als sich die Kirchengemeinde in einem offenen, ehrlichen, schmerzlichen Prozess mit ihrem Gebäudebestand beschäftigen musste, woran der heutige Kirchmeister Dr. Hans Dürr erinnerte: „Vorausschauenden Weitblick zeigte Jürgen, indem er zukunftsweisend die Struktur unserer mitgliederschwachen Gemeinde mit ehemals vier Kirchen in Richtung dieser Zentralkirche mitgestaltete. Religionsunterricht, Jugendhilfeeinrichtung Martinswerk, Seniorenheim Störmanns Hof, Kooperationsbemühungen mit Gleidorf häuften das seelsorgerliche Aufgabenportfolio. Zurückhaltend, bescheiden, mit Ruhe und Besonnenheit – so hat Jürgen sichtbare Zeichen in unserer Kirchengemeinde gesetzt, alles mit einer ganz ausgeprägten Liebe zu den Menschen. Dafür gebührt ihm unser aller Dank – Respekt vor seiner Lebensleistung!“

Rund 200 Gäste bei Feierstunde

Liturgie und Worte der Würdigung wurden immer wieder durch Musik in der Kirche unterbrochen: von Schülern und Lehrern der Esloher Kardinal-von-Galen-Schule, von Bianca Brieseck und Volker Lunau, von Grundschul-Leiter Thorsten Jagusch, von Katharina Bette und Andreas Klinkert, die Orgel spielte an diesem Tag Reinhard Wulbeck.

Bei der anschließenden Feierstunde im Katholischen Pfarrheim waren es der Esloher ProChor sowie der Schmallenberger Christoph Vosbeck, die Musik machten. Auch hier waren es wohl noch 200 Leute, die sich von Jürgen Rademacher verabschieden wollten. Offizielle Abschiedsgrüße gab es vom Esloher Bürgermeister Stephan Kersting für die Kommunalgemeinde sowie vom ehemaligen Presbyter Dr. Dieter Meierling und der aktuellen Presbyterin Karin Paetsch für die Kirchengemeinde. Dabei durfte in der Diaspora der Evangelischen natürlich auch ein katholisches Abschiedswort nicht fehlen.

Eingerahmt von den Pfarrern Erik Richter und Ludger Vornholz sowie Winfried Karger vom Kirchenvorstand St. Peter und Paul war es Gemeindereferentin Bernadette Klens, die im Namen des Katholischen Pastoralverbunds Schmallenberg-Eslohe das Wort „Ökumene“ für Jürgen Rademacher buchstabierte: „Ö - öffentlich auftretend, K - kollegial, U - umsichtig, M - menschlich, E - engagiert, N - nervenstark, E - einzigartig.“ In geschwisterlicher Verbundenheit ging ihr Dank an den evangelischen Pfarrer, aber darüber hinaus auch an dessen Ehefrau. Bei vielen Sätzen an diesem Nachmittag wurde klar, dass die Menschen Jürgen und Inka Rademacher stets als Team wahrnahmen und beiden gemeinsam danken wollten. Kein Wunder, dass das gemalte Bild der St.-Johannis-Kirche, das das Ehepaar als Abschiedsgeschenk von Presbyterium und Mitarbeitern bekam, die Zwei gemeinsam vor ihrer Esloher Kirche zeigt.

Info: Einige der Abschiedsgrußworte und viele Fotos von der Verabschiedung gibt es auf der Homepage des Evangelischen Kirchenkreises Wittgenstein unter www.kirchenkreis-wittgenstein.de.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare