Psalmen auf der Spur

Für die Fachwelt sind die Handschriften bereits veröffentlicht.

Schon vor 700 Jahren wurden Psalmen, andere Bibel-Lesungen und liturgische Texte in die Mundart des Sauerlandes übersetzt. Für die Fachwelt hat der schwedische Forscher Erik Rooth die entsprechenden Handschriften aus der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel bereits 1919 und 1969 veröffentlicht.

Das Projekt "Niederdeutsch in Westfalen" hat sie auch "ins Netz gestellt". Doch in der eigentlichen Herkunftsheimat weiß kaum jemand etwas von diesen einmaligen Zeugnissen aus der Frühzeit des Mittelniederdeutschen.

Daran will das Christine-Koch-Mundartarchiv am Esloher Museum jetzt etwas ändern. Peter Bürger, der das Archiv betreut, stellt die "sauerländischen Psalmen" im neuen Heft der Heimatbundzeitschrift "Sauerland" vor.

Die Schreiber des "Codex 58.4 Aug. 8" haben in die Übersetzungen zum Teil ihre lokale Sprechsprache einfließen lassen.

Dazu gehören Eigentümlichkeiten, die man heute noch im Plattdeutschen vor Ort nachweisen kann. Auch deshalb kann man sieben Jahrhunderte später sagen, dass die Zeugnisse aus dem Gebiet des Hochsauerlandes kommen.

Spannende Epoche der Kirchengeschichte

Die beiden Teile der Pergamenthandschrift (Psalter und Brevier) sind in einer spannenden Epoche der Kirchengeschichte entstanden. Theologen wie Meister Eckart verzichteten auf das für die meisten unverständliche Latein und predigten in der Sprache der Leute. Laien und besonders die Frauen zeigten mehr Selbstbewusstsein gegenüber den Priestern und suchten einen neuen Weg in der Kirche.

Als Entstehungsort für die sauerländischen Psalmen kommt besonders das Dekanat Meschede in Frage. 1323 bildete sich am Mescheder Walburgastift eine Gebetsbruderschaft, zu der auch weibliche und männliche Laien gehörten.

Es ist durchaus möglich, dass die Bibeltexte, Gebete und Gesänge in der niederdeutschen Sprache des Sauerlandes damals auch im Kirchenraum verwendet wurden. Hinter den plattdeutschen Gottesdiensten steht also eine uralte Tradition.

In der Dokumentation des Esloher Museums wird sogar ein Bezug zur Gegenwart hergestellt: Die Dorfkirchen, jetzt vielfach ohne Priester, bräuchten selbstbewusste Laien, die sich in Eigenverantwortung um eine heute verständliche Glaubenssprache kümmern.

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