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Herbstzeit ist Igelzeit: So können Sie den Tieren helfen

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Von: Stefanie Nöcker

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Viele Menschen sind verunsichert, wenn sie im Herbst einem Igel begegnen. Helfen oder nicht?
Viele Menschen sind verunsichert, wenn sie im Herbst einem Igel begegnen. Helfen oder nicht? © Sznapka Petr/CTK/dpa

Herbstzeit ist Igelzeit: Viele Menschen sind verunsichert, wenn sie im Herbst einem Igel begegnen. Helfen oder nicht? Eine Wildtierexpertin klärt auf.

Hochsauerland – Es raschelt und knackt nachts verdächtig im Garten? Dann ist – in den meisten Fällen – kein Einbrecher unterwegs, sondern eher ein stacheliger Gast. Denn Herbstzeit ist Igelzeit. Bevor es richtig kalt wird, sind die kleinen Tierchen besonders aktiv. Sie suchen Nahrung für den nötigen Winterspeck und einen geeigneten Unterschlupf für den Winterschlaf.

Viele Menschen sind verunsichert, wenn sie im Herbst einem Igel begegnen. Helfen oder nicht? Nicole Hielscher von der Wildtierhilfe Sauerland klärt auf und spricht außerdem über Gefahren für die kleinen Stachler.

Igel brauchen ganzjährig Hilfe

„Igel brauchen dadurch, dass es kaum noch Insekten gibt, eigentlich ganzjährig Hilfe. Sprich vom Erwachen bis zum Schlafen gehen“, sagt die Wildtierexpertin Nicole Hielscher. Damit ist allerdings nicht gemeint, alle Igel aus der Natur zu entnehmen. Das ist nach dem Bundesnaturschutzgesetz sogar grundsätzlich verboten. Erst nach genauer und gewissenhafter Beobachtung darf ein Mensch einen Igel aufnehmen (siehe Infokasten).

„Trotzdem gibt es Möglichkeiten, den Tieren zu helfen. Die Gartenbesitzer können Wasser und Futter bereitstellen, bestmöglich über Igelhäuschen mit zwei Eingängen.“ Diese können im Fachhandel erworben werden, es gibt aber auch zahlreiche Bauanleitungen im Internet. „Es ist nur wichtig, dass die Hauskatze oder der Marder da nicht dran kommen.“

Naturnah belassener Garten ist ein igelgerechter Garten

Allgemein gilt: Ein naturnah belassener Garten ist ein igelgerechter Garten. „Seien Sie nicht zu gründlich bei der Gartenarbeit“, rät Hielscher. Denn Laubhaufen im Garten seien nicht unordentlich, sondern dienen den possierlichen Tierchen als Wohnort, Isolierungsmaterial und Nahrungsquelle. Ebenso tun Menschen den Igeln mit ihrem Komposthaufen einen großen Gefallen. Auch in kleinen Gärten kann eine regen- und windgeschützte, naturbelassene Ecke einem Igel als Unterschlupf dienen. „Und wenn die Leute meinen, das sei eine Unratsecke, können sie einen Lamellenzaun davor machen. Dann sieht es keiner.“ Zäune auf dem Grundstück können mit kleinen Durchlässen für die Igel ausgestattet werden.

Gartenarbeiten bitte nicht im Herbst - Mähroboter verstümmeln Tierchen

Hielscher bittet, Gartenarbeiten nicht im Herbst zu erledigen, da die Igel sonst nicht zur Ruhe kämen. „Die Arbeiten können Sie im Mai machen. Dann erwachen die Igel wieder.“ Besondere Vorsicht ist beim Gebrauch von Laubsaugern oder Rasenmäherrobotern geboten – und das ganzjährig. Die Klingen von motorisierten Gartengeräten können die possierlichen Tiere verstümmeln oder regelrecht zerhäckseln. In diesem Jahr hat Nicole Hielscher vermehrt von Unfällen zwischen Igeln und Mährobotern gehört. „Ich kenne das von Sportplätzen aus der Region. Da ist tagsüber Betrieb und die Mähroboter laufen in der Nacht. Das ist schlimm für die Tiere, da sie meist nachtaktiv sind.“

Es gibt vereinzelt auch tagaktive Igel, wie Mütter mit ihren Jungtieren, die auf Nahrungssuche sind. Auch hier sei die Verletzungsgefahr durch den am Tage laufenden Mähroboter sehr hoch. Die Verletzung allein sei in der Regel noch behandelbar. Es sei denn, die Nasenwurzel ist betroffen. Dann können die Igel vor ihrem vollen Futtertopf stehen, es aber nicht riechen. Und ein Igel muss es riechen können, sonst weiß er nicht, ob es fressbar ist oder nicht. „Wenn die Nasenwurzel hin ist, muss ich das Tier erlösen lassen“, sagt die Wildtierexpertin.

Baby-Igel musste erlöst werden 

Vor Kurzem hatte die 51-Jährige eine Aufnahme, einen Baby-Igel mit blutender Schnauze. Gerade mal dreieinhalb Wochen war das Würmchen alt. „Es war alles so voller Blut, dass man gar nicht gesehen hat, wo es herkommt. Nach der Reinigung der Wunden, wurde deutlich, dass er vorne an der Schnauze mehrere, saubere Messerstiche hatte. Das ist typisch für Mähroboter. Der Kleine hat es leider nicht geschafft“, erzählt Hielscher mit trauriger Stimme. Um solche Unfälle zu vermeiden, sollten Mähroboter nie unbeaufsichtigt gelassen werden. „Ich bitte Gartenbesitzer inständig, vor dem Mähen die Wiese abzulaufen. Diese Zeit wird doch wohl jeder haben, oder?“

Emotionale Ereignisse wie die mit dem Baby-Igel gehen an der Tierpflegerin natürlich nicht spurlos vorbei. „Das berührt mich sehr. Wenn es nicht so wäre, müsste ich aufhören. Solche Erlebnisse vergesse ich nicht schnell, ganz im Gegenteil. Nur kann ich mich nicht lange daran aufhalten, da es weitergehen muss. Die anderen Tiere warten. Klar, es fließen auch Tränen, aber da muss man durch und wieder umschalten können.“

Diese Anzeichen zeigen, dass ein Igel Hilfe braucht 

Wildtierexpertin Nicole Hielscher bittet, vor dem Eingreifen eine Wildtierauffangstation oder Pflegestelle zu kontaktieren: „Bitte schildern Sie Ihre Beobachtung am Telefon. Wildtierpfleger können Situationen einschätzen und erkennen, ob hier ein Einschreiten erforderlich ist oder nicht.“

Hilfsbedürftig sind folgende Igel:
- verletzte Tiere

- Tiere, die in Gruben, Lichtschächten oder ähnlichem gefangen waren

- kranke Tiere mit folgenden Merkmalen: laufen tagsüber ziellos herum, torkeln oder liegen, rollen sich kaum ein, sind mager (Einbuchtung hinter dem Kopf, herausstehende Hüftknochen), Augen sind eingefallen und schlitzförmig

- verwaiste Igelsäuglinge, die sich tagsüber außerhalb ihres Nestes befinden, noch geschlossene Augen und Ohren haben und sich womöglich kühl anfühlen

- Igel, die im Winter tagsüber unterwegs sind, nach oder bei Dauerfrost und/oder Schnee herumlaufen

- Jungigel, die Anfang November mit einem Gewicht von deutlich unter 600 Gramm draußen unterwegs sind

- Wichtig: nach eventuell ebenfalls herumirrenden Geschwistern und dem Muttertier suchen

Lesen Sie hier auch, warum die Wildtierhilfe Sauerland vor dem Aus steht.

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