"Uns droht ein Ärztemangel"

Viele Mediziner stehen im Sauerland vor dem Ruhestand — Nachwuchs fehlt

Eslohe/Winterberg.

Die Situation der ärztlichen Versorgung im ländlichen Raum hat sich drastisch verändert. Immer mehr Hausartzpraxen müssen schließen, da sie keinen Nachfolger gefunden haben.

Der SAUERLANDKURIER sprach mit Dr. Engels aus Eslohe, Vorsitzender im Verwaltungsbezirk Arnsberg der westfälisch-lippischen Ärztekammer, über die Situation in der Region. SAUERLANDKURIER: Herr Dr. Engels, wie ist es um die ärztliche Versorgung in der Region bestellt und wie sieht die Zukunft aus:

Dr. Engels: Viele Ärzte werden in den nächsten Jahren in Ruhestand gehen, gleichzeitig bricht uns der Nachwuchs weg. Es ist ganz symptomatisch, dass ein Ärztemangel droht.

SAUERLANDKURIER: Können Sie diese Befürchtung mit Zahlen untermauern:

Dr. Engels: Im Stadtgebiet von Meschede zum Beispiel praktizieren 17 Hausärzte. In fünf Jahren erreichen 48 Prozent von ihnen das 65. Lebensjahr und gehen in Ruhestand. In zehn Jahren sind es 59 Prozent und in 15 Jahren werden es ganze 65 Prozent sein. In dieser Statistik zählt Meschede zu den Top Ten in Westfalen-Lippe.

SAUERLANDKURIER: Aus Ärztekreisen wird die Politik mit ihren Gesundheitsreformen für diese dramatische Situation verantwortlich gemacht. Sehen Sie es ähnlich:

Dr. Engels: Der Ärzteschwund ist nicht nur auf die Reformen zurückzuführen. Ein weiterer Grund ist sicherlich der demographische Wandel. Fakt ist aber, dass im Zuge der Reformen seit vielen Jahren nur an den Ausgaben des Gesundheitswesens herumgedoktert wird, aber nie an den Einnahmen. Das Ergebnis ist, dass die Honorare für Ärzte immer weiter sinken und die jungen Leute daher lieber in die Forschung gehen oder im Ausland als Ärzte praktizieren, wo sie besser verdienen und ihre Arbeit mehr geschätzt wird.

SAUERLANDKURIER: Wenn Sie an der Stelle eines jungen, gerade fertig studierten Mediziners stünden, würden Sie sich unter den heutigen Bedingungen wieder dafür entschließen, als Arzt in der Region zu praktizieren:

Dr. Engels: Die Antwort muss ich klar mit Nein beantworten. Wenn man heute als junger Arzt nicht mehr seine Familie unterhalten kann, halte ich das für ein Drama. Ich denke aber, dass sich die Rahmenbedingungen auf kurz oder lang wieder ändern und die Talfahrt für Ärzte gestoppt wird.

Mit Dr. Engels sprach Björn Theis

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare