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„Building One World“ aus Hallenberg unterstützt „Casa de Niños“ mit Spenden 

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Kinder müssen teilweise nach Argentinien gebracht werden, in der Hoffnung auf Hilfe der dortigen medizinischen Möglichkeiten.
Kinder müssen teilweise nach Argentinien gebracht werden, in der Hoffnung auf Hilfe der dortigen medizinischen Möglichkeiten. © Privat

Der Verein „Building One World“ aus Hallenberg unterstützt Haus der Kinder „Casa de Niños“ mit Spenden.

Hallenberg - „Ich bin der Verantwortliche für das Haus der Kinder, ,Casa de Niños’, das größte Zentrum in Cochabamba, welches schwererkrankte Kinder und Jugendliche auffängt. Es ist 3.51 Uhr am Morgen. Die meisten Kinder schlafen gerade friedlich. Nur nicht Juan. Er ist neun Jahre alt und leidet unter einem Hydrocephalus. Er wurde uns vom Krankenhaus vermittelt. Er kam zu uns, als er drei Monate alt war.“ Mit diesen Worten wendet sich Aristides an das bolivianische Gesundheitsministerium, um auf die großen Herausforderungen während der Pandemie aufmerksam zu machen, welche auch Bolivien im Jahr 2021 sehr hart getroffen hat. Hierauf macht der Verein „Building One World“ aus Hallenberg jetzt aufmerksam.

Aristides sei der Gründer des Hauses der Kinder „Casa de Niños“, in dem mittlerweile über 500 schwer erkrankte Kinder mit ihren Familien lebten. Viele von ihnen kommen zu Aristides, weil sie mit der Krankheit überfordert seien. Diese Familien könnten sich die Kosten für eine Behandlung nicht leisten und würden in medizinischen Zentren abgewiesen. „Andere Kinder und Jugendliche werden über verschiedene Institutionen zu Aristides vermittelt, weil sie aufgrund von Krankheiten abgegeben oder auf der Straße ausgesetzt wurden.“

Viele schwer erkrankte Kinder und Jugendliche in Bolivien haben nicht die Möglichkeit, ihr kostbares Leben zu schützen und sind während der Pandemie auf das verantwortungsvolle Handeln anderer angewiesen.“

Julian Mönxelhaus „Building One World“ Hallenberg

„Neben der eigenen, kleinen Kapelle unserer Herberge befindet sich ein Ort, an dem 31 Kinder beerdigt liegen. Sie sind hier verstorben, viele von ihnen in meinen Armen. Jetzt beschützen sie uns vom Himmel heraus.“ Aristides erklärt, dass die Pandemie die sowieso schon sehr schwierige Situation der gesundheitlichen Versorgung in Bolivien noch erschwert habe. Das Zentrum erlebe schwierige Zeiten, in denen besonders die ärmsten der bolivianischen Familien leiden müssen.

Er erzählt weiter: „Am 4. Juli haben wir den leblosen Körper des kleinen Miguel Angel zurück in unser Zentrum gebracht. Er war zehn Jahre alt und verstarb an den Folgen einer Lungenentzündung. Er war stark unterernährt und litt am Down-Syndrom. Am 8. Juli holte ich in meinen Armen die kleine Betania aus dem Leichenhaus zurück in unser Zentrum. Sie war vier Jahre alt und wurde zuletzt in einem Kinderkrankenhaus intubiert.“ Die Ärzte hätten alles versucht, um ihr Leben zu retten. Ihre jungen Eltern seien zuvor von einem Krankenhaus ins nächste gegangen, bis sie endlich Hilfe bekamen. Eine Woche zuvor habe ihre kleine Tochter noch fröhlich mit den Hühnern in ihrem bescheidenen Haus auf dem Land gespielt, jetzt könnten sich ihre Eltern nicht erklären, wieso sie sterben musste.

„Vier Tage später holten wir den leblosen Körper des kleinen Joel in unser Zentrum. Er war acht Jahre alt. Das Virus und eine Epilepsie hatten seinem kleinen Körper sehr zugesetzt. Es halfen keine Medikamente mehr“, so Aristides weiter.

Innerhalb von vier Tagen im August seien zwei Kinder an Krebs gestorben. „Ruth war kurz davor ihren fünften Geburtstag zu feiern. Ihr kurzes Leben war geprägt von Schmerzen. Jhoselin war zwölf Jahre alt. Der Krebs hatte das Rückenmark befallen. Beide Mädchen verstarben nach einer intensiven und kostspieligen Behandlung.“ Bereits am Anfang des Jahres seien viele Kinder an Krebs gestorben. Darunter die Vierjährige Esmeralda. Sie hatte einen Hirntumor.

Diese Beispiele seien nur ein kleiner Bruchteil von vielen weiteren im Zentrum von Aristides. Die Behandlungen im Krankenhaus seien teuer und müssten größtenteils selbst finanziert werden. Mithilfe von Spendengeldern – auch aus Hallenberg über den Verein „Building One World“ – konnten solche Kosten unterstützt und weitere Hilfemaßnahmen sichergestellt werden. Dazu gehörten auch Kosten für private Notfall-Transporte in die Krankenhäuser, da seit Beginn der Pandemie kaum noch Krankenwagen zu erreichen seien. „Das große Problem in Bolivien ist, neben der fehlenden Struktur zur Krisenbewältigung, die mangelhafte gesundheitliche Situation und das Fehlen notwendiger Behandlungen im Land. Viele schwere Fälle von Leukämie beispielsweise müssen im Nachbarland Argentinien behandelt werden“, erklärt Aristides.

Auch einige Kinder aus dem „Casa de Niños“ hätten kurz vor Weihnachten noch nach Buenos Aires gebracht werden müssen, in der Hoffnung auf Hilfe der dortigen medizinischen Möglichkeiten. Die Reise sei für viele Familien ohne die Unterstützung von Aristides und seinem Team nicht möglich. Trotz der Hoffnung auf eine bessere medizinische Versorgung sei der Weg kräftezehrend und die Aussicht auf Heilung oft sehr schlecht.

Traditionell werde der Tag der Toten „Dia de los Muertos“ den Verstorbenen gewidmet. In Bolivien werde dazu ein Altar errichtet, auf den Leckereien gestellt werden, welche die Verstorbenen gerne gegessen oder getrunken haben. Auch im Zentrum von Aristides sei den vielen verstorbenen Kindern, Jugendlichen, Familien und Mitarbeitenden gedacht worden. Viele von ihnen seien in Folge der Pandemie gestorben. Notwendige Behandlungen wurden erschwert und für die vielen schwer erkrankten Kinder und Jugendlichen im Zentrum von Aristides ist die Lage seit der Pandemie umso prekärer geworden, so der Verein.

„Building One World“ unterstützt deshalb auch weiterhin mit Spenden die Arbeit von Aristides und seinem Team. Julian Mönxelhaus ist Mitglied des Vereins und hat auch den ständigen persönlichen Kontakt zu dem Leiter des Zentrums. „Ohne Spenden aus Deutschland wären notwendige Behandlungen gar nicht erst möglich, weshalb wir Aristides und sein Zentrum auch weiterhin mit Spenden über ,Building One World’ unterstützen wollen. Wir dürfen nicht vergessen, dass wir trotz der Pandemie in Deutschland ein weitgehend funktionierendes Leben haben. Die notwendigen Einschränkungen haben das Ziel, Menschenleben zu schützen. Viele schwer erkrankte Kinder und Jugendlichen in Bolivien haben nicht die Möglichkeit, ihr kostbares Leben zu schützen und sind während der Pandemie auf das verantwortungsvolle Handeln anderer angewiesen“, resümiert Mönxelhaus.

Weitere Infos zu „Building One World“ aus Hallenberg finden alle Interessierten online unter www.building-one-world.org

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