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Erntedankgespräch in Braunshausen: extreme Trockenheit bestimmendes Thema

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Von: Helmut Japes

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Auf dem Hof der Familie Berkenkopf sprachen Experten nun über die Ernte. © Helmut Japes

Hallenberg/Braunshausen. Der Landwirtschaftliche Kreisverband Hochsauerland traf sich jetzt zum Erntedankgespräch auf dem Hof der Familie Berkenkopf in Braunshausen, in einer der trockensten Gegenden im HSK. Die Sorgen der Landwirte, die an der Erntedankpressekonferenz teilnahmen, waren ihnen an den Gesichtern abzulesen.

„Dieses Erntejahr werden wir so schnell nicht vergessen“, resümierte Josef Schreiber, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Hochsauerland. „Am 15. März hatten wir noch 10 Grad minus, am 4. Mai haben wir den ersten Schnitt einfahren können – zwischen Winter und Frühsommer ist eigentlich der ganze Frühling ausgefallen.“ Und weiter: „Bei den ersten beiden Schnitte haben wir noch sehr gutes Gras ernten können, da nach fiel jedoch kein Regen mehr und die Grasernte war vorbei.“ Franz-Josef Berkenkopf jun., der mit seiner Frau Karina und seinem Vater Franz-Josef Berkenkopf sen. den Familienbetrieb bewirtschaften, beziffert seine Ernteausfälle auf bis zu 75 Prozent. 

„Bis zum März nächsten Jahres wird das Futter einschließlich der Reserven aus 2017 für 75 Milchkühe und 65 Jungtiere reichen. Aber was dann ist das werden wir sehen“, sagte der Chef des Hofes mit sorgenvoller Miene. Für den Mais (etwa 250 Tonnen), den er nicht selbst anbaut, müsse er in diesem Jahr mehr als 50 Euro pro Tonne bezahlen, in normalen Jahren koste die Tonne etwa 35 Euro – falls überhaupt was zu bekommen ist. „Bei solchen Aussichten mussten wir entscheiden: Bauen wir den Viehbestand ab oder kaufen wir teures Futter zu? Der Familienrat hat entschieden: Die Tiere bleiben, denn jede Milchkuh, die wir jetzt verkaufen, bringt uns im kommenden Jahr keinen Ertrag“, führte Franz-Josef Berkenkopf aus. 

Erhebliche Ernteausfälle 

Markus Stratmann, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit im HSK, und Christian Niggemann, Ortsverbandsvorsitzender, berichteten von ähnlichen Problemen der rund 1350 Landwirtschaftlichen Betriebe im Hochsauerlandkreis. Sie merkten an, dass es Gebiete gibt, die weniger von der Dürre betroffen sind als zum Beispiel die Medebacher Bucht. Aber das Jahr 2018 mit seiner extremen Trockenheit habe überall seine Spuren hinterlassen und zu erheblichen Ernteausfällen geführt. Es sei zu befürchten, dass einige Betriebe sicher an ihre wirtschaftlichen Grenzen kommen. Die von der Bundesregierung angekündigten Dürrehilfen sahen die Landwirte eher kritisch. Man war sich einig das in Not geratenen Betrieben geholfen werden muss, aber es ist schwierig die Not gegenüber der „Zahlstelle“ nachzuweisen. Betriebe, die zum Beispiel ihr eigenes Futter verwenden, können dafür keine Rechnungen zum Vergleich vorlegen. „Bis heute sind uns noch keine Richtlinien bekannt, nach denen wir die Hilfen beantragen können“, so Markus Stratmann. 

Die Anwesenden gehen davon aus, dass die Hilfen ohnehin erst im kommenden Jahr ausgezahlt werden würden und sich die in Not geratenen Betriebe bis dahin selbst helfen müssen. „Generell sehen die Landwirte die Subventionen kritisch, zum einen ist das nicht förderlich für das Image der Landwirtschaft, zum anderen wünschen wir uns faire Preise für unsere Produkte und Anerkennung für unsere Arbeit“, merkte Josef Schreiber abschließend an.

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