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Fecht-Workshop absolviert

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Kampfszene aus „Die Päpstin“ unter den kritischen Augen von Prof. Claus Großer: Zwei Attentäter (Philipp Mause, Valentin Eppner) im Angriff auf Graf Gerold (Lukas Schöttler).
Kampfszene aus „Die Päpstin“ unter den kritischen Augen von Prof. Claus Großer: Zwei Attentäter (Philipp Mause, Valentin Eppner) im Angriff auf Graf Gerold (Lukas Schöttler).

Klirrend schlägt Metall auf Metall. Vier vermummte Angreifer dringen mit schwirrenden Degen auf ihren Gegner ein, der sich mit dem Mut der Verzweiflung wehrt. „Halt!“ greift Claus Großer korrigierend ein. „Du: Quart statt Sixt! Und du: enge Mensur!“

Der Leipziger Professor der Sportwissenschaften trainiert die rund zwei Dutzend Spieler der Hallenberger Freilichtbühne, die sich in dem Historiendrama „Die Päpstin“ als Soldaten, gedungene Mörder und marodierende Normannen mit Degen und Florett, Streitaxt und Langschwert erbitterte Kämpfe liefern werden. Was später während der Aufführungen wie spontanes Kampfgetümmel aussieht, will vorher detailliert einstudiert werden: jeder Ausfallschritt, jeder Angriff, jede Parade als Quart, Sixt oder Oktav: „Eine Kampfszene trotz einstudierter Choreographie glaubhaft auf die Bühne zu bringen – darin besteht die Kunst des Bühnenfechtens“, erläutert Großer. Und: „Die Verantwortung für den Partner steht dabei an erster Stelle.“

So ist szenisches Fechten ein Miteinander, das wie entschiedenes Gegeneinander zu wirken hat. Der Fechtmeister der Akademie für Fechtkunst, der an der Leipziger Hochschule für Musik und Theater Schauspielstudenten in Bühnenfechten, Akrobatik und Bewegungsstudien unterrichtet, weiß, wovon er spricht. Bereits in über 100 Inszenierungen hat er mitgewirkt, hat „Musketiere“ und „Cyranos von Bergerac“ für Theater, Film und Fernsehen fit gemacht. In der Hallenberger „Päpstin“-Inszenierung von Regisseurin Birgit Simmler hat die drastische Darstellung solcher Kampf- und Gewaltszenen eine wichtige dramaturgische Funktion: Sie bildet den dialektischen Hintergrund für die Titelfigur der Johanna, die für Empathie und Nächstenliebe, Gewaltfreiheit und Selbstbestimmung steht und so humanistische, christliche Werte verkörpert und propagiert.

Nach einem langen Workshoptag ist Claus Großer, „Koryphäe des Bühnenkampfes“, wie Simmler ihn nennt, mit dem Lernfortschritt der Hallenberger Spieler zufrieden. Er entlässt sie in den Feierabend, jedoch nicht ohne ihnen noch augenzwinkernd eine Hausaufgabe mit auf den Weg zu geben: „Bis zur Premiere täglich 50 Ausfälle!“ Am 15. Juni hat „Die Päpstin“ Premiere. Dann wird die Hallenberger Spielschar zeigen können, dass sie ihre Hausaufgaben gemacht hat. Ausführliche Infos auf www.freilichtbuehne-hallenberg.de.

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