Burschen und Männer ziehen durch die Stadt

Ereignis für Ohren und Augen: Hallenberger Osternacht ist ein einzigartiger Brauch

Die Hallenberger Osternacht: ein Spektakel, das die Besucher nicht so leicht vergessen.

Hallenberg. Dunkelrot leuchtend, über zweieinhalb Meter hoch überragen die drei Osternachtskreuze eindrucksvoll den lärmenden Zug. Sie tragen das Angesicht und die Wundmale des Gekreuzigten, den Speer, der die Seite öffnete, sowie den Kreuzesgruß „O crux ave, spes unica“ („O Kreuz, einzige Hoffnung, sei gegrüßt“). Die Hallenberger Osternacht von Karsamstag auf Ostersonntag um Mitternacht ist einer der ungewöhnlichsten Osterbräuche in der Region – und ganz ohne Zweifel eine der beeindruckendsten.

Die Kreuze werden als Familienbesitz gehütet und weitergegeben. Ein Kreuz soll sogar das Gerüst des ältesten Kruzifixes enthalten, das schon um die Jahrhundertwende mitging, damals noch als einziges. Von Zeit zu Zeit müssen die Kreuze erneuert werden. Allerdings durch den Wechsel von Kerzen auf elektrische Beleuchtung nicht mehr so oft wie früher. 

Der Ablauf ist nach den historischen Überlieferungen bis heute gleich geblieben. Kurz vor Mitternacht versammeln sich die Burschen und Männer mit den Lärminstrumenten, Kreuzen und Lampionbäumen auf dem Marktplatz. Hier haben sich wie auf den Straßen rund um den historischen Stadtkern bereits viele Zuschauer eingetroffen. 

Ohrenbetäubender Krach

Während die Mehrzahl der Burschen bei ihren Wagen auf dem Marktplatz ist, stehen die restlichen sowie die Männer am Ostchor der Kirche. Um fünf Minuten vor Mitternacht wird die Straßenbeleuchtung ausgeschaltet. Nachdem die Turmuhr Mitternacht geschlagen hat, stimmt die Gruppe auf dem Kirchplatz das Hallenberger Osterlied an. Sobald die letzte Strophe verklungen ist, gibt die Burschentrommel mit kurzen, schnellen Schlägen das Signal für den Einsatz der Lärminstrumente. 

Unter ohrenbetäubendem Krach setzt sich der Zug durch die Straßen und Gassen der Altstadt in Bewegung. Im Verlaufe des Umzuges übernimmt die Burschentrommel eine akustische „Dirigentenfunktion“. Ertönt sie, fallen die Schlaginstrumente ein, verstummt sie, haben die Rasseln ihren Einsatz. Immer abwechselnd folgt nun diese Prozedur, das Nachtwächterhorn ertönt jeweils, um die Wechsel deutlich zumachen. Ungefähr anderthalb Stunden dauert der Umzug in der Nacht zu Ostersonntag. 

Eindrucksvolles Schlussbild 

Wenn der Zug wieder am Ausgangspunkt ankommt, formiert er sich zu einem für Augen und Ohren eindrucksvollem Schlussbild. Die Kreuze und einige Rasseln nehmen Aufstellung auf dem Petrusbrunnen, Front zur Petrusstraße, während sich die Fackelbäume, Wagen und restlichen Rasseln um den Kump gruppieren. Für einige Minuten wird zum Finale angesetzt und mit aller Kraft geschlagen, getrommelt und gerasselt, bevor sich alles auflöst. 

Das traditionsreichste Instrument ist die Burschentrommel. Nach der Überlieferung eine Landknechtstrommel, die bereits 1667 erwähnt wird und älter als das offizielle Vereinsalter ist. Vermutlich stammt sie aus der Zeit des 30-jährigen Krieges. Früher wurde sie zu mehreren Anlässen im Vereinsleben benutzt, wohingegen sie heute ausschließlich in der Osternacht zum Einsatz kommt. 

Ebenfalls von wichtiger Bedeutung ist das alte Nachtwächterhorn. Mit welchen Instrumenten der Lärm verursacht wird, bleibt seit je dem Einfallsreichtum der Burschen überlassen. Es gilt die Regel, dass ausschließlich mit Körperkraft gearbeitet wird. Elektrische oder mit druckluftbetriebene Geräte sind verboten.

Wer nach diesem geheimnisvollen Brauch nicht ins Bett gehen möchte, ist in der Schützenhalle zum Feiern willkommen.

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