„Es sind viele Kinder gestorben“

Hallenberger Verein Building One World ruft zur Unterstützung auf

Hier ist Aristides zu sehen, der im weit entfernten Hochland Kinder zur Chemotherapie abholt und dabei Essen ins Hochland bringt.
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Hier ist Aristides zu sehen, der im weit entfernten Hochland Kinder zur Chemotherapie abholt und dabei Essen ins Hochland bringt.

Albanien/Bolivien/Hallenberg – „Ständig erreicht uns in Deutschland die Nachricht, dass erneut ein Kind an Leukämie gestorben ist.“ Julian Mönxelhaus ist bestürzt. Er steht mit seiner Familie und dem Verein Building One World aus Hallenberg in stetem Kontakt mit Aristides, Leiter des Kinderheims „Casa de los Niños“ im bolivianischen Cochabamba (wir berichteten).

Aristides erzählte Mönxelhaus in seiner letzten Sprachnachricht: „Ich bin gerade im Krankenhaus. Heute früh habe ich einen Anruf bekommen, dass ein Junge, der in der Onkologie war, gestorben ist. Er war sehr jung. Während der letzten Zeit sind sehr viele Kinder gestorben. Es ist eine schwierige Zeit für uns.“ Das Coronavirus hält die Welt in Atem. Während die Menschen in Deutschland ganz langsam wieder zur Normalität zurückkehren, wenn auch vorsichtig, sieht es in anderen Ländern, auf anderen Kontinenten, katastrophal aus. „Lateinamerika wurde zum neuen Hotspot des Coronavirus“, berichtet Mönxelhaus „Besonders für Aristides in Bolivien bedeutet das eine Verschärfung der ohnehin schon oft hoffnungslosen Situation für viele kranke Kinder, die im ‘Haus der Kinder’ leben“, so Mönxelhaus.

Hilfe für entlegene Regionen

Die Eltern des kürzlich verstorbenen Jungen haben Aristides gebeten, einen Sarg zu besorgen und ihren Kleinen zu ihnen nach Hause zu bringen, ins abgelegene Hochland. Eine Belastung für Aristides, nicht nur körperlich, sondern insbesondere mental. Sein Alltag hat sich stark geändert: Normalerweise ist der Fahrdienst für die schwer erkrankten Kinder, die zur Therapie gebracht werden müssen – das betrifft besonders die an Krebs erkrankten Kids oder diejenigen, die eine Dialyse benötigen – durch einen Krankenwagen geregelt. Durch den Ausnahmezustand bleibt dieser Abholservice auf unbestimmte Zeit aus. „Wenn die Kinder bei der Chemotherapie sind, dann fahre ich zurück, um die Kinder abzuholen, die zur Dialyse müssen“, so Aristides.

Zudem kann ein Großteil des Personals aufgrund der Ausgangssperre nicht in die Einrichtung kommen, um ihn und sein ohnehin stark reduziertes Team zu unterstützen; auch die Versorgung mit Nahrungsmitteln ist schwieriger geworden. „Für die Kinder ist das Virus eine große Gefahr, denn sie alle haben schwere Vorerkrankungen und viele sind darauf angewiesen, dass ihre dringend erforderliche medizinische Behandlung fortgeführt wird“, gibt Julian Mönxelhaus einen Einblick in die Arbeit in Bolivien.

„Neben den Kindern aus seiner eigener Einrichtung unterstützt Aristides Kinder und Jugendliche, die in Dörfern außerhalb der Stadt wohnen und keine Möglichkeit mehr haben, zu ihren lebensnotwendigen Therapien zu gelangen.“

So auch den siebenjährigen Brian, der mit seinen acht Schwestern und seinen Eltern in einem abgelegenen Bergdorf etwa 150 Kilometer weit weg von Cochabamba wohnt. Hier leben die Menschen mit dem, was sie anbauen können – in Anbetracht der Höhe eine sehr einseitige Ernährung. Aus diesem Grund bringt Aristides den Menschen Obst und Gemüse aus den tropischen Regionen Boliviens mit, wenn er den kleinen Brian zur Chemotherapie abholt.

Julian Mönxelhaus wird eindringlich: „Die weltweite Pandemie zeigt uns die wahren Gesichter des Kapitalismus, in der unser Egoismus und der eigene Vorteil dem solidarischen Miteinander gegenüberstehen. Besonders in unserer deutschen Gesellschaft muss niemand Angst haben, vor Hunger zu sterben. Unsere medizinische Versorgung ist im Vergleich zu Bolivien sehr gut und solange alle Menschen ihren Teil zur Bewältigung der Pandemie beitragen, wird sich das nicht ändern.“

Der Verein Building One World möchte Aristides und seinem „Haus der Kinder“ in diesen Krisenzeiten besonders unter die Arme greifen und ist auf Spendenzuweisungen angewiesen. „Durch einen kleinen Beitrag kann die medizinische Versorgung der Kinder sowie die Abdeckung von Grundnahrungsmitteln unterstützt werden. So kann auch die Hilfe für die Menschen in den entlegenen Regionen Boliviens sichergestellt werden.“

Der Hallenberger Verein liegt zurzeit insbesondere ein weiteres Projekt am Herzen: das Gemeindezentrum von Schwester Rita und ihren Mitschwestern Loredana und Gjyste im nordalbanischen Shkoder. Im alten Gewerbegebiet im Stadtteil Fermentim finden sich leerstehende, baufällige Fabrikgebäude – mittendrin die Kirche und das Ordenshaus der drei Schwestern. Viele Menschen aus den umliegenden Bergregionen suchen hier Zuflucht, die Gegend ist stark von Armut geprägt, viele Menschen haben keine Arbeit und sind nicht an das Gesundheitssystem angebunden – es fehlt an allem Nötigen, besonders an Lebensmitteln. „Die hygienischen Zustände sind prekär. In vielen besetzten Fabrikgebäuden leben mehrere Familien auf engstem Raum“, berichten Julian und Helga Mönxelhaus, die sich vor Ort bei den Schwestern ein Bild gemacht haben.

Mangelndes Gesundheitssystem

„Das albanische Gesundheitssystem ist mangelhaft. Wenn man beispielsweise mit Fieber ins Krankenhaus kommt, dann muss man das Thermometer selbst mitbringen – und auch schon in Zeiten vor Corona!“

Als die ersten Fälle von Covid-19 im Land erkannt wurden, so wurde auch in Albanien seit März das öffentliche Leben erheblich eingeschränkt. Familie Mönxelhaus: „Ein entschlossenes Vorgehen der Regierung verhinderte bisher Schlimmeres. Die Zahl der infizierten Menschen in Albanien ist vergleichsweise sehr gering und es gibt relativ wenig Tote. Zumindest, wenn man nach den offiziellen Zahlen geht.“

Mithilfe des Vereins Building One World wird vor Ort im Gemeindezentrum der Schwestern eine Krankenstation aufgebaut. Gespendete medizinische Hilfsmittel wurden bereits aus dem Hochsauerland nach Albanien geschickt. „Eine Kooperation mit einem italienischen Arzt, welcher monatlich vor Ort sein wird, soll aufgebaut werden. So kann gewährleistet werden, dass den Menschen aus Fermentim grundlegende medizinische Hilfe zugutekommt.“

Weiterhin werden Spenden akquiriert, um Medikamente und weitere medizinische Hilfsmittel finanzieren zu können. Auch Lebensmittel, die die Schwestern an bedürftige Menschen ausgeben, werden erworben.

Schwester Rita erzählt vom größten Problem vor Ort, der Armut: „Die meisten Menschen hier sind ohne Arbeit. Wir geben täglich Essen aus. Außerdem benötigen einige von ihnen dringende psychologische Hilfe. Wir beten, dass die Situation bald vorbei sein wird.“ Um Schwester Rita, dem Gemeindehaus und vor allem den Menschen in Fermentim zu helfen, plant Familie Mönxelhaus einen weiteren Besuch: „So wird die dringend notwendige Unterstützung aus dem Sauerland direkt vor Ort bei den Menschen ankommen.“

Hilfe leisten: Über Spenden zur Unterstützung der Menschen in Bolivien und Albanien (und darüber hinaus) freuen sich die „Building One World“-Mitglieder.  Die Kontodaten: Building ONE World e.V. IBAN: DE07 4165 1770 0000 0608 71 BIC: WELADED1HSL Sparkasse Hochsauerland  Wer für Albanien spenden möchte, nutzt den Verwendungszweck „Albanien“ – für Bolivien den Verwendungszweck „Bolivien – Casa de los Niños“.  Alle Infos zu diesen und weiteren Projekten gibt es im Internet unter www.building-one-world.de

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