Jacqueline-Prozess: Acht Jahre Haft für die Mutter

Totschlag und Misshandlung — 3 Jahre und 3 Monate für Vater

Bromskirchen/Marburg. (SK) Zu einer Freiheitsstrafe von acht Jahren wegen Totschlags und Misshandlung Schutzbefohlener hat laut HNA (http://www.hna.de) das Marburger Landgericht im Prozess um den Hungertod der kleinen Jacqueline die Mutter Judith H. (22) verurteilt. Vater Guido H. (34) erhielt drei Jahre und drei Monate wegen vorsätzlicher Körperverletzung und fahrlässiger Tötung.

Die Verteidiger hatten zuvor Freispruch für den angeklagten Vater und höchstens sechseinhalb Jahre Freiheitsstrafe für die angeklagte Mutter gefordert. Frank Richtberg, der Guido H. (34) verteidigt, sagte vor dem Marburger Landgericht, es gebe keinen Anhaltspunkt dafür, dass der Kindsvater bemerkt habe, wie schlecht es seiner damals 14 Monate alten Tochter geht. Wenn er es gewusst hätte, dann hätte er geholfen. Zudem spreche die gesamte Persönlichkeitsstruktur des Angeklagten dagegen, dass er seine Tochter vorsätzlich habe verhungern lassen.

Im Fall der Mutter Judith H. (22) führte Verteidiger Werner Momberg an, sie habe aus seiner Sicht entgegen dem Gutachten der Sachverständigen unter einer akuten Depression gelitten. Er führte auch die Kindheit der Angeklagten an, in der diese selbst nie eine richtige Eltern-Kind-Beziehung kennengelernt habe. Der Misshandlung Schutzbefohlener und des Totschlags durch Unterlassen habe sich die junge Frau sicherlich schuldig gemacht, jedoch nicht des Mordes. Das Mordmerkmal der Grausamkeit sei in diesem Fall nicht erfüllt gewesen. Frau H. habe sich in einer allgemeinen Situation der Überforderung befunden.

Die kleine Jacqueline war am 24. März gestorben. Sie war verhungert und verdurstet. Die Staatsanwaltschaft hatte für die Eltern daher jeweils lebenslange Freiheitsstrafe wegen Mordes durch Unterlassen gefordert.

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