Sauerländer bringen 450 Weihnachtsgeschenke nach Bosnien

„Krieg ist allgegenwärtig“

Maskottchen Vucko wachte darüber, dass der Transport sicher ablief. Hier mit dem zweijährigen Viktor aus Sarajevo und Sebastian Mörchen, Alice Garbacz und Sabrina Klassen.

„Ich will hier weg.“ – „In meinem Land gibt es keine Arbeit.“ – „Es lohnt sich nicht hier zu leben.“ Solche Stimmen bekamen die Mitglieder des Vereins Building One World (BOW) von jungen Leuten zu hören, als sie kurz vor Weihnachten in Bosnien und Herzegowina unterwegs waren. Ihre Mission: 450 Geschenke persönlich an Kinder in Heimen und Behindertentagesstätten überreichen.

Bewusst hatten sich die vier Reisenden Alice Garbacz (25), Sabrina Klassen (24), Sebastian Mörchen (28) und Michael Althaus (27) Zeit genommen, in die Geschichte der ehemaligen jugoslawischen Teilrepublik einzutauchen. „Bei unserer Aktion ist uns wichtig, Land und Leute zu verstehen. Nur so wissen wir, wie wir wirklich helfen können“, sagt Sebastian Mörchen. Und so wandelten die Freiwilligen in Sarajevo auf den Spuren des Bosnien-Krieges, bestiegen die Hügel, von denen die Serben einst die Stadt unter Beschuss gehalten hatten und schauten auf zerbombte Wohnhäuser, Hotels und Sportanlagen. „Der Bosnien-Krieg ist noch allgegenwärtig“, berichtet Michael Althaus. „Besonders erschreckend ist die Perspektivlosigkeit für junge Leute, die der Krieg zurückgelassen hat.“

Immerhin nahmen die Sauerländer einige Zeichen der Hoffnung wahr. Die drei Volksgruppen Kroaten, Bosniaken und Serben würden mittlerweile an vielen Orten zumindest friedlich nebeneinander leben und teilweise sogar untereinander Freundschaften schließen. „In den Köpfen junger Leute spielen die alten Konflikte kaum noch eine Rolle“, sagt Sabrina Klassen. So leben auch in den Einrichtungen, die die BOW-Mitglieder besuchten, Kinder aller drei Völker zusammen. „In allen Einrichtungen freuen sich die Kinder riesig über die Geschenke, die wir bringen“, erzählt Alice Garbacz. Materieller Aspekt nicht entscheidend Meistens ist die Gruppe aus dem Sauerland selbst dabei geblieben, wenn die Kinder ihre Geschenke ausgepackt hätten. Große Augen und lachende Gesichter haben den Ehrenamtlichen manchmal selbst die Freudentränen in die Augen getrieben. Ein Junge habe seinen neuen Plüschhund sofort ins Herz geschlossen, ein anderer habe gar nicht warten können, ein Bad mit neuem Duschzeug zu nehmen. „Die Kinder freuen sich über Kleinigkeiten und sind bereit, Geschenke zu teilen“, sagt Alice Garbacz.

Dabei ist es längst nicht selbstverständlich, dass die kleinen Bewohner der Kinderheime solche Freude ausstrahlen. Mattea (2), das Nesthäkchen im Kinderheim Egipat in Sarajevo, wurde zum Beispiel von ihrem Vater verstoßen. Der Verein Building One World hatte zum sechsten Mal den Bosnien-Transport unter dem Motto „Help and Solidarity“ (HandS) organisiert. Die 450 Geschenke in Schuhkarton-Größe wurden unter anderem von Kindern aus den Grundschulen in Hallenberg und Züschen und dem Gymnasium Winterberg gepackt. Den Anhänger für den Transport hatte der Musikverein „Die Liesetaler“ kostenlos zur Verfügung gestellt. Dank der Mithilfe von über 1000 Freunden und Förderern wurde er bis zum Rand gefüllt. Die Transportkosten von rund 1500 Euro wurden von privaten Spendern getragen. Die BOW-Mitglieder betonen, dass letztlich nicht der materielle Aspekt entscheidend sei. Sebastian Mörchen: „Die Päckchen sind eine Kleinigkeit, ihr Inhalt ist keine Hilfe zum Leben. Entscheidend ist, dass die Freude und die persönliche Übergabe eine große Wirkung auslösen und die Kinder in Bosnien wissen, dass im fernen Deutschland jemand an sie denkt.“

Infos, Bilder und Berichte unter www.building-one-world.de

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