Alte Tradition neu belebt

Nach 100 Jahren wird in Hallenberg wieder Bier gebraut

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Bei der Einweihungsfeier wurde eine alte Tradition nachgespielt, um die Qualität des Bieres zu testen. Wenn sich die Bank beim Aufstehen mithebt, dann war das Bier besonders „kütt“. 

Hallenberg. Nach mehr als 100 Jahren wird in Hallenberg wieder Bier gebraut. Jutta Pinzler und Jörg Schütte aus Köln ist es zu verdanken, dass diese alte Tradition in Hallenberg wieder auflebt. Sie haben im Kuhstall des „Hebammenhauses“ in der Ortstraße (seit Sonntag heißt der bisher namenlose Weg zwischen „Ortstraße“ und „An der Mauer“ passenderweise auch „Zum Brauhof“) in kürzester Zeit eine Besucher-Brauerei geschaffen. Am vergangenen Sonntag wurde die Brauerei eingeweiht und das erste Hallenberger Bier an die sehr zahlreich erschienen Gäste ausgeschenkt.

Von 1543 bis 1914 ist in Hallenberg Bier gebraut worden. In der damaligen Zeit war es üblich, dass die Ortschaften eine eigene Brauerei hatten. Das Hallenberger Bier muss aber von einer besonderen Qualität gewesen sein, denn es wurde nach historischen Belegen weit über die Stadtgrenzen hinaus exportiert, wie das alte Braubuch ausweist bis in die Nähe von Frankfurt am Main und weit in den Osten hinein.

Die Idee eine eigene Brauerei zu bauen und ein richtig gutes Bier zu brauen kam Jörg Schütte schon vor einigen Jahren. „Das Problem war, das ich vom Bierbrauen überhaupt keine Ahnung hatte“, sagte er in seiner Begrüßungsrede. „Aber ich hatte in Richard Gamm einen guten Berater der einen erfahrenen Braumeister (Peter Mesters aus Winterberg) kannte.“

Gemeinsam wurde das Projekt in Angriff genommen die Brauerei gebaut und aus dem Hallenberger Struht-Wasser und der auf den Hallenberger Feldern angebauten Braugerste sowie bestimmten Hopfenarten ein Bier gebraut.

15.000 Liter Bier pro Jahr geplant

Damals wurde, so ist es auf den Hallenberger Notgeldscheinen von 1921 abgebildet, die Qualität des Bieres durch die Ratsherren getestet. Auf eine Holzbank wurde Bier geschüttet, auf dieser Bank mussten nun die Ratsherren Platz nehmen und eine vorgeschriebene Zeitspanne sitzen bleiben. Hob sich die Bank beim Aufstehen mit, so war das Bier besonders gut.

Dieses Szenario wurde bei der Einweihungsfeier von einem Teil der Hallenberger Ratsmitglieder, angeführt von Bürgermeister Michael Kronauge, zur Freude der vielen Besucher nachgespielt. Das Drehbuch dazu hat Georg und Daniel Glade geschrieben.

Das erste "Hallenberger" ist angezapft.

In der neuen Brauerei in Hallenberg ist geplant, etwa 15.000 Liter Bier pro Jahr zu brauen. Neben dem schon fertigen hellem Landbier sind ein dunkles Kellerbier, ein obergäriges Weizenbier und saisonale Spezialitäten wie Mai- oder Weihnachtsbock angedacht.

Die Brauerei kann auch besichtigt werden. Es werden Führungen und Bierseminare angeboten. Außerdem können die Bürger, wie früher üblich, für besondere Anlässe ihr eigenes individuelles Bier brauen lassen.

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