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Sauerländer schnitzt frostige Kunstwerke aus Eis

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Von: Marco Twente

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Joachim Knorra schnitzt Skulpturen aus Eis.
Joachim Knorra schnitzt Skulpturen aus Eis. © privat

Schnee, Eis und frostige Temperaturen – das ist genau das Wetter für Joachim Knorra. Der 59-Jährige schnitzt Eisskulpturen und freut sich schon auf die kalte Jahreszeit. Angefangen hat alles mit der Rudi Carrell Show...

Hesborn – Mehr als 50 Jahre ist es her. „Damals habe ich als Kind einen Eisbildhauer in der Rudi Carrell Show im Fernsehen gesehen“, berichtet der Hesborner. Davon ganz fasziniert, ließ ihn das Thema nicht mehr los. Nach einer Bäckerausbildung zog es Knorra zur Bundeswehr. „Ich habe mich für acht Jahre verpflichtet und in der Küche gearbeitet“, berichtet der Eiskünstler. Für ein Buffet auf einem Offiziersball seien damals Eisskulpturen angefragt worden. „Es wurde mir angeboten, auf Kosten der Bundeswehr an einem Lehrgang dafür teilzunehmen“, blickt der gebürtige Bromskirchener zurück. Dadurch habe ihn die Eiskunst erneut gepackt. „Den Lehrgang habe ich mit sehr gut absolviert und danach weitere belegt“, sagt Knorra und ergänzt schmunzelnd: „Durch Zufall bin ich übrigens auch bei dem Eisbildhauer aus der Rudi Carrell Show gelandet.“

In der Anfangszeit sei seine Leidenschaft aber noch ein reines Hobby gewesen. Dann habe er ein Nebengewerbe angemeldet. „Ich habe für Hotels oder Partys Eisskulpturen geschnitzt, heute sind 85 Prozent meiner Aufträge Live-Auftritte.“ So ist der Maschineneinrichter bei der Firma Borbet ganzjährig als Eiskünstler im Einsatz, vor allem aber in der Winterzeit auf Weihnachtsmärkten unterwegs, um den Menschen seine Kunst live vorzuführen. Dann schnitzt der Künstler Weihnachtsmänner mit Rentieren oder Krippen. Die Skulptur bleibe danach je nach Temperatur noch ein bis zwei Tage stehen, bis sie wegtaut.

Der Meißel besteht aus dem gleichen Material wie ein Samuraischwert.

Eiskünstler Joachim Knorra über sein Werkzeug

Für seine Kunstwerke nutzt Knorra Eisblöcke, die bis zu 50 Kilogramm schwer sind und die er mit der Motorsäge und einem Eismeißel bearbeitet. „Der Meißel besteht aus dem gleichen Material wie ein Samuraischwert“, erklärt der Sauerländer. Dies sei auch nötig, denn je nach Temperatur verändere sich die Härte des Eises. „Bei einer Temperatur von minus 10 bis 12 Grad ist es so hart wie Holz und lässt sich am besten bearbeiten“, so Knorra weiter. Bei minus 42 Grad sei es so hart wie Marmor. Bis zu 2,50 Meter große Skulpturen schnitzt der Eiskünstler bisweilen. Dazu verschmilzt er die einzelnen 50-Kilo-Eisblöcke mit dem Bügeleisen miteinander zu einem großen.

Übrigens stellt er auch die Eisblöcke selber her. In Formen aus Edelstahl, die er in die Truhe stellt, gefriert das Wasser. Pumpen sorgen dafür, dass das Wasser in Bewegung bleibt. „Dadurch werden die Eisblöcke glasklar und nicht milchig“, erklärt Knorra den Trick. Durch die Bewegung beim Gefrieren werden die Luftbläschen, durch die das Eis milchig wird, ausgeschwemmt. Das glasklare sei eine Besonderheit seiner Skulpturen. „Das Verfahren habe ich selbst herausgefunden. Damals wussten nur wenige Eiskünstler in Deutschland, wie man glasklares Eis herstellt – und googlen konnte man da noch nicht“, berichtet der Hesborner mit einem Augenzwinkern.

Mittlerweile schnitzt Knorra seit vielen Jahren das ganze Jahr über: unter anderem Tiere, Eisgläser, Eistheken, Firmenlogos, Herzen mit Bildern von Brautpaaren für Hochzeiten, sogar Skulpturen von Engeln für Bestattungen, die sich auf dem Grab nach der Bestattungsfeier selbst auflösen.

Doch auch wer länger etwas von den Eisskulpturen haben möchte, brauche sie, so Knorra, nur in die Kühltruhe zu legen, um sie bei der nächsten Veranstaltung wiederzuverwenden. „Bei acht bis zwölf Grad halten sich die Skulpturen ein bis zwei Tage, ehe sie wegtauen“, verrät Knorra, der seine Werke auch in Ausstellungen im Eishäuschen in Hallenberg zeigt.

Doch jetzt freut sich der Sauerländer erstmal wieder auf die Weihnachtsmarkt-Saison, wenn es wieder heißt „Schnee, Eis und frostige Temperaturen“.

Weitere Infos finden sich auf https://www.ekjk.de/

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