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Impfangebot für jeden bis Ende des Sommers? Hochkarätige Experten machen Hoffnung

Das Imfptempo hat auch in Deutschland ordentlich Fahrt aufgenommen.
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Das Imfptempo hat auch in Deutschland ordentlich Fahrt aufgenommen.

„Impfen, impfen, impfen“, lautete der allgemeine Tenor auf der Online-Pressekonferenz zum Thema Corona-Schutzimpfungen unter der Leitung des heimischen Bundestagsabgeordneten Prof. Dr. Patrick Sensburg. Das hochkarätige Expertenteam, bestehend aus Dr. Ulrich Blaschke, Vice President Technical Development BioNTech SE, Dr. Peter Liese, Europaabgeordnete der CDU, Dr. med. Christoph Hüttemann, Leiter Impfzentrum Olsberg, sowie dem Intensivmediziner der Uni-Klinik Essen, PD Dr. Timo Brandenburger, klärte über den derzeiten Stand bei den Schutzimpfungen gegen Corona und die damit verbundenen Impfstrategien auf.

Hochsauerland – Der Start im neuen BioNTech Werk in Marburg, das letztes Jahr erworben wurde, sei hervorragend angelaufen. In 50.000 hoch kontrollierten Einzelschritten stelle man dort den Stoff her, der den Menschen den Alltag, die Normalität und das Leben wie vor Corona zurückbringen soll. Unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen sollen dort an sieben Tagen pro Woche im Dreischichtbetrieb pro Jahr insgesamt 800 Milionen Dosen mRNA-Impfstoff hergestellt werden. „Das ist weltweit die schnellste Entwicklung eines Impfstoffes und der richtige Weg um aus der Pandemie rauszukommen. Marburg ist ein Glücksfall für Standort und Facility“, erklärte der Vice President Technical Development BioNTech SE, Dr. Ulrich Blaschke.

Impfung garantiert sechs Monate Schutz

Ein sechsmonatiger Schutz können nach der Impfung garantiert werden, darüberhinaus sei eine verlässliche Prognose aber noch nicht leistbar. Man gehe zwar aus Erfahrung und bisherigen Erkenntnissen davon aus, dass die Schutzwirkung länger gegeben sei, jedoch gebe es bisher keine Studien darüber, die allgemeingültige Aussagen zuließen. Die Dauer der Immunität sei allein durch die Biologie bestimmt und die Dauer der Immunantwort könne nicht beeinflusst werden, erklärte Dr. Ulrich Blaschke. Coronaviren könnten wie ein Schnupfen mehrmals im Jahr kommen. Eine Coronaimpfung könne wie eine Grippeimpfung zum Standard werden. Laut neuer Daten seien Geimpfte weniger ansteckend als Menschen nach einem negativen Corona-Schnelltest.

Impfung bei Kindern „ethisches Thema“

„Wir arbeiten an weiteren Technologien im Interesse der Menschlichkeit, damit die saisonale Entwicklung und weitere Mutationen durch den mRNA-Impfstoff abgedeckt werden können“, versprach Blaschke. Derzeit sei der Impfstoff von BioNTech für Jugendliche ab 16 Jahren freigegeben. Studien an jüngeren Kindern würden indes bereits laufen.

Die Kinderimpfung sei ein wichtiges Thema, ergänzte auch Dr. Peter Liese. Es sei ein ehtisches Thema bei dem die Eltern einwiligen müssten. „Kinder haben selten einen schweren Verlauf. Allerdings gibt es auch bei Kindern mit Risikoerkrankungen die andere Variante. Wir brauchen daher klinische Prüfungen, damit diese Kinder nicht auf Dauer vom Schulunterricht ausgeschlossen sind“, so Liese.

Impfcocktails und Streckung möglich

Hinsichtlich der Verabreichung unterschiedlicher Impf-Cocktails, AstraZeneca/BioNTech oder AstraZeneca/Moderna erklärte der Europaabgeordnete, der Impfstoff bleibe nur wenige Tage im Körper: „Sowohl der Vektor- als auch der mRNA-Impfstoff verschwinden. Der Körper erinnert sich an den Reiz und wird trainiert, gegen das Virus anzugehen. Es wäre ein Weltsensation, wenn daraus ein Problem entstehen würde.“ Das Coronavirus, welches das sogenannte Spike-Protein nutzt, um an die Zellen anzudocken und das Erbgut ins Zellinnere zu entlassen, werde so durch die entstandenen Antikörper bekämpft.

Selbst die von SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach geforderte Streckung des mRNA-Impfstoffes auf zwölf Wochen sei zu empfehlen. „Großbritannien hat das gemacht. Es gibt keine Studien wie lange eine Impfung hält. AstraZeneca deckt die zwölf Wochen ab, bei BioNTech gibt es noch keine Daten. Man kann das Risiko aber eingehen“, versicherte Liese.

Mehrere 100 Millionen Euro seien in die Forschung des mRNA-Impftoffs investiert worden. Es sei richtig, dass Industrie und Staat aufgrund des fachlichen Know-hows zusammenarbeiten. Ohne die enge Zusammenarbeit von Deutschland und der EU sei diese „europäische Erfolgsgeschichte“ nicht möglich gewesen, so Liese.

Intensivmediziner schlagen Alarm: Belastungsgrenze im Mai/Juni überschritten

„Die Impfung ist die große Hoffnung an der Covid-Front. Derzeit steigen die Zahlen auf den Intensivstationen. Ein schwerer Verlauf tritt auf, je höher das Alter ist und je stärker das Übergewicht. Inzwischen liegen viele Patienten im Alter von 55 bis 57 Jahren auf Intensiv“, erklärte der Essener Intensivmediziner Dr. Timo Brandenburger.

Von den 6.000 Intensivbetten seien derzeit 4.500 belegt, Tendenz steigend. Die Belastungsgrenze werde wahrscheinlich im Mai/Juni überschritten. Fehlende Pflegekräfte und ein Mangel an Versorgung würden dazu betragen, dass die Intensivstationen aufs Limit zustreben Gegen die steigenden Zahlen müsse dringend etwas getan werden, erklärte auch Dr. Peter Liese: „Ich ägere mich über die fehlende Regelung in privaten Räumen. Wir müssen genauer hinschauen, die Grenzen schützen und mehr testen. Nach Mallorca zum Vergnügen zu fliegen kann man nicht erklären. Das muss schnellstens geändert werden.“ Ohne massive Impfungen käme man sonst aus der Pandemie nicht heraus. Deutschland stehe mit 10 bis 15 Prozent Geimpften ganz gut dar, könne aber besser sein.

Positive Nachrichten vom Impfzentrum Olsberg

„Bisher hatten wir im Impfzentrum Olsberg bis Ende vergangener Woche 22.500 Erstimpfungen, 7.000 Folgeimpfungen. Wir arbeiten nahezu unter Volllast mit zwei Impfstoffen: BioNTech und AstraZeneca. 1.100 Patienten werden am Tag geimpft“, freute sich der Leiter des Impfzentrum Olsberg, Dr. med. Christoph Hüttemann, über das zügige Fortschreiten vor Ort. Soviel wie in der letzten Woche sei noch nie geimpft worden. Stand heute (Mittwoch, 14. April) sind es sogar 25.670 Erst- und 7.593 Zweitimpfungen im HSK.

Optimistische Prognose: 70 Prozent bis Juli erstmals geimpft

Man könne davon ausgehen, dass bis Juli 70 Prozent der Freiwiligen ihre erste Spritze erhalten würden, sodass eine Herdenimmunität erreicht werde. Jeder der möchte, könne so bis Ende des Sommers geimpft sein, so die Experten. Im Zeitraum April bis Juni würden der EU 360 Millionen Impfdosen zur Verfügung stehen. Damit könnten 200 Millionen Menschen geimpft werden. Und so lautet das Motto auch weiter „Impfen, impfen, impfen.“

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