Orkanböen bis zu 144 km/h gemessen

Sturmtief trifft HSK mit voller Wucht - Feuerwehrmann im Einsatz ums Leben gekommen

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Bei der Gärtnerei Wigge in Bestwig-Heringhausen stürzte ein Baum auf ein Auto.

Hochsauerland. Sturmtief Friederike tobt über dem Sauerland. Orkanböen bis zu 144 km/h wurden unter anderem auf dem Kahlen Asten gemessen - 7 km/h mehr als bei Kyrill. Meteorologen raten: "Bleiben Sie nach Möglichkeit zu Hause!" Der Sauerlandkurier informiert über die Lage im Kreisgebiet.

17.40 Uhr: Tragische Nachrichten erreichen uns gerade aus Sundern. Der Leiter der Feuerwehr Sundern, Frank Siedhoff, hat während der zurzeit laufenden Ratssitzung bekanntgegeben, dass ein Feuerwehrmann der Löschgruppe Hachen heute im Einsatz ums Leben gekommen ist. Nähere Einzelheiten gibt es noch nicht, aber von einem Baum oder ähnlichem sei er nicht getroffen worden. Der 51-jährige Mann hinterlässt seine Ehefrau und zwei Kinder, Bürgermeister Ralph Brodel sagte der Familie die Unterstützung der Stadt zu.

16.40 Uhr: Wie die Polizei mitteilt, wurden die Beamten zwischen 10 bis 15 Uhr zu 142 witterungsbedingten Einsätzen gerufen. Ein Schwerpunkt der Einsätze lag in Arnsberg und Sundern. Umgestürzte Bäume blockieren noch immer unzählige Straßen, so die Polizei. Die Räumung der Fahrbahnen wird noch einige Zeit andauern. Mit Behinderungen ist zu weiterhin zu rechnen. Aufgrund der hohen Anzahl der Anrufe kam es teilweise zu Wartezeiten, da nicht alle Notrufe direkt angenommen werden konnte.

16.25 Uhr:  Kreisbrandmeister Bernd Krause empfiehlt wegen des Sturmtiefs Friederike, möglichst in Gebäuden zu verbleiben und unnötige Fahrten zu vermeiden: "Auch nachdem der Sturm durchgezogen ist, können Bäume umfallen, da die Böden sehr nass sind. Deshalb sollten nach wie vor Wälder und baumreiche Gegenden gemieden werden." Noch immer werden zahlreiche Einsätze in der HSK-Leitstelle abgearbeitet. Grob geschätzt waren 1.100 Kräfte der Feuerwehren im Einsatz. Aktuell sind 447 Einsätze im gesamten HSK registriert (Stand: 15.45 Uhr), in Arnsberg waren es 163, in in Meschede 66, in Brilon 48, in Sundern 42 und in Marsberg 38. Lediglich Hallenberg war nicht betroffen. In der Leitstelle sind zwischen 10 und 15.30 Uhr 1.060 Anrufe eingegangen. Kreisweit wurde durch die Leitstelle zum ersten Mal auch über die Warnapp "NINA" informiert. 

In der Leitstelle HSK während des Sturmtiefs Friederike.


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16.15 Uhr: 20 Störungen in der Mittelspannung und zahlreiche weitere Stromausfälle im Niederspannungsbereich vermeldet die Westnetz GmbH. Derzeit sind Teilgebiete von Arnsberg, Meschede, Brilon, Schmallenberg und Winterberg betroffen. Rund 40 Mitarbeiter seien im Einsatz, um die Stromversorgung so schnell wie möglich wiederherzustellen. Die teilweise schweren Orkanböen behindern die schnelle Störungsbeseitigung. Immer mehr Bundes-, Landes- und Ortsstraßen sind blockiert und erschweren die Erreichbarkeit der Leitungen und Anlagen. "Die Reparaturarbeiten an den defekten Stromleitungen und Anlagen dauern an und werden voraussichtlich noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Wir bitten um Verständnis", heißt es in einer Pressemitteilung.

15.40 Uhr: Wie der Deutsche Wetterdienst mitteilt, lässt der Wind im Westen Deutschlands langsam nach. "Westlich des Rheins werden meist nur noch stürmische Böen oder Sturmböen gemeldet", vermelden die Experten auf ihrer Facebook-Seite. 

15.33 Uhr: Auch im Stadtgebiet Schmallenberg kam es aufgrund des Orkans zu zahlreichen Einsätzen. Etliche Straßen mussten voll gesperrt und umgestürzte Bäume von der Fahrbahn entfernt werden. In Dorlar und Niederberndorf fiel nach Angaben der Feuerwehr für mehr als zwei Stunden der Strom aus.

15.28 Uhr: Eine erste Böenbilanz von Friederike zieht das Wetterportal Sauerland: "Das Hauptsturmfeld verlässt das Sauerland nun allmählich nach Osten. Trotzdem können noch weiterhin Böen um 100 km/h auftreten." 

Die bisherige Bilanz:

  • Hohe Bracht 154 km/h 
  • Kahler Asten 144 km/h 
  • Ettelsberg/Willingen 106 km/h 
  • Winterberg-Langewiese 100 km/h 
  • Finnentrop-Heggen 95 km/h 
  • Sundern-Wildewiese 89 km/h 
  • Winterberg-Altastenberg 85 km/h 
  • Schmallenberg-Ebbinghof 84 km/h 
  • Schmallenberg-Oberkirchen 84 km/h 

Auf dem Kahlen Asten ist dies laut Wetterportal Sauerland die höchste Windgeschwindigkeit seit Januar 1993. Bei Kyrill lag die maximale Böe bei 137 km/h. Auch für die Talstationen, die teilweise geschützt liegen, sind diese Windgeschwindigkeit im Maximalbereich der dort gemessenen Werte.

Schwere Schäden hat der Sturm auch am Rewe Markt in Bestwig hinterlassen.

15.15 Uhr: Der Hochsauerlandkreis hat folgende "nicht vollständige" Liste gesperrter Straßen herausgegeben (Stand 13.45 Uhr): 

  • K 22/3 zwischen Voßwinkel und Echthausen bzw. Flugplatz 
  • K 45/1 zwischen Eversberg und Wehrstapel 
  • K 15/6 zwischen Altenbüren und Olsberg 
  • K 69 zwischen Meerhof und Essentho 
  • L 915 zwischen Wehrstapel und Nierbachtal 
  • Obere Ruhrtalbahn 
  • Bahnstrecke nach Winterberg

Arnsberg 

  • L732 Neheim-Höingen 
  • L732 Echthausen-Voßwinkel 
  • B229 Enkhausen-Hövel 
  • B229 Breitenbruch-Möhnesee 
  • L735 Oeventrop 
  • L735 Lattenberg 

Meschede 

  • L856 Hirschberger Weg 
  • B55 Hennesee 
  • L915 Nierbachtal 
  • L915 Löllinghausen-Klause 
  • L519 Obersalwey-Birkenbrauck 
  • L880 Kückelheim-Serkenrode 
  • L776 Rennstrecke Nuttlar 

Brilon 

  • B7 Antfeld-Altenbüren 
  • B480 Alme-Möhneburg 
  • B480 Alme-Bad Wünnenberg 

Schmallenberg 

  • L742 (Abschnitt 1 / 2) zwischen Schmallenberg-Rehsiepen und Winterberg-Siedlinghausen 
  • L914 (Abschnitt 2) Schmallenberg-Oberhenneborn


15.00 Uhr: Die Leitstelle in Meschede zählte bis 14 Uhr insgesamt 221 Einsätze. Mehr als die Hälfte davon gab es in Arnsberg (123), dahinter folgen mit weitem Abstand Sundern (32) und Schmallenberg (19). In Hallenberg mussten die Einsatzkräfte noch gar nicht ausrücken.

14.52 Uhr: Großes Glück hatten Josef und Bozena Wigge von der Gärtnerei Wigge in Bestwig-Heringhausen. Just in dem Moment, als sie in ihr Auto einsteigen wollten, krachte ein Baum auf das Fahrzeug. "Nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn wir 30 Sekunden vorher eingestiegen wären", schilderte ein sichtlich aufgewühlter Josef Wigge. "Deshalb sind wir heilfroh, dass wir mit dem Leben davon gekommen sind."

Josef Wigge steht fassungslos neben seinem Auto.

14.44 Uhr: Bis auf den verletzten Lkw-Fahrer am Hennesee sind nach Angaben der Polizei bislang keine Menschen zu Schaden gekommen. "Der Sturm scheint langsam abzuflachen. Ich glaube, wir sind aus dem Gröbsten raus", berichtet Pressesprecher Holger Glaremin.

Zahlreiche Sperrungen im Kreisgebiet

14.33 Uhr: Wie der Hochsauerlandkreis mitteilt, sind zehn Disponenten in der Leitstelle des Hochsauerlandkreises seit 12 Uhr im Dauereinsatz. Es könne wegen der zahlreichen Anrufe deshalb mehrere Minuten dauern, bis ein Anruf unter "112" angenommen werden kann. Die Leitstelle koordiniert die Feuerwehren und Rettungskräfte in den zwölf Städten und Gemeinden des Kreises. Alle Einsatzzentralen der Stützpunktwehren sind ebenfalls besetzt und disponieren die Einsätze vor Ort. Die Schäden reichen kreisweit von umgestürzten Bäumen, Fahrzeugschäden, abgedeckten Dächern bis zur Unterbrechung der Stromversorgung. Unzählige Straßen sowie Bahnstrecken sind derzeit gesperrt. Im Zentrum für Feuerschutz und Rettungswesen (ZFR) in Meschede-Enste unterstützt der Stab für Sonderlagen mit dem Kreisbrandmeister und weiteren Fachleuten des Katastrophenschutzes die Arbeit.

14.25 Uhr: Im Kreisgebiet sind laut Straßen.NRW wegen des Sturmes folgende Verbindungen gekappt: 

  • B55 zwischen Meschede und Meschede-Nichtinghausen 
  • B229 zwischen Arnsberg-Breitenbruch und Möhnesee-Delecke 
  • L519 zwischen Eslohe-Obersalwey und Eslohe-Meinkenbracht 
  • L732 zwischen Wickede-Echthausen und Arnsberg-Voßwinkel 
  • L732 zwischen Arnsberg-Neheim und Ense-Höingen 
  • L735 zwischen Arnsberg-Wildshausen und Warstein-Hirschberg 
  • L740 Winterberg und Medebach-Küstelberg 
  • L776 zwischen Bestwig-Nuttlar und Rüthen-Kallenhardt 
  • L856 (Abschnitt 1) zwischen Meschede und Warstein-Hirschberg 
  • L880 zwischen Eslohe-Kückelheim und Eslohe-Serkenrode 
  • L915 zwischen Meschede-Löllinghausen und Meschede-Klause 
  • L915 zwischen Meschede-Wehrstapel und Meschede-Nierbachtal

14.10 Uhr: Wegen herabfallender Dachziegel sind Teile der Mescheder Innenstadt gesperrt.

Teilbereiche der Mescheder Innenstadt sind abgesperrt.

14.01 Uhr: Die Feuerwehr Sundern verzeichnet insgesamt rund 30 Einsätze im Stadtgebiet. "Aktuell entspannt sich die Lage aber", berichtet Pressesprecher Jürgen Voss. Die größten Probleme gibt es derzeit noch zwischen Langscheid und Hachen, zwischen Meinkenbracht und Endorf sowie zwischen Langscheid und Mellen, wo jeweils Straßen gesperrt sind.

140 km/h auf dem Kahlen Asten

13.55 Uhr: Extreme Ausmaße nehmen die Böen in Winterberg an: Der Kahle Asten meldet soeben eine Böe von 140 km/h. Das sind 3 km/h mehr als bei Kyrill vor genau elf Jahren, wie das Wetterportal Sauerland mitteilt. Und weiter: "Unsere Station auf dem Turm der Hohen Bracht erreichte eben eine Böe von unglaublichen 153 km/h! Auch die Talstationen messen derzeit Böen von nahe 100 km/h. Bitte seid vorsichtig und geht nicht unnötig vor die Tür."

13.47 Uhr: Die Feuerwehr Arnsberg hat derzeit so viel zu tun, dass es keine genaueren Informationen zur Gesamtzahl und zu einzelnen Einsätzen gibt. Von Verletzten ist der Feuerwehr bislang nichts bekannt. Sobald es neue Erkenntnisse gibt, berichten wir.

13.40 Uhr: Die Feuerwehr Brilon teilt mit: Bisher gibt es "nur" umgestürzte Bäume im Stadtgebiet, so unter anderem an der B251 im Schmelterfeld, auf der Hoppecker Straße und Antfelder Straße. Die B480 ist zwischen Alme und Möhneburg gesperrt. Umgestürzte Bäume gibt es auch auf der L736 zwischen Alme und Büren. Die Straße zwischen Altenbüren und Esshoff ist gesperrt. Teilweise seien die Bäume aber auch schon wieder beseitigt.

13.33 Uhr: Auch die Strecke zwischen Meschede-Wehrstapel und -Eversverg ist gesperrt.

Nichts geht mehr zwischen Wehrstapel und Eversberg.

13.28 Uhr: Die Strecke am Hennesee ist aktuell voll gesperrt. Dort hat es einen Unfall mit einem Lkw gegeben.

13.22 Uhr: Die Stadt Winterberg hat bekanntgegeben, dass das Rathaus und der Bürgerbahnhof wegen der Sturmwarnung seit 12 Uhr geschlossen sind. "Gerade Winterberg als höchstgelegene Stadt im Hochsauerlandkreis hat mit höchsten Sturmgeschwindigkeiten zu rechnen. Aufgrund der aktuellen Sturmwetterlage wurde daher im Sinne der Sicherheit Bürgern sowie Mitarbeitern entschieden, heute offiziell ab 12 Uhr zu schließen", heißt es von der Stadtverwaltung. Morgen sind Rathaus und Bürgerbahnhof zu den gewohnten Öffnungszeiten erreichbar.

13.18 Uhr: Die Straßen.NRW-Regionalniederlassung Südwestfalen teilt mit: Gesperrt ist derzeit auch die Landesstraße L640 zwischen Schmallenberg-Westfeld und Ohlenbach, dort sind Bäume auf die Fahrbahn gefallen. Eine Räumung ist erst möglich, wenn der Sturm nachlässt, kündigt die Straßenmeisterei Winterberg an. Genauso gestaltet sich die Situation auf der L856 in Warstein/Niederbergheim. Die Straße musste auch gesperrt werden.

Zwischen Schmallenberg-Westfeld und Ohlenbach liegen Bäume auf der Fahrbahn.

Autobahnpolizei: 100 Einsätze

13.16 Uhr: Die Autobahnpolizei Dortmund verzeichnet nach eigenen Angaben derzeit rund 100 Einsätze. In der Nähe der Abfahrt Arnsberg-Ost (Uentrop) in Fahrtrichtung Brilon liegt ein Baum auf der Fahrbahn, hier staut sich aktuell der Verkehr.

13.12 Uhr: Die Lage in Meschede und Bestwig: "Hier ist es noch relativ ruhig", sagte Holger Glaremin. "Es ist kein Vergleich zu Arnsberg, das mit großer Wucht getroffen wurde." Aktuell ist die B55 im Bereich Hennesee gesperrt, "wo die Bäume reihenweise umkippen", so Glaremin. Darüber hinaus sind diverse Straßen gesperrt. "Wir empfehlen jedem, waldreiche Strecken zu meiden", so Glaremin, der auch von umherfliegenden Dachziegeln zu berichten weiß. In Bestwig wurde die Feuerwehr bisher nur zu vereinzelnden Einsätzen wegen umgestürzter Bäume gerufen, wie Jan Frigger, Pressesprecher der Feuerwehr, mitteilte.

13.06 Uhr: Viele Dächer im Kreis halten den extremen Windgeschwindigkeiten nicht mehr stand. Die Schützenhalle in Arnsberg-Rumbeck ist bereits zur Hälfte abgedeckt.

Die Schützenhalle in Arnsberg-Rumbeck.

13.01 Uhr: Die Feuerwehren in Arnsberg, Hüsten und Neheim wurden am Mittag über Sirene alarmiert. Nach Angaben der Feuerwehr gibt es mehrere umgestürzte Bäume. Besonders schwer getroffen hat es auch das Karolinen-Hospital (Klinikum Arnsberg) in Hüsten. Hier seien große Teile des Flachdaches abgedeckt worden. Die Zufahrt über Stolte Ley wurde von der Polizei gesperrt, auch Rettungswagen müssen das Krankenhaus von hinten anfahren, so die Feuerwehr.

12.53 Uhr: Der Lattenberg zwischen Arnsberg-Oeventrop und Warstein Hirschberg ist voll gesperrt. Das Gleiche gilt für den Ochsenkopf zwischen Arnsberg und Sundern. Die Polizei rät, waldreiche Gebiete nicht zu befahren.

Arnsberg am schwersten getroffen

12.46 Uhr: Laut Polizei-Pressestelle ist Arnsberg bisher am schwersten getroffen worden. "Wahrscheinlich, weil es am westlichsten liegt", vermutet Pressesprecher Holger Glaremin. Unzählige Bäume seien umgestürzt und Dachziegel fliegen umher. Polizei und Feuerwehr seien im Dauereinsatz. Verletzte gab es bisher glücklicherweise nicht.

12.38 Uhr: Der Zugverkehr in NRW und damit auch im Sauerland ist komplett eingestellt, so die Deutsche Bahn. Derzeit könne man noch nicht einschätzen, ab wann wieder gefahren wird. Auch im Busverkehr kommt es zu erheblichen Einschränkungen.

12.35 Uhr: Infos zur Lage im Bundesgebiet haben wir unter diesem Link für Sie zusammengestellt.

12.30 Uhr: Die Bezirksregierung Arnsberg hat bereits gestern Abend reagiert: "Grundsätzlich entscheiden die Eltern, ob der Weg zur Schule zumutbar ist oder ob er unter den gegebenen Bedingungen als zu gefährlich erscheint. Sollten sich die Eltern dazu entscheiden, ihr Kind am betreffenden Tag nicht zur Schule gehen zu lassen, so sollten sie unverzüglich die Schule darüber informieren." Schulen und Schulträger vor Ort können jedoch auch in eigener Verantwortung den Schulbetrieb aussetzen. Die Betreuung von Schülern, die dennoch in die Schule kommen, muss gewährleistet sein.

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