„Glauben soll Spaß machen“

Abschied von Marsberg: Gemeindereferent Manuel Kenter im Interview

Glauben soll Spaß machen: Den hatten Manuel Kenter (Mitte) und die Gemeindemitglieder dieses Jahr beim Bau des Karnevalswagens und bei den Umzügen.

Marsberg – Nach fast 13 Jahren im seelsorgerischen Dienst verabschiedet sich Manuel Kenter am heutigen  Sonntag, dritter Advent, um 10.30 Uhr in der Propsteikirche von der Gemeinde. Der SauerlandKurier hat mit ihm zurück geblickt.

Sind Sie Marsberger, Herr Kenter? 

Nein, ich bin in Gütersloh aufgewachsen, habe aber einige Jahre in Marsberg gelebt. Nach meiner Heirat bin ich nach Reiste gezogen.

Was hat Sie bewegt, sich in den Dienst der Kirche zu stellen?

Menschen haben mich schon immer interessiert. Nach dem Abi bin ich für ein halbes Jahr nach Italien. Dort habe ich bei christlichen Arbeitseinsätzen Jugendliche aus 18 Ländern getroffen, das hat mich sehr geprägt. Anschließend habe ich in Bielefeld Pädagogik studiert und mein Diplom gemacht. Doch es hat mir der religiöse Aspekt gefehlt. Ich wollte beides verbinden und habe dann an der Katholischen Hochschule in Paderborn Religionspädagogik studiert. Nach meinem Anerkennungsjahr in Lippstadt kam ich direkt nach Marsberg.

Wie sind Sie Gemeindereferent geworden?

Nach zwei Jahren als Gemeindeassistent wurde ich Gemeindereferent. Bei der Aussendungsfeier in Paderborn waren schon einige Marsberger dabei, die mich begleitet haben.

Welche Aufgaben hat ein Gemeindereferent? 

Viele können mit dem Titel nichts anfangen und ich wusste selbst vorher kaum, was ein Gemeindereferent eigentlich macht. Tatsächlich ist man recht frei, die Aufgaben ergeben sich aus den eigenen Neigungen. Anfangs waren das vor allem die Kommunion- und Firmvorbereitungen, die Betreuung der Messdiener und die Begleitung des Familienkreises.

Was ist Ihnen besonders wichtig? 

Der Wunsch mit Kindern und Jugendlichen zu arbeiten ist vermutlich geprägt durch meine eigenen Erfahrungen als Jugendlicher. Ich frage mich, wie man Kirche so gestalten kann, dass sie ansprechend ist. Wie kann Glauben Spaß machen? Vor circa neun Jahren habe ich mit den Messdienern unseren ersten Karnevalswagen gebaut, dieses Jahr sind wir als pastoraler Raum mit einem eigenen Wagen auf den Umzügen gewesen. Kirche ist so viel mehr, als Kinder und Jugendliche es in den Dörfern erleben: Besuche von Kirchentagen und ökumenischen Weltjugendtagen, Wallfahrten nach Paderborn und nach Rom oder unsere Fahrten nach Taizé...

Sind die Jugendlichen heute anders? 

Eigentlich hat sich nicht so viel verändert. Ich bin nach wie vor begeistert, mit welcher Intensität sich die Messdienerleiter einsetzen, wenn sie nach der Schule Gruppenstunden oder Jugendlager vorbereiten. Durch die Ganztagsschule bleibt ihnen weniger Zeit und sie haben viele andere Interessen, wie Sport, Musik u.s.w.. Das macht die Terminfindung oft zur Herausforderung. Insgesamt nimmt die Religiösität ab, Tischgebete oder gemeinsames Singen werden in vielen Familien nicht mehr praktiziert.

An was erinnern Sie sich besonders gern? 

Angeregt durch die Kommunionsarbeit, habe ich mal einen Vater-Kind-Tag organisiert, das war sehr schön. Und dann die Fahrten, egal wohin. Zu sehen, wie eine Gemeinschaft entsteht, das sind so die intensivsten Momente.

Inwieweit bekommen Sie gesagt, was Sie tun müssen? 

Kirche ist und bleibt hierarchisch. Aber ich habe das fast nie spüren müssen. Ich hatte immer das Glück, große Freiräume zu haben, dafür bin ich sehr dankbar.

Sie sind außerdem als Ehe- und Familienberater tätig. Warum? 

Ich habe gemerkt, dass es ein Höhepunkt meiner Arbeit ist, wenn ich mit Menschen über ihre Probleme spreche, sie in Krisenzeiten begleite. Zwischen 2009 und 2013 habe ich eine Weiterbildung gemacht und bin seitdem mit einer viertel Stelle als Ehe- und Familienberater in Brilon im Einsatz.

Wie geht es weiter und was wird Ihnen am meisten fehlen? 

Ich bin bereits zum 1. Dezember in den Pastoralen Raum Schmallenberg/Eslohe gewechselt und arbeite dort wieder als Gemeindereferent, aber nur mit einer 55- Prozent-Stelle. Die Ehe- und Familienberatung behalte ich bei. Zudem mache ich eine Weiterbildung zum systemischen Supervisor und Coach. Vermissen werde ich die Beziehungen, die in den Jahren gewachsen sind. 

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Kenter.

Das Interview führte Kristin Sens.

Nach fast 13 Jahren im seelsorgerischen Dienst verabschiedet sich Manuel Kenter von der Marsberger Gemeinde

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