Was Münzen erzählen

Arnold Schwede schließt mit Buch über Dreißigjährigen Krieg eine Lücke in der lokalen Münzforschung 

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Arnold Schwede (Mitte, sitzend) stellte zusammen mit dem Gutachter, dem Lektor und den Herausgebern der wissenschaftlichen Reihen, in denen die Monografie erschienen war, sein Buch über das Marsberger Münzwesen vor. 

Obermarsberg. „Eigentlich finde ich es ein bisschen schade, dass Marsberg das Münzrecht aberkannt wurde, sonst stünde die Stadt heute finanziell etwas besser da “, sagte Bürgermeister Klaus Hülsenbeck augenzwinkernd, als in den Räumen des Heimatmuseums der Stadt Marsberg ein von Arnold Schwede verfasstes Buch über im 17. Jahrhundert in Marsberg geprägte Münzen vorgestellt wurde.

Tatsächlich ging die Initiative für die Münzprägung im 17. Jahrhundert vom Stadtrat aus, der sich wiederum auf mittelalterliche Traditionen des Münzwesens berief. Die Eisengewinnung und Waffenproduktion in Marsberg waren weitere wichtige Gründe, wie Dr. Gerd Dethlefs erläuterte, der als Vorsitzender des Vereins der Münzfreunde für Westfalen die Neuerscheinung „Das Marsberger Münzwesen in der Neuzeit (1609-1650)“ wissenschaftlich begutachtet hatte.

Eine Gesamtdarstellung des Münzwesens in Marsberg, wo in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts nicht nur städtische, sondern auch kurkölnische Münzen geprägt wurden, gab es bisher für die Neuzeit nicht. Nachdem Dethlefs vor 16 Jahren zur Marsberger Münzgeschichte des Mittelalters publiziert hatte, erschien es sinnvoll und notwendig, auch die späteren Münzen in Bild und Schrift vorzustellen. Ein Mangel an Quellen und Archivmaterial hatte die Recherchen bisher behindert. Erst in jüngerer Zeit ergaben sich neue Erkenntnisse und Hinweise, die Schwede nutzen konnte. So ließ sich schließlich belegen, dass in Marsberg auch Münzen für den kurkölnischen Landesherren geprägt wurden und nicht, wie bisher angenommen, in Arnsberg. Dorthin waren lediglich die Aufzeichnungen gebracht worden, um sie vor den Auswirkungen des Dreißigjjährigen Krieges zu schützen. Münzen für den Export zu prägen, war eine lukrative Einnahmequelle, weil man dafür in der Regel schlechtere Qualitäten produzierte. In der Tat gibt es vor Ort nur wenig Funde, dafür welche bis in die Tschechoslowakei oder Ukraine hinein, so der Experte.

Herzstück ist ein Münzkatalog

Schwede, der zuvor bereits Publikationen zur Münzgeschichte Paderborn, Corvey und Rietberg herausgebracht hatte, beschreibt in seiner Monografie nicht nur das Münz- und Prägerecht Marsbergs sowie die Prägestätte selbst, sondern bettet das Marsberger Münzwesen in den historischen und regionalen Kontext ein.

Ein besonderer Verdienst der Publikation ist die Verknüpfung mit den wirtschaftlichen Zusammenhängen, die sich anhand der Münzfunde herstellen lässt. „Die meisten Münzfunde waren zwar schon vorher bekannt“, so Dethlefs, aber erst jetzt, wo die historischen Hintergründe bekannt sind, wurden die Münzen zum Sprechen gebracht.“ Abgerundet wird die Monografie mit Hinweisen auf die Verbreitung der Münzen im In- und Ausland. Herzstück des Buches ist ein Katalog mit detaillierten Beschreibungen der einzelnen Münzen sowie ihrer fotografischen Abbildung in Originalgröße. Erfasst und fotografiert wurden vom Autor nahezu alle zugänglichen Marsberger Münzen öffentlicher und privater Sammlungen.

„Wir sind stolz, dass Sie heute ihr Buch hier an diesem Ort vorstellen“, erklärte als „Hausherr“ Museumsleiter Hermann Runte. Das Museum selbst beherbergt rund 40 Münzfunde. „Die Publikation ist sowohl für Sammler und Numismatiker als auch für Heimatforscher und Historiker interessant. Ich glaube nicht, dass es nach dem neuen Schwede auf diesem Gebiet so schnell etwas Neues geben wird“, war der zuständige Lektor des Bonifazius-Verlags Dr. Michael Ernst überzeugt. Großen Respekt zollte auch Dr. Burkhard Beyer, Herausgeber der Reihe „Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Westfalen“, der wissenschaftlichen Leistung Schwedes.

Erschienen ist die 150 Seiten starke Monografie als Band 78 der Reihe „Studien und Quellen zur westfälischen Geschichte“ des Vereins für Geschichte und Altertumskunde Westfalens, Abteilung Paderborn – sowie parallel in den Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Westfalen, Neue Folge, Band 29. Erhältlich ist das Buch in den Marsberger Buchhandlungen sowie im Heimatmuseum zum Preis von 29,80 Euro.

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