„Heimat ist, wo‘s Herz ist“

Ausstellung über Erlinghausen präsentiert Originelles und Bewegendes 

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Detlev Steinhoff (Heimatmuseum) und Ortsheimatpfleger Herbert Dülme feierten mit den Vorsitzenden aller Erlinghausener Vereine sowie stv. Bürgermeister Johannes Wüllner und Ortsbürgermeister Thomas Schröder die Eröffnung der Ausstellung.

Obermarsberg. „Es war ein einmaliges Erlebnis, wie Erlinghausen mit Karren und Wagen beim Heimatmuseum vorgefahren ist und dann die Sachen aufgebaut hat“, zeigte sich Detlev Steinhoff, Vorsitzender des Fördervereins Historisches Obermarsberg, bei der Eröffnung der Ausstellung „Erlinghausen – immer auf der Höhe“ beeindruckt.

Es zeigt, wie groß der Zusammenhalt in diesem Ortsteil von Marsberg ist und wie sehr die Erlinghäuser bereit sind, sich für ihr Dorf zu engagieren. Vom Förderverein bis zum Familienzentrum haben sich alle Gruppen, Einrichtungen und Vereine in diese Ausstellung eingebracht und sich bei der Präsentation ihrer jeweiligen Aktivitäten viel Originelles einfallen lassen.

Das überdimensionierte Clownsgesicht des Karnevalsvereins zieht magisch die Blicke an, ein Flügel beweist, hier macht der MGV Cäcilia Musik, der Krombacher Pokal zeugt von glänzenden Leistungen des RWE und ein Schießstand mit dem originalen Schützenvogel erlauben echtes Schützenfest-Feeling. Dazu kommen zahlreiche Stellwände, gespickt mit Fotos von damals bis heute und informativen Texten. So werden, anhand eines Zeitstrahls, 900 Jahre Ortsgeschichte rekapituliert, angereichert mit Geschichten, wie dem Streit um die juristische Zuständigkeit in einem Mordfall.

Auf der Zeitschiene präsentieren sich 900 Jahre Ortsgeschichte – im Hintergrund der Schützenvogel.

Aber nicht nur die Vergangenheit wird thematisiert, sondern auch die Zukunft. Passenderweise hat diese Aufgabe die Katholische Landjugend (KLJB) übernommen. Nach einer Umfrage über das, was die Bewohner in ihrem Ort schätzen oder vermissen, wurde auch in die Zukunft geblickt. Anschließend wurden die Ergebnisse künstlerisch in diversen Plakaten aufbereitet. „Heimat ist wo‘s Herz ist“, fasst gut die Empfindungen der Jugendlichen zusammen. Erlinghausen in 50 Jahren stellt man sich mit Pizzeria, Freibad, Supermarkt, Bäckerei und Bushaltestelle, abgasfreiem Autoverkehr sowie einem „super Stadion“ vor, aber auch Kühe sollen hier noch grasen; auch die Jugend schätzt die schöne Landschaft.

Für die heutige Zeit steht auch die Arbeit des Fördervereins. Anhand einer Karte des Ortes wurde illustriert, wo und wie der Verein, einer der jüngsten in Erlinghausen, überall schon tätig war; das Ergebnis ist beeindruckend.

Aktionstag am morgigen Sonntag

Ja, die Erlinghäuser sind aktiv – aber mit dem Aufbau der Ausstellung ist ihr Engagement keineswegs beendet: Bereits eine Woche nach der Eröffnung, am morgigen Sonntag also, dürfte ganz Erlinghausen auf den Beinen sein, um beim Aktionstag im Museum entweder sich aktiv einzubringen oder ihn zu besuchen. Los geht es um 11 Uhr, neben Musik und kulinarischen Genüssen wird es mehrere Auftritte geben, unter anderem vom Familienzentrum. Die Vereine sind an ihren Ständen präsent und locken mit verschiedenen Aktionen, dazu werden Filme und Fotos gezeigt. Ein Highlight ist die Verlosung eines BVB-Trikots mit original Unterschriften. Wer einen der Preise ergattern will (außerdem gibt es noch Schuhe, Fußbälle und Tickets zu gewinnen), muss Quizfragen am RWE-Stand beantworten.

Einst waren die Erlinghäuser nicht gut auf die Obermarsberger zu sprechen; zu überheblich erschienen sie ihnen, dabei liegt Erlinghausen – zumindest topographisch – sogar noch höher als die Eresburg. „Früher sind uns von den Oberstädtern des Öfteren Knüppel zwischen die Beine geworfen worden, doch das ist Schnee von gestern“, versicherte Erlinghausens Ortsbürgermeister Thomas Schröder. Anders wäre die tolle Zusammenarbeit zwischen den Aktiven in Obermarsberg und den Aktiven aus Erlinghausen auch nicht möglich gewesen. „Mit dieser Ausstellung macht ihr mich noch ein bisschen stolzer auf unseren Ort“, schloss Schröder.

Das große Clownsgesicht des Karnevalsvereins ist einer der Hingucker der Ausstellung.

An Selbstbewusstsein mangelt es den Erlinghäusern gewiss nicht, das belegt auch der Slogan „Erlinghausen – immer auf der Höhe“, der sich, so Dorfchronist und Ortsheimatpfleger Herbert Dülme, in den letzten zehn Jahren etabliert hat. 47 Veranstaltungen jährlich und über 2000 Aktive in den Vereinen – jeder Einwohner ist im Schnitt 2,4 mal in einem der Vereine vertreten – zeige, so Dülme, dass Erlinghausen nicht nur räumlich „immer auf der Höhe“ ist.

Voller Tatendrang sind aber nicht nur die Erlinghäuser, sondern auch die Obermarsberger. So sprach Steinhoff an, welche weiteren Vorhaben und Entwicklungen im Museum selbst anstehen. Neue Ausstellungsräume sollen entstehen, die sich mit der jüngeren Vergangenheit beschäftigen. Wie im SauerlandKurier berichtet, davon einer in dem alle Ortsteile vertreten sein werden, ein historisches Schulzimmer sowie weitere, die sich mit Wirtschaftskraft und Gesundheitswesen der Stadt (Ritzenhoff, LWL) beschäftigen. „Das Museum der Stadt Marsberg soll, neben Arnsberg und Brilon, zu einer der drei Top-Museen im Sauerland werden“, kündigte Steinhoff an.

Starke Marsberger Frauen gesucht

Dazu brauche es aber die Unterstützung von Stadt und Politik. Das neue Konzept des Museums – unter anderem soll bei dem, möglicherweise etwas „altbacken“ klingenden, Heimatmuseum der Begriff „Heimat“ wegfallen – wird erstmals in der nächsten Ratssitzung vorgestellt (der SauerlandKurier wird zu gegebener Zeit aktuell berichten). Der stellvertretende Bürgermeister Johannes Wüllner zeigte sich offen für diese Entwicklung: „Das Museum ist kein Ort, wo alte Sachen herumstehen, sondern wo Geschichte lebendig wird und Menschen berührt werden.“

Die Ausstellung läuft bis zum 31. August. Im Anschluss wird eine Wanderausstellung zu 70 Jahren Grundgesetz in Obermarsberg Station machen. Da es in ihr auch um starke Frauen in Politik und Gesellschaft geht, sammelt der Förderverein zurzeit Hinweise auf starke weibliche Persönlichkeiten aus Marsberg. „Wer etwas weiß, kann sich bei uns melden“, so Steinhoffs Appell.

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