„Über Grenzen hinaus denken“

Vor dem Beginn ihres offiziellen Vikariats in Marsberg: Katrin Pferdmenges im Interview

Katrin Pferdmenges beginnt am 1. Februar offiziell ihr Vikariat in Marsberg.
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Katrin Pferdmenges beginnt am 1. Februar offiziell ihr Vikariat in Marsberg.

Marsberg – Einige evangelische Gemeindemitglieder in Marsberg sind ihr schon begegnet. Mit dem morgigen Tag, dem 1. Februar, beginnt nun auch offiziell ihr Vikariat in Marsberg.

Der SauerlandKurier wollte von ihr erfahren, was sie nach Marsberg geführt hat und wie ihre Aufgaben in den kommenden zwei Jahren – solange wird ihr Vikariat in Marsberg noch dauern – aussehen werden.

Stammen Sie aus der Region, Frau Pferdmenges?

Nein, ich komme ursprünglich aus dem Rheinland, aus Mönchengladbach. Aber ich wohne seit einiger Zeit mit meinem Mann und zwei Kindern in Büren. Mein Sohn ist neun und meine Tochter wird am 1. Februar 13 Jahre.

Wie alt sind Sie selbst?

Das kommt darauf an, wann Ihre Zeitung erscheint. Ich werde in ein paar Tagen 44, ebenfalls am 1. Februar, wie meine Tochter.

Wie kommt es, dass sie heute hier als Vikarin in Marsberg stehen?

Theologie hat mich schon immer interessiert – aber auch die Arbeit mit behinderten Menschen. Also habe ich in Oldenburg für das Lehramt in Sonderpädagogik mit dem Schwerpunktfach Theologie studiert und dort mein erstes Staatsexamen abgelegt. Zwei Semester habe ich in Belfast studiert und das zweite Staatsexamen war dann in Vechta. Die nächsten 20 Jahre habe ich überwiegend an diversen Förderschulen gearbeitet.

Warum haben Sie das nicht weiter gemacht?

Als Lehrerin an einer Förderschule ist man mehr oder weniger Allrounderin. Die Lust und Leidenschaft an der Theologie hat mich aber nie verlassen. Ich habe zunächst eine Ausbildung zur Prädikantin, also zur „Laienpredigerin“, gemacht. Irgendwann habe ich gemerkt, ich will mehr. Deshalb habe ich ein berufsbegleitendes Studium der Theologie in Marburg begonnen und nach drei Jahren mit dem Master abgeschlossen.

Wie ging es dann weiter?

Irgendwie war immer in mir der Wunsch, dass ich eigentlich Pfarrerin werden möchte – aber war das überhaupt möglich? Ich habe sehr schnell gemerkt, dass es da zahlreiche formale Hürden gibt. Ich war ja Staatsbeamtin – und sollte nun Kirchenbeamtin werden. Es war nicht so einfach, meine Versorgungsansprüche aus dem Staatsdienst zu sichern. Problematisch war auch die Anerkennung meines Master-Studiengangs als Zugangsvoraussetzung. Dafür musste letztendlich sogar das Kirchenrecht geändert werden. Aber auch die Evangelische Kirche versucht neue Wege zu gehen, um neue Pfarrer zu gewinnen. Nach dem theoretischen Teil, dem Studium, folgt dann das Vikariat, vielleicht vergleichbar mit dem Referendariat bei der Lehrerausbildung.

Dann sind Sie also quasi eine Art Quereinsteigerin?

So würde ich das nicht nennen. Denn ich habe ja das gesamte Theologie-Studium absolviert. Aber ich bringe sicherlich andere Sichtweisen und mehr Lebenserfahrung mit als Kollegen, die den klassischen Weg mit Schule-Abitur-Theologiestudium gegangen sind.

Dann beginnt ihr Vikariat jetzt am 1. Februar?

Nein, eigentlich war der Start am 1. Oktober. Die meisten Vikare machen zunächst eine schulische Grundausbildung. Die wurde mir erlassen, weil ich ja diese Qualifikation schon hatte. Dafür habe ich eine Art Sondervikariat gemacht. Ich war im Bereich der Seelsorge tätig, habe zum Beispiel an einer Konzeptentwicklung zur Schulung ehrenamtlicher Seelsorger gearbeitet, war aber auch unter anderem in einem Hospiz und an einer Klinik als Seelsorgerin im Einsatz.

Hat Ihnen dabei ihre vorherige Berufserfahrung geholfen?

Ja, schon. Als Pädagogin an der Förderschule hatte ich viel mit der geistigen, aber auch der emotionalen und sozialen Entwicklung der Schüler zu tun. Es ist schon eine ähnliche Haltung. Was ich immer spannend finde, ist, Dinge zusammen zu bringen: Lebensgeschichten und Glaubensgeschichten. Und dabei neue Metaphern zu finden, eine neue Ausdrucksweise, welche die Menschen heute besser verstehen können. - Und so den Menschen den Glauben und die Bibel wieder näher zu bringen. Das hat mir auch schon beim Studium in Marburg gut gefallen, dass es so viele interdisziplinäre Bereiche und Themen gab.

Wie werden nun ihre Aufgaben in Marsberg aussehen und wo werden Sie eingesetzt?

Ziel des Vikariats ist es, alle Bereiche kennen zu lernen. Dabei werde ich in ganz Marsberg tätig sein. Ich habe Pfarrer Markus Pape bereits zu zwei Konfirmandenfreizeiten begleitet und auch schon Gottesdienste mit der Gemeinde gefeiert. Die Seelsorge wird zu meinen Aufgaben gehören, die Gruppenarbeit und ebenso die Zusammenarbeit mit dem Presbyterium. Ich werde nicht die ganze Zeit hier sein, denn zwischendurch gibt es verschiedene Ausbildungsblöcke am Predigerseminar Wuppertal – oder Seminar für Pastorale Ausbildung wie es heute korrekt heißt.

Kommen Sie eigentlich aus einem besonders frommen Elternhaus?

Meine Eltern waren an christlichen Grundwerten orientiert, aber liberal und weltoffen. Ich habe im Laufe der Jahre eine ganze Reihe verschiedener Frömmigkeitsstile kennen gelernt, bis hin zu den Freikirchen. Die Offenheit, über Grenzen hinaus zu denken, war immer für mich etwas Besonderes. Jetzt kommt zusammen, was ich beruflich tue und woran mein Herz hängt.

Vielen Dank für das Gespräch, Frau Pferdmenges!

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