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Berufs- und Ausbildungsmesse Marsberg bringt Unternehmen und Fachkräfte von morgen zusammen

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Von: Kristin Sens

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Auf Augenhöhe: Wenn Azubis von ihrem Berufsalltag erzählen, erleichtert dies den Schülern die Kontaktaufnahme: (v.l.) Jannes Münster lernt bei Siebers Maschinenbau und Energietechnik als Feinmechaniker, Jannik Kedziora steht kurz vor seiner Prüfung als Mechatroniker (er hat seine Prüfungsaufgabe mitgebracht) und Alina Dirschus macht eine Ausbildung zur Industriekauffrau. Chefin Theresa Siebers ist froh über die Unterstützung auf der Messe.
Auf Augenhöhe: Wenn Azubis von ihrem Berufsalltag erzählen, erleichtert dies den Schülern die Kontaktaufnahme: (v.l.) Jannes Münster lernt bei Siebers Maschinenbau und Energietechnik als Feinmechaniker, Jannik Kedziora steht kurz vor seiner Prüfung als Mechatroniker (er hat seine Prüfungsaufgabe mitgebracht) und Alina Dirschus macht eine Ausbildung zur Industriekauffrau. Chefin Theresa Siebers ist froh über die Unterstützung auf der Messe. © Kristin Sens

Mit einem lauten Knall gab unfreiwillig ein Installationsbetrieb den Startschuss zur vierten Berufs- und Ausbildungsmesse in Marsberg; ein Schlauch an einer Anlage, die sie zu Demonstrationszwecken aufgebaut hatten, war abgeplatzt – ein Vorführeffekt der besonderen Art.

Marsberg – Wenn auch ein solcher „Knaller“ nicht unbedingt erwünscht ist, Aufmerksamkeit brauchen sowohl die heimischen Handwerksbetriebe als auch die Industrie oder die Gesundheitsbranche – im Grunde alle Arbeitgeber in der Region, denn es wird immer schwieriger Nachwuchs zu finden.

So war das Interesse auf der Seite der Unternehmen, sich auf der Berufs- und Ausbildungsmesse zu präsentieren, in diesem Jahr besonders groß. Um die 40 Betriebe mit einem breiten Spektrum an Ausbildungsberufen waren der Einladung gefolgt. „So viele Aussteller hatten wir noch nie“, sagte erfreut Wirtschaftsförderin Michaela Schröder, wohl wissend, dass das ein Indiz dafür ist, dass Auszubildende immer dringender gesucht werden.

Für die Schüler, die Ende der neunten oder zehnten Klasse in das Berufsleben einsteigen wollen, ist das eine gute Nachricht: Selten wurden sie so umworben wie jetzt. „Geht auf die Schüler zu, sprecht sie an – unsere Schüler sind nicht immer so taff wie sie tun“, appellierte Rita Vogt, Schulleiterin der Sekundarschule in deren Räumlichkeiten die Messe stattfand, an die Betriebe.

Viele Arbeitgeber nahmen sich das zu Herzen; sie wissen was für sie auf dem Spiel steht. So konnten sie durchaus den ein oder anderen Schüler dafür gewinnen, sich für einen Ausbildungsbereich zu interessieren, den diese (noch) nicht auf dem Plan hatten. Viele Betriebe hatten ihre eigenen Auszubildenden mitgebracht, die dazu beitrugen, Hemmschwellen zu senken.

Richard Krause von der Diemeltalapotheke erzählte: „Vor fünf Jahren bin ich selbst hier noch als Schüler durchgelaufen und jetzt stehe ich hier, als fertiger Pharmazeutisch-technischer Assistent (PTA) und erkläre meinen Beruf anderen.“ Er sei früher ziemlich schüchtern gewesen, aber er habe gelernt, auf Menschen zuzugehen und Verantwortung zu übernehmen, sagt er heute selbstbewusst.

Jannik Kedziora, Mechatronik-Azubi bei der Firma Siebers, der kurz vor seiner Abschlussprüfung steht, hatte seine praktische Prüfungsaufgabe, eine Sortieranlage für Fertigungsstücke, aufgebaut. Anschaulich erläuterte er, wie so eine Aufgabe aussieht und welche Fertigkeiten man mitbringen, beziehungsweise gelernt haben muss.

Gabriel Pape, im zweiten Lehrjahr bei der Firma Lachenit, ist zufrieden mit seiner Wahl: „Ich wollte etwas machen, was ich mit den eigenen Händen schaffen kann.“ Sein Tipp für die Kollegen in spe: „Macht so viele Praktika wie möglich. Geht auch in den Sommerferien selbst mal los auf die Suche.“

Viele Schüler hatten gezielte Fragen zu bestimmten Ausbildungsberufen im Gepäck, andere ließen sich durch interaktive Angebote oder einem Snack anlocken. Einige, wie die Zehntklässler Lukas Garbes und Niklas Wiegelmann, haben sogar schon einen abgeschlossenen Ausbildungsvertrag in der Tasche.

Je authentischer der Bezug, desto mehr Neugierde weckt das bei den Schülern: Bei den Dachdeckern selbst einen Nagel einschlagen oder einen Schiefer behauen, bei Pistorius einen Arbeitskran steuern, oder bei der Firma Fosch seinen Namen in einen Flaschenöffner einfräsen; daran hatte sogar Bürgermeister Thomas Schröder Spaß.

Auch die Sprache hat sich verändert: „Chillen – Richtig geil, wenn man vorher etwas Tolles geschaffen hat“, wirbt zum Beispiel Maler Luce unter dem Hashtag #werdeMaler. Die Slogans auf den Werbebannern versuchen die Jugendlichen auf ihrer Wellenlänge zu erreichen. Die Unternehmen lassen sich inzwischen einiges einfallen. Siebers veranstaltet zum Beispiel in den Sommerferien Projekttage, in denen Schüler eigene Projekte planen und umsetzen können. Schulleiterin Vogt lud die Betriebe ein, direkt in die Klassen zu kommen und sich vorzustellen. Kleine Betrieb schaffen das nicht alleine. Umso wichtiger, dass eine kreative und engagierte Innung, Handwerks- oder Industrie- und Handelskammer hinter ihnen steht.

„Die Ausbildungsmesse bringt zusammen, was zusammen gehört: Auszubildende und Ausbilder. Es ist eine effektive Austauschplattform, denn das Internet ist das Eine, das Ganze live zu erleben, etwas ganz Anderes“, fasste es der Bürgermeister in seinen Begrüßungsworten zusammen.

Mal selber machen: Das konnte man auch an der Kransteuerung der Firma Pistorius Fenster Türen Metallbau.
Mal selber machen: Das konnte man auch an der Kransteuerung der Firma Pistorius Fenster Türen Metallbau. © Sens, Kristin

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