Bredelar vor 111 Jahren

Im Kloster Bredelar wurde 1842 eine Eisengießerei eingerichtet, viele Menschen aus den Nachbargemeinden arbeiteten hier.

Viele Ereignisse der Vergangenheit geraten im Laufe der Jahre in Vergessenheit. Dass Bredelar etliche Jahre selbstständig war, wissen heute nur noch die wenigsten. Fast auf den Tag genau, am 1. April vor 111 Jahren, erhielt Bredelar den Status einer eigenständigen Gemeinde, musste diesen jedoch 1975, im Zuge der Gebietsreformen, wieder aufgeben.

Im Gegensatz zu vielen anderen Dörfern der Region hat der Ort auf den ersten Blick eine relativ junge Geschichte. Das gilt aber nur im Hinblick auf seine Geschichte als politische Gemeinde. Als Ortsname leitet sich Bredelar vom althochdeutschen "breidelâr" ab, was so viel wie ausgedehnter Weideplatz heißt. Das bedeutet, dass es schon im frühen Mittelalter eine Besiedlung gegeben haben muss.

In Quellen erwähnt wird der Ort erstmals im Jahr 1170, als der Kölner Erzbischof Philipp von Heinsberg das Kloster Bredelar gründete. Zu diesem Zeitpunkt gab es an diesem Ort zumindest schon eine Kirche, ein Gut und eine Mühle. Da die Prämonstratenserinnen sich nicht sehr schicklich benahmen, wurde das Kloster bereits 26 Jahre später in ein Zisterzienserkloster umgewandelt. Außerhalb des Klosters gab es zunächst nur wenige Ansiedlungen, zumeist Familien, die in dessen Dienst standen. In den folgenden Jahrhunderten nahm die regionale Bedeutung des Kloster stetig zu. Es wurde zum Grundherren der Siedlungen Giershagen, Beringhausen, Messinghausen und Bontkirchen.

Bredelar kam zu Giershagen

Fehden, der 30-jährige Krieg sowie wenig später der siebenjährige Krieg führten zeitweilig zum wirtschaftlichen Abstieg. Das Ende kam für das Kloster durch die Säkularisation. Es wurde dem Landgrafen von Hessen-Darmstadt zugesprochen und 1803 aufgelöst. Die Ländereien wurden Staatsdomäne, Bredelar politisch der Gemeinde Giershagen zugerechnet.

Im Kloster wurde 1842 eine Eisengießerei eingerichtet, andere Gebäude landwirtschaftlich genutzt. Die Arbeitskräfte für die Hütte kamen zunächst aus den Nachbargemeinden, Bredelar selbst blieb spärlich bevölkert. Erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts wuchs das Dorf, als die Grube Charlottenzug ausgebaut wurde und die Eisengießerei expandierte. Wirtschaftlichen Aufschwung erlebte der Ort vor allem durch die Ruhr-Diemel-Bahn, die 1872 durch das Hoppecketal verlegt wurde.

Bredelar, das immer stärker industriell geprägt war, und Giershagen, das landwirtschaftlich geprägt blieb, entwickelten sich immer weiter auseinander. 1897 stellte der Fabrikant Carl Reinke den Antrag, Bredelar zu einer selbssttändigen politischen Gemeinde zu erheben. Im folgenden Jahr wurde erstmals ein getrennter Haushaltsplan für Giershagen und Bredelaraufgestellt, um die Folgen abwägen zu können. Der königliche Landrat nahm eine Ortsbesichtigung vor und es wurde um den Grenzverlauf verhandelt. Die Gemeindevertretung stimmte schließlich zu und bereits am 21. Oktober 1898 wurde der Erlass des preußischen Königs zur Abtrennung verkündet. Wirksam sollte die Trennung zum 1. April 1900 werden.

Derzeit laufen die Planungen, um das denkwürdige Ereignis vor 111 Jahren im Herbst zu feiern.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare