"Massivste Käferkalamität seit über 70 Jahren"

Aus für „Brotbaum“ des Sauerlands? Forstamtsleiter stellt Forstwirtschaftsplan 2020 vor

+
Auch am Diemelsee sind die Schäden, die der Wald durch Stürme, Trockenheit und Borkenkäferbefall nimmt, nicht mehr zu übersehen.

Marsberg - „Das Jahr 2019 wurde und wird im Wald von der massivsten Käferkalamität seit über 70 Jahren bestimmt“, erklärt Forstamtsleiter Andreas Becker in seinen Ausführungen zum Forstwirtschaftsplan 2020.

Ursprünglich habe sich der Befall auf durch den Sturm Friederike hervorgerufene Windwurfflächen beschränkt, in diesem Jahr finde sich der Borkenkäfer auch in bisher intakten Fichtenbeständen, selbst in höheren Lagen. Im Stadtwald Marsberg sind aufgrund der Trockenheit circa 300 Hektar Fichtenbestände durch den Borkenkäfer geschädigt. „Diese Käferkalamität wird unseren Wald in einem Ausmaß beeinflussen, wie wir das seit Jahrzehnten nicht gekannt haben. Das zeigt sich – leider – auch im Stadtwald Marsberg. Manche Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Fichte in den niederen Lagen bis etwa 300 Meter über NN völlig verschwindet“, zeichnet der Forstamtsleiter ein düsteres Bild. 

Bei einem Waldbegang im September konnten sich die Mitglieder des Marsberger Stadtrats selbst davon ein Bild machen. Die zusätzlichen außerplanmäßigen Mittel (bereits im Juli wurden 78.000 Euro bewilligt und nun weitere 100.000 Euro) sind daher unabdingbar, um so etwas wie Schadensbegrenzung zu betreiben, denn das befallene Holz muss schnellstmöglich aus dem Wald geholt werden. 

Auch Prognose fällt „düster“ aus

Für das kommende Jahr rechnet die Forstbehörde mit einem ähnlichen Schadensbild in Bezug auf Borkenkäferbefall. Paroli bieten könnte dem Borkenkäfer nur ein extrem strenger Winter mit Minustemperaturen ab 18 Grad Celsius, was immer unwahrscheinlicher wird, oder ein sehr nasser Winter, der die Bestände durch verstärkten Milbenbefall dezimiere, so der Forstexperte. Derartige Vorkommnisse machen eine Forstplanung äußerst schwierig. Nicht mehr markttaktische Überlegungen und Kriterien zur Sicherung eines nachhaltigen Forstbestandes, sondern die Reaktion auf Schadensereignisse bestimmen mehr und mehr den Alltag im Forst. 

Bei einem Waldbegang im September konnten sich die Mitglieder des Marsberger Stadtrats selbst ein Bild vom Zustand des Waldes machen.

Da Marsberg ja nicht die einzige davon betroffene Kommune ist, kommt es zu einem Überangebot an Fichtenholz, mit der Folge, dass die Preise im Laufe des Jahres bereits stark gesunken sind – im Stammholzbereich über 50 Prozent und beim Industrieholz um 40 Prozent. „Beim letztgenannten Sortiment liegen wir damit unter den Aufarbeitungskosten, auch das hat es seit 70 Jahren nicht gegeben“, heißt es weiter in dem Bericht. Stabil seien die Preise lediglich noch im Export nach Asien. Der vermehrte Einschlag habe auch Auswirkungen auf den Pflanzen- und Saatgutmarkt, da hier nun die Nachfrage entsprechend höher ist. Auch bei der Lärche und der Buche zeigten sich erste Schäden durch Trockenheit. Ein derartiges Holz eigne sich fast nur noch als Brennholz beziehungsweise zur Verarbeitung als Spanplatten. Lediglich die Eiche weise bisher noch keine Schäden auf. Beim Laubstammholz sei daher noch mit stabilen Preisen zu rechnen. 

Für 2020 ist vorgesehen, insgesamt 24.300 Festmeter Holz einzuschlagen, davon 20.000 Festmeter Fichte, 2300 Festmeter Buche und jeweils 1000 Festmeter Eiche beziehungsweise Kiefer und Lärche. Somit wird eine mehr als doppelt so große Menge angesetzt wie für das laufende Jahr (10.000 Festmeter) – und bezogen auf die Fichte sogar eine viermal so große Menge (für 2019 waren lediglich 5000 Festmeter geplant). Revierleiter Lars Grothe regte an, öffentlich für Verständnis zu werben, dass das Bürgerbrennholz, den Umständen geschuldet, zukünftig auch einen Anteil an Fichtenholz enthalten werde. 

Artenvielfalt steigern

Auch wenn der vermehrte Einschlag auf der Einnahmenseite insgesamt für höhere Erträge sorgen wird – 675.000 Euro gegenüber 528.000 im Ansatz für 2019 – so überwiegt doch der Mehraufwand, vor allem durch die notwendige Inanspruchnahme externer Dienstleistungen (hier steigt der Ansatz von 170.000 Euro auf 610.000 Euro), sodass unter dem Strich mit einem Minus von knapp 240.000 Euro gerechnet wird. 

Becker sieht in der aktuellen Situation aber auch eine Chance, nämlich den Wald neu aufzustellen und die Artenvielfalt zu steigern. „Gerade in Hinblick auf die kommende Waldgeneration ist es unseres Erachtens wichtig, mit Mischbeständen die Zukunft zu gestalten“, schließt der Forstbericht.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare