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Bürgermeisterkandidaten stellen sich den Fragen der Landwirte

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Von: Kristin Sens

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Einem umfangreichen Fragenkatalog der Landwirte stellten sich die Marsberger Kandidaten für das Bürgermeisteramt Thomas Schröder (li.) und Rüdiger Nentwig.
Einem umfangreichen Fragenkatalog der Landwirte stellten sich die Marsberger Kandidaten für das Bürgermeisteramt Thomas Schröder (li.) und Rüdiger Nentwig. © Kristin  Sens

Marsberg – Der Tag der Kommunalwahlen rückt näher – Zeit, auch für die Marsberger Bürgermeisterkandidaten, sich in Position zu bringen. Die Marsberger Landwirte wollten genauer wissen, was sie von den beiden Kandidaten erwarten können und luden sie zu ihrer Stadtverbandssitzung ein. Im Vorfeld hatten sie einen umfangreichen Fragenkatalog erarbeitet, zu aktuellen Problemen und Themen, die nicht nur die Landwirtschaft betrafen.

Zunächst stellten sich beide Kandidaten kurz vor. Thomas Schröder, CDU, unterstrich dabei seine politische Erfahrung. Er ist Ortsbürgermeister sowie Mitglied im Kreistag – dort unter anderem im Umweltausschuss tätig – und Vorsitzender der Verbandsversammlung des Naturparks Diemelsee. Zudem betreibt er an seinem Wohnort Erlinghausen eine Nebenerwerbslandwirtschaft. 

Rüdiger Nentwig verwies indes auf seine beruflichen Qualifikationen; der gelernte Entwicklungsingenieur ist in leitender Funktion für Personalführung und Projektentwicklung zuständig. Bekannt ist er in Marsberg vor allem durch seine Tätigkeit als Leiter der Stadtmarketing und Wirtschaftsförderung von 2010 bis 2016. Dadurch ist er auch über die Grenzen Marsbergs hinaus gut vernetzt. Er tritt zwar auf Vorschlag der SPD an, sei aber parteilos, betonte er. 

Thema Infrastruktur 

Dann stellten sich die Kandidaten fünf Themenblöcken. Im ersten ging es um die Stärkung der Außenbereiche. Hier wollten die Landwirte wissen, was für die Kandidaten eine gute Infrastruktur ausmache, wie wichtig der öffentliche Nahverkehr und die Nahversorgung sei, wie sie das Internet im ländlichen Raum zu stärken gedenken, welche Fördermöglichkeiten es gebe, wie es um Ausbau und Sanierung von Wirtschaftswegen stehe. Letzteres war eine Frage, die den Landwirten besonders unter den Nägeln brannte, wie die Nachfragen aus dem Publikum zeigten. 

Im Prinzip antworteten beide Kandidaten ähnlich, verwiesen auf die Bedeutung von Kindergärten, Schulen und ärztlicher Versorgung – und erklärten, dass der ÖPNV sowie der Erhalt von Dorfläden auch abhängig sei davon, wie gut sie genutzt würden. Vielleicht habe Corona die Wertschätzung der Versorgung vor Ort geschärft, hoffte Schröder. Zudem regte er die Einrichtung von Sammeltaxis an. 

Rund 50 Landwirte besuchten die Veranstaltung mit den Marsberger Bürgermeisterkandidaten und hörten ihnen rund 2 1/2 Stunden lang zu.
Rund 50 Landwirte besuchten die Veranstaltung mit den Marsberger Bürgermeisterkandidaten und hörten ihnen rund 2 1/2 Stunden lang zu. © Kristin Sens

Zum Thema Digitalisierung erklärte Nentwig, dass in den Schulen – trotz des Digitalpaktes von Bund und Land – noch „eine Menge Hausaufgaben“ zu machen seien. In den Kindergärten sei das Hauptproblem eine zu dünne Personaldecke. Beim Thema schnelles Internet wies er darauf hin, dass Anwesen im Außenbereich – und das betreffe viele Bauernhöfe – abgehängt blieben. Hier gelte es nachzubessern. Die Wirtschaftsförderung sollte sich mit diesem Thema beschäftigen, schlug er vor. „Glasfaser an jedem Milchkübel? Wir werden die Abgeordneten daran messen müssen“, gab sich Schröder kämpferisch. 

Zum Thema Wirtschaftswege verwiesen beide Kandidaten auf die unlängst im Rat getroffenen Entscheidungen – ausreichend seien die Mittel „natürlich nicht“. Aber es wäre unlauter, ihnen hier etwas zu versprechen, bekannte Nentwig. „Das muss erst Mal reichen, weil Geld endlich ist und Investitionen in Schulen vorrangig sind.“ Vielleicht sei es nicht nötig, alle Wege zu asphaltieren; auf geschotterten Wegen würden vielleicht nicht so viele andere Leute herumfahren, regte er an. Den Wunsch der Landwirte, bei der Priorisierung der Wegesanierungen stärker beteiligt zu werden, begrüßten beide Kandidaten. 

Flächenverbrauch 

Im Themenblock zwei ging es um den Flächenverbrauch, etwas, dass Landwirte sehr beschäftigt. Ein Zuhörer machte darauf aufmerksam, dass Landwirte doppelt betroffen seien. Einmal, in dem sie Flächen als Bauland verlören und dann müssten sie dafür noch Ausgleichsflächen zur Verfügung stellen, die ihnen somit nicht mehr zur Bewirtschaftung zur Verfügung stünden. „Der Interessenkonflikt ist natürlich da“, bestätigte Schröder. Er beobachte aber einen leichten Umkehrtrend, dass Familien sich verstärkt für alte Höfe im Dorfkern interessierten. Nentwig zeigte sich offen dafür, Interessenten dabei zu unterstützen, durch entsprechende Beratungsangebote und kleine finanzielle Anreize. Zudem gelte es, die Ausweisung von Neubaugebieten besser am Bedarf auszurichten; „mit Maß und Mitte“, so Nentwig –„mit Augenmaß“, so Schröder. Die einzelnen Parzellen müssten zudem nicht mehr so groß sein, waren sich beide Kandidaten einig. 

Diskutiert wurde auch die Idee, Ausgleichsflächen kommunalen Wäldern zu schaffen – etwas, das zurzeit noch nicht möglich ist, beide Kandidaten aber für sinnvoll hielten. Kompensationsflächen im Wald würden auch vielen privaten Waldbesitzern nützen, die zurzeit durch Stürme, Trockenheit und Borkenkäfer „kaum einen Cent verdienten“, regte jemand aus dem Publikum an. 

Biodiversität 

Im dritten Themenblock ging es um das Thema Biodiversität, Grundsätzlich müssten Landwirte, wenn sie in Naturschutzprojekte einbezogen werden, auch einen finanziellen Ausgleich erhalten. „Es muss sich für sie lohnen“, so Nentwig. Er bescheinigte den Landwirten, dass sie schon aus Eigeninteresse eine nachhaltige Bewirtschaftung betrieben. Schröder unterstrich, dass eine Bewirtschaftung für Landwirte auch in Naturschutzgebieten möglich sein muss – unter Beachtung „vernünftiger“ Vorgaben. Zum Thema Grundwasser verwiesen beide Kandidaten auf die positiven Entwicklungen bei den Nitratwerten, die der guten Kooperation der Landwirte mit der Stadt und der Biogasanlage zu verdanken sei. Die Biogasanlage bei Borntosten sei zwar nicht wirtschaftlich, solle aber weiter betrieben werden, meinte Nentwig. 

Kooperation mit Stadt 

Abschließend ging es um die Kooperation der Landwirte mit der Stadt und wie sich Landwirte mehr politisch einbringen könnten. Hier zeigten beide Kandidaten ein offenes Ohr und unterstrichen die Wichtigkeit einer guten Kooperation. Zudem gebe es genügend Beispiele, wo Landwirte sich bereits politisch engagieren – man könne dazu nur ermuntern, so Schröder. „Mir ist Transparenz sehr wichtig. Das heißt, mit allen Gruppen das Gespräch zu suchen um zu hören, wo der Schuh drückt“, sagte Nentwig. Das gehe nur, wenn man auch Versammlungen besuche, antwortete er auf die Frage, ob er Sitzungen des Landwirtschaftsverbandes besuchen würde. Man bekam schnell den Eindruck, dass sich beide Kandidaten umfangreich, auch in ihnen fremde Materie, eingearbeitet hatten. Inhaltlich lagen sie beide nah beieinander, gelegentlich wurde ein Schwerpunkt anders gesetzt.

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