Blick in die Geschichte

Eva Cichy berichtet über archäologische Erkenntnisse in Marsberg

Die Archäologin Dr. Eva Cichy referierte im Museum der Stadt Marsberg.

Marsberg. Dr. Eva Cichy, Mittelalterarchäologin der LWL-Außenstelle Olpe, schlug im Museum der Stadt Marsberg vor 80 interessierten Zuhörern einen Bogen zu den archäologischen Erkenntnissen der grabenden Forschung von den dreißiger Jahren bis heute.

In ihrem Vortrag behandelte sie zunächst die Stiftskirche in Obermarsberg. Anhand bisher nicht gezeigter Bilder und Schnittzeichnungen entwickelte sie die Bauphasen der Kirche und zeigte die gemachten Grabungsfunde, darunter Scherben aus der Zeit der Michelsberger Kultur, circa 2200 v. Chr. Die archäologische Suche nach der sächsischen Eresburg gestalte sich weiter schwierig, wobei Untersuchungen in einer Baugrube im Bereich „Auf den Rennen“ immerhin umfangreiche Brand- und Schuttschichten erschlössen, die altersmäßig genau den zeitlichen Rahmen der Eroberung der Burg durch Karl den Großen belegen. Auch die Wüstung „Twesine“ im Industriegebiet „Unter dem Ohmberg“ gebe weiter Rätsel auf. 

Die Grabungen in einem begrenzten Bereich im Jahre 2000 belegten zwar eine beachtliche Siedlung mit vielen Grubenhäusern, Rennöfen zur Kupferverhüttung und bemerkenswert vielen Schmuckperlen – Die Schmelzplätze zu der umfangreichen Verhüttungshalde konnten bis jetzt jedoch noch nicht gefunden werden. In dem weiteren Bereich seien für die Zukunft Bodenradaruntersuchungen geplant, die ohne Bodeneingriffe erfolgen. Hier liege der Schlüssel für das Verständnis der Geschichte Marsbergs, da in diesem Bereich Montanaktivitäten seit dem 6. Jahrhundert nachgewiesen sind, die durch die Kriege Karls des Großen nicht beeinträchtigt worden seien. 

Die Grabung der Wüstung „Dorpede“ östlich Westheim sei abgeschlossen. Sie belege ausgedehnte Siedlungsplätze, welche seit der Völkerwanderungszeit bis ins Hochmittelalter genutzt wurden. Eine Kirchenruine aus dem 12. Jahrhundert wurde bereits im Jahre 2012 freigelegt. Jetzt seien Funde von „Terra Sigilata“, einer hochwertigen Art von Keramik, die während der römischen Kaiserzeit westlich des Rheins produziert wurde, gemacht worden. Diese belegten eine Handelstätigkeit schon zu dieser Zeit, eine völlig neue Erkenntnis für unseren Raum. Die auffällig große Zahl von zum Teil gut erhaltener Brunnen- und Hausgrundmauern belegten auch hier eine rege Siedlungstätigkeit. Da die sehr umfangreiche Zahl der hier gemachten Funde noch nicht ausgewertet werden konnte, sei eine genaue Bewertung und zeitliche Einordnung dieser Grabung noch nicht möglich. Diese werde mit Spannung erwartet. 

Um die sehr bedeutende Historie, die Landschaftsgeschichte und den Kupferbergbau in Marsberg für die Bürger und den Tourismus attraktiv zu erschließen, entsteht zurzeit in Marsberg/Obermarsberg ein beschilderter Themenweg. Dieser wird ausschließlich durch Spenden finanziert. Hierzu werden noch Spenden benötigt. Spender können sich unter folgenden Kontonummern beteiligen: Förderverein Historisches Obermarsberg Sparkasse Paderborn-Detmold IBAN: DE 1547 6501 3000 0500 1094 Volksbank Marsberg IBAN: DE 4740 0692 2666 0076 83200, dine Spendenquittung wird ausgestellt. Auf Wunsch werden die Spender namentlich auf einer Tafel im Museum der Stadt Marsberg genannt.

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