Besondere Erfahrung: Marsbergerin feiert hinduistischen Feiertag

Eine Nacht mit Shiva

Wie fühlt es sich an, als Marsbergerin, die ‘ab und zu mal Yoga macht’, eine Nacht in dem größten Yoga Ashram Deutschlands mit Yoga-Begeisterten aus ganz Deutschland Shivaratri – die Heilige Nacht Shivas zu feiern?

Emily Engels besuchte das Yoga-Vidya in Bad Meinberg und beging dort – eher zufällig – das für die Verehrer des Gottes Shiva wichtigste Fest.

Von Emily Engels

In Horn-Bad Meinberg ist das Zentrum von Yoga-Vidya, dem größten Ashram Deutschlands. Hier kann man nicht nur Yoga-Ferien machen, sondern viele Menschen leben dort und haben ihr Leben ganz der Spiritualität gewidmet. Als ihre Tante sie einlud, mit ihr zur Entspannug ins Ashram zu fahren, konnte Emily Engels aus purer Neugierde nicht „nein“ sagen und dachte sich: „Diese Erfahrung nehm’ ich mit.“ Vor allem, da Yoga Vidya der Ansicht ist, Yoga sei für jeden geeignet. Trotzdem kann es für den in der Regel christlich erzogenen Sauerländer zunächst gewöhnungsbedürftig erscheinen, eine ganze Nacht wach zu bleiben, um für den von Hinduisten verehrten Gott Shiva zu singen und Opfer in Form von Reismilch und Rosenblüten darzubringen. Wodurch man von all seinen Sünden befreit werden soll.

Hört sich in der Theorie vielversprechend an, war in der Praxis leichter gesagt als getan. Nach einer ausgiebigen biologischen veganen Mahlzeit – unter dem Motto „mögen alle Lebewesen Glück und Harmonie erfahren“, gibt es im Ashram streng vegetarische Verkostung –, ging es in den Meditationsraum, in dem bis 4.30 Uhr das Programm zum Shivaratri stattfand. Hierbei wurde vor allem gesungen, was die erste Schwierigkeit mit sich brachte. Sprache aller Mantras ist Sanskrit, laut Sukadev Bretz, Leiter des Zentrums, die „Sprache der Götter“, für viele Besucher jedoch zunächst einmal die Sprache, deren Aussprache sehr schwer ist. Wortwörtliche Übersetzungen gibt es nicht, die Yogis sind jedoch der festen Überzeugung, man könne selbst ohne die genaue Bedeutung der Wörter zu wissen, die positive Kraft der Mantras fühlen. Sukadev Bretz erklärte, dass Mantra singen ähnlich wie Kirchenlieder das Herz öffne, den Geist mit Reinheit erfülle und Harmonie und Liebe in das Leben bringe.

„Trotz der schwierigen Aussprache waren die Melodien der Mantras sehr zugänglich und man wurde von den Menschen, die sie gut kannten, einfach mitgerissen“, erzählt Emily Engels. „Die Mantras wurden die ganze Nacht gesungen und halfen mir auch dabei, wach zu bleiben.“

Jahre lang von dem Erlebnis profitieren

Zwischen den Mantren gab es Opferrituale, bei denen die Besucher eine Shiva Statur aus Rosenquarz mit Reismilch, Rosenblüten und Sandelholz übergossen. Obwohl die Gesten der Rituale ihr zunächst unbekannt waren, nahm auch Emily Engels nach ein paar Mal Zuschauen teil. Am Spannendsten fand sie die Feuerzeremonie. Bei dieser wurde ein Feuer errichtet und die Besucher gossen mit einem kleinen Löffel Öl in die Flamme. „Die Flamme wurde dadurch immer höher und eine total schöne, warme Atmosphäre breitete sich im Raum aus“, berichtete Emily Engels. Als die anfängliche Spannung und Neugierde nach einiger Zeit nachließen, kristallisierten sich die „Hardcore-Yogis“ heraus. Obwohl Sukadev Bretz mehrmals betonte, es würde sich lohnen wach zu bleiben und man werde danach noch Wochen, und vielleicht sogar jahrelang, davon profitieren, fanden die meisten Besucher den Gedanken an ihre Betten doch verlockender. Denn die Besucher müssen nicht nur auf Fleisch verzichten, sondern auch auf den von den Deutschen so geliebten Kaffee.

Auch Emily Engels spielte während der Nacht ein paar Mal mit dem Gedanken, einfach ins Bett zu gehen. „Ich saß acht Stunden fast durchgehend in dem Raum im Schneidersitz. Wenn man das nicht gewohnt ist, kann das nach einiger Zeit ganz schön anstrengend sein“, meint sie.

Die inspirierende Stimmung in dem Raum hielt sie aber letztendlich doch davon ab, schlafen zu gehen. „Wenn ich das nicht durchgezogen hätte, hätte ich das sicher am nächsten Tag bereut“, erklärte sie. Außerdem sei es von dem Zeitpunkt an, wo man den festen Entschluss gefasst habe bis zum Ende zu bleiben, gar nicht mehr schwer gewesen, wach zu bleiben

Wer dann doch durchgehalten hat, wurde nicht nur von einer speziell für den Anlass gebackenen indischen Süßigkeit belohnt, sondern bekam auch noch von Sukadev Bretz mit „heiliger“ Asche einen Punkt auf die Stirn gemalt, der das „dritte Auge“, welches bei den Yogis das „Tor zur Weisheit ist“, öffnen sollte. Und natürlich von Shiva persönlich mit der Vergebung aller Sünden und unendlicher Segnung.

Emily Engels hat es als eine von rund 25 der 100 Teilnehmern geschafft, die Nacht auszuharren. Die Marsbergerin schleppte sich mit letzter Kraft in ihr Zimmer, während die Ashram Bewohner fröhlich ein Glas aufgewirbeltes Kristallwasser tranken, um danach zur Morgenmeditation zu gehen. Unweigerlich kam bei Engels eine gewisse Bewunderung für diese Menschen auf, die ihr Leben ganz dem Göttlichen widmen und trotz aller Verzichte so glücklich und unermüdlich wirken.

Rückblickend fand Emily Engels es eine besondere Erfahrung. „Die Nacht war so ungewöhnlich, dass sie mir jetzt fast wie ein Traum vorkommt“, erzählte die Marsbergerin. „Vor allem in stressigen Alltagssituationen denke ich zurück an die Nacht im Ashram, und komme dadurch zur Ruhe.“

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