Lebendige Dorfgemeinschaft

Erlinghäuser beweisen Potential ihres Ortes beim Aktionstag im Museum

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Die Kinder durften sich am Aktionstag an der Werkbank mit Hammer und Nagel erproben.

Obermarsberg. Viel zu entdecken, aber auch viel auszuprobieren gab es für alle Erlinghäuser und ihre Gäste beim Aktionstag im Rahmen der Ausstellung „Erlinghausen – immer auf der Höhe“ im Museum der Stadt Marsberg.

Die Vereine präsentierten voller Stolz ihre Stationen, Kinder erprobten sich an der Werkbank mit Hammer und Nagel, zwei Filme wurden gezeigt (im direkten Vergleich „früher“ und „heute“), der Büchertisch war dicht umlagert, es wurde gegrillt, der Duft von Waffeln und Kaffee zog durch die Museumsräume und natürlich wurde auch Musik gemacht. Im Wechsel gab es zudem Darbietungen der Jugend-Tanzgarde, des Chors, der Karnevalsgesellschaft und der Kinder des Familienzentrums.

Die Jugend-Tanzgarde sorgte für beste Unterhaltung. 

„Viel Lebensqualität bewahrt“

Eingestimmt hatte am Morgen Museumsleiter Heiner Duppelfeld die Besucher mit einem Vortrag über Erlinghausen. Bei aller Dorfnostalgie und Landlust werde „das Leben auf dem Land mehr geliebt, als gelebt“. Mit dieser Beobachtung ging Duppelfeld auf die diversen Probleme ein, die Dörfer heute haben, bedingt durch die kontinuierliche Landflucht: „Die Dörfer überaltern, bluten aus.“ Es gebe aber auch noch Orte, die sich viel Lebensqualität bewahrt hätten – und dazu zähle Erlinghausen. Hier gebe es, wie die Ausstellung zeige, „eine äußerst lebendige, aktive und auch junge Gemeinschaft von Menschen“, stellte der Museumsleiter fest.

Heiner Duppelfeld stimmte die Besucher mit einem Vortrag über Erlinghausen auf den Aktionstag ein. 

Bevor er darauf einging, welche Vorzüge das Landleben heute genieße, blickte der Historiker zunächst in die Vergangenheit. Ausgehend von der ersten urkundlichen Erwähnung im Jahre 1107, beschrieb er die Prägung des Dorfes durch Landwirtschaft und Handwerk. Körperlich harte Feldarbeit (steinige Böden und Wasserarmut erlaubten nur bescheidene Erträge und es gab wenig Viehzucht), schlecht ausgebaute Wege, mangelnder Wohnkomfort und ein später Anschluss an die städtische Wasser- und Stromversorgung bewiesen, dass das Leben früher alles andere als besser war. Kriege und Hungerzeiten bewirkten, dass der Ort Jahrzehnte lang wüst lag; lange hatten die Bewohner unter der Willkür der Obrigkeiten zu leiden und wenig Rechte. „Von wegen gute, alte Zeit – das beschauliche Dorfleben hat es nie gegeben“, folgerte Duppelfeld.

Erst nach dem Zweiten Weltkrieg stieg die Einwohnerzahl, bedingt auch durch den Zuzug von Flüchtlingen, allmählich an, bis zu den heutigen circa 1000 Menschen. Der Strukturwandel und der Ausbau von Straßen veränderten nun drastisch das Gesicht des Dorfes; auch gesellschaftlich und sozial kamen die traditionellen Strukturen „ins Wanken“, erklärte der Historiker. Heute gibt es nur noch wenige Vollerwerbsbetriebe in Erlinghausen; wie so viele andere Dörfer, ist es zu einem Wohn- und Pendlerort geworden.

Studien zur heutigen Situation des Lebens auf dem Lande zeigten: Dorf ist nicht gleich Dorf.“ Ob ein Ort attraktiv bleibe, hänge zum Teil von der Lage ab. Die Nähe zu Verkehrsanschlüssen und Oberzentren sei wichtig. Geschätzt werden auch die Ruhe, die Natur und die saubere Umwelt – die einen Ausgleich zum oft stressigen Berufsalltag schaffen. Günstiger Wohnraum ist ein weiteres Kriterium. Gemeinschaftsgefühl und Zusammenhalt, wie eine gute Nachbarschaftshilfe tragen weiterhin zum Wohlfühlen bei.

Der Förderverein USE Erlingsen durfte sich über einen Scheck in Höhe von 1000 Euro freuen.

„Es liegt vor allem an den Einwohnern“

Ob ein Dorf eine Überlebenschance habe, so der Museumsleiter, hänge von den Menschen ab: „Es liegt vor allem an den Einwohnern, was aus ihrem Dorf wird.“ Abschließend sprach er einige Punkte an, die darüber hinaus die Zukunftsfähigkeit des Dorfes stärkten: Arbeitsplätze vor Ort, moderner Datenverkehr, Pflegeeinrichtungen vor Ort sowie der Ausbau des Tourismus. „Vom Dorftod kann also zumindest in Erlinghausen keine Rede sein“, schloss Duppelfeld seine Ausführungen.

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