Zeugnisse der Vergangenheit

Erste Bilanz der Geschichts-AG Leitmar: Schon viel Material zusammen gekommen

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Die ersten Fundstücke der Geschichts-AG Leitmar zeigen: Hier wartet eine lohnende Aufgabe.

Leitmar - Jeder Ort hat eine Geschichte – und ist er auch noch so klein. In Leitmar ist die Siedlungshistorie sogar um die 900 Jahre alt. Nun überlegten sich einige Bürger, wie sie etwas über Leben und Alltag der Generationen vor ihnen herausfinden könnten.

Sie gründeten eine Geschichts-AG; das erste Treffen fand im Mai statt. Rund drei Monate nach der ersten Zusammenkunft traf man sich wieder. 

„Ich wollte mal ein bisschen bilanzieren, was so in der Zwischenzeit passiert ist“, erklärte Klara Schröder, eine der Initiatorinnen, neben Jens Scholand und Christoph Geschwinder. 

Ein Ziel hat die Geschichts-AG schon erreicht: In der ehemaligen Sparkassenfiliale verfügen sie über eigene Räumlichkeiten, in denen sie sich treffen und vor allem, wo sie ihre Materialien lagern können. Und da ist schon Einiges zusammengekommen: Alle haben ihre Haushalte durchstöbert, oder Funde aus Haushalten der Eltern, Großeltern oder Schwiegereltern, die aufgelöst wurden – und Unmengen an alten Fotos mitgebracht. Nun beginnt das „große Rätselraten“, wer die ganzen Personen auf den Bildern sind. Dabei können sie sich teilweise gegenseitig helfen, werden aber auch auf die Mitarbeit älterer Leitmarer angewiesen sein. 

Diese werden für sie zu ganz wichtigen Schlüsselfiguren: Denn ihr Wissen ist von Tag zu Tag mehr in Gefahr, verloren zu gehen. Dabei geht es nicht nur darum, herauszufinden, wer welche Person ist, sondern was auf dem Foto dargestellt ist, welche Aktivitäten ausgeübt werden, aber auch alte Gebäude im Hintergrund, die teilweise nicht mehr stehen ober umgebaut wurden. 

Alte Fotos sind aber nicht das Einzige, was gefunden wurde: Klara Schröder brachte alte Dokumente mit (ihr Großvater war Bürgermeister), unter anderem zwei Testamente, eins aus 1874 das andere von 1914, die ein sehr aufschlussreiches Bild auf die Lebenssituation in Leitmar zu jener Zeit werfen. Eine Witwe verfügte zum Beispiel, dass ein Teil ihres Nachlasses für den Bau der Kirche zu stiften sei; unterschrieben hat sie mit drei Kreuzen. Gefunden wurden auch alte Baupläne und Entwürfe von der alten Schützenhalle und einem Spritzenhaus. 

Gemälde von Leitmar aufgetaucht

„Es stellt sich die Frage, wie wir mit so etwas umgehen; wie archivieren wir das?“, fragte Christoph Geschwinder. Die Gruppe kam überein, Originalmaterialien, solange sie nicht von ihnen sicher verwahrt werden können, an ihrem Ursprungsort zu belassen. Mittelfristig soll dafür ein abschließbarer Raum dienen. Regale, um Dinge zu lagern, haben sie bereits gespendet bekommen; aufmerksam wurde der Spender auf die Leitmarer, nachdem der SauerlandKurier erstmals über ihre Geschichts-Initiative berichtete. 

„Wir haben zum Thema Schule eine Menge Material“, freute sich Schröder und zeigt Fotos mehrerer Abschlussjahrgänge herum. Besondere Aufmerksamkeit erregte ein altes Foto von Schülern und Lehrern von 1905. Sie hat aber auch alte Papiere gefunden, wie ein Schreiben des Schulamts, in dem es um eine Fortbildung für den Leitmarer Lehrer ging, einen Kostenvoranschlag für Arbeiten am Schulgebäude und – besonders wertvoll – eine alte Schulchronik, beginnend im Jahr 1825. Dort hatten manche Lehrer auch Ereignisse vermerkt, die das gesamte Dorf betrafen. „Dies ist ein Schatz“, zeigte sich Schröder überzeugt. 

Ein altes Gemälde des Marsberger Malers Josef Mühlenbein ist aufgetaucht, mit einer Ansicht Leitmars von 1918 – auch das ist ein weiterer Mosaikstein im Puzzle der Leitmarer Geschichte. Jemand anderes hat ein altes Poesiealbum gefunden. Alte Handwerkerrechnungen verraten viel über die Vergangenheit. Auch Gegenstände, wie ein altes, aus filigranen Spitzen gefertigtes Taufkleid, alte Kommunionkreuze, ein alter Fotoapparat oder ein Telefonzellen-Schild sind für die Geschichts-AG wichtige Zeugnisse der Vergangenheit. Alte Bilder und Fotos, Dokumente, Chroniken und historische Aufsätze, in denen Leitmar erwähnt wird, beginnen sich zu vernetzen: So lassen sich Ereignisse belegen, erklären und veranschaulichen und spannende Geschichten und Anekdoten treten zutage. Wem war schon bekannt, dass Leitmar sogar seinen eigenen Ehrenbürger hatte: Pater Meinolf. Enthusiastisch stellt sich die Gruppe neue Arbeitsaufträge: Als erstes soll der Sparkassenraum eine Grundreinigung erfahren, dann soll das Regal aufgebaut werden. 

Schließlich will man ältere Leitmarer befragen – eine vorrangige Aufgabe, solange Erinnerungen präsent sind. Zudem sollen alte Fotos abfotografiert und digitalisiert werden, die Originalfotos sollen sicher und ordentlich verwahrt werden. Handschriftliche Urkunden will man zudem transkribieren oder zusammenfassen, keine leichte Aufgabe bei der alten Schrift.

Nächstes Treffen 

Die nächste Zusammenkunft ist für Mittwoch, 2. Oktober, um 19 Uhr im Raum der ehemaligen Sparkasse geplant. Die AG freut sich über weitere Mitstreiter, auch wer etwas Interessantes beisteuern kann, ist willkommen.

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