Zugvögel leiden unter dem langen Winter

Extrem schwierig

Allerorts wird geklagt über den langen Winter und den Frühling, der nicht kommen will. Dabei geht es jedoch nur um subjektive Befindlichkeiten. Anders ist das bei den Tieren, die der Kälte und dem Schnee unmittelbar ausgesetzt sind.

Besonders für die Zugvögel, die auf diese Verhältnisse gar nicht eingestellt sind, bedeutet dies eine existentielle Bedrohung. Der Kurier hat bei einem heimischen Vogelschützer nachgefragt, wie die Tiere mit der Situation zurechtkommen.

Von Kristin Sens

„Das ist eine sehr berechtigte Frage“, sagt Wilfried Limpinsel von der Greifvogelstation in Essentho. „Es gibt immer mal lange Winter, aber so extrem wie dieses Jahr ist es selten.“ Wenn hier noch Schnee und Eis sind, weichen die Vögel schon mal ins Münsterland oder ins Rheinland aus, wo sie dann freie Flächen finden, erklärt der Vogelschützer. Dieses Jahr hat aber auch dort noch der Winter alles fest im Griff.

Das Problem sei dabei nicht so sehr die Kälte, sondern der Frost und der Schnee. Die meisten Zugvögel seien Weichfutterfresser, die bei den gefrorenen Böden nicht an ihre Nahrung – Würmer und Insekten – kommen.

Einige Schnepfen, so hat Limpinsel gehört, sollen zurück über die Alpen in den Süden geflogen sein. Sorgen machen ihm auch die Kraniche. Diese großen, schweren Vögel brauchen Südwestwind, um ziehen zu können. Anders als Gänse nutzen sie den Auftrieb für Gleitflüge. Fehlt der Rückenwind, setzen die Vögel zur Landung an, bis die Windverhältnisse günstiger sind.

Ungewöhnlich viele Notfälle haben Limpinsels zurzeit aber nicht auf der Station zu versorgen. Wilfried Limpinsel beunruhigt das allerdings eher: „Es ist nicht so, dass die Vögel uns weniger brauchen. Die Umweltbedingungen haben sich ja weiter verschlechtert.“ Vielmehr vermutet er, dass die Bestände drastisch zurückgegangen sind.

Den Singvögeln kann man sehr gut mit der herkömmlichen Winterfütterung vor der Haustür, im Garten oder auf dem Balkon helfen. „Dabei ist es aber unbedingt erforderlich, dass man durchfüttert. Die kleinen Vögel haben einen derart hohen Stoffwechsel, dass sie keinen Tag auf Nahrung verzichten können“, erklärt der Vogelschützer. Wenn es dann endlich warm wird, solle man die Fütterung langsam absetzen.

Schwieriger ist das bei den Großvögeln. Die müssen sich irgendwie selbst helfen. Dem Argument, die Fütterung verwöhne die Tiere unnötig und verhindere die natürliche Selektion, kann Limpinsel nur bedingt zustimmen: „Man muss heute helfen, weil viele neue, vom Menschen gemachte, Gefahrenbereiche dazu gekommen sind.“ Außerdem sind viele Arten schon in ihrem Bestand bedroht.

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