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Beim Festhochamt zum Jubiläumsjahr: Propst äußert sich zu Missbrauchsskandal

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Von: Kristin Sens

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Obermarsberg Jubiläumsjahr Festhochamt
Mit dem Segen vieler Geistlicher wurde das Jubiläumsjahr in Obermarsberg feierlich eingeläutet. © Kristin Sens

Mit einem Pontifikalamt, gefolgt von einem – coronabedingt – verkürzten Festakt wurde in Obermarsberg das Jubiläumsjahr eingeleitet.

Obermarsberg – Feierlich war es dennoch, dank des großen Lichterglanzes in der Stiftskirche – auch die beiden Weihnachtsbäume brannten noch – und dem großen Aufgebot an geistlichen Würdenträgern. Besonderer Gast war Abt Aloysius Althaus von der Benediktinerabtei Königsmünster in Meschede.

Genau genommen begannen die Feierlichkeiten bereits eine Stunde vor dem Festhochamt, mit einem imposanten Glockengeläut sämtlicher Glocken in Marsberg und allen Stadtteilen, angeführt von der neuen Glocke in der Nikolaikirche. Das Jubiläumsjahr wurde also wortwörtlich feierlich „eingeläutet“.

Den Opfern beizustehen, wirkliche Verantwortung zu übernehmen und die Prävention weiterhin zu stärken, muss oberste Priorität haben.

Propst Meinolf Kemper zum Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche

In dem Wort Jubiläum steckt das Wort Jubel. Nach der Begrüßung der Gäste stimmte Propst Meinolf Kemper jedoch sogleich nachdenkliche Töne an: „Nicht nur ich habe mich in der letzten Zeit gefragt: Können, sollen wir überhaupt feiern?“ Damit spielte er nicht nur auf die Pandemie an, sondern auch auf den Skandal, welcher derzeit das alles bestimmende Thema in der katholischen Kirche ist. Der sexuelle Missbrauch macht ihn „fassungslos“, so Kemper. Er könne die „Riesenenttäuschung“ vieler Menschen nicht nur nachvollziehen, sondern teile sie auch. „Den Opfern beizustehen, wirkliche Verantwortung zu übernehmen und die Prävention weiterhin zu stärken, muss oberste Priorität haben“, sagte der Geistliche mit Nachdruck. Neben der dunklen, „beschämenden“ Seite gebe es aber auch eine helle Seite der Kirche, ihr soziales und caritatives Engagement. Dies müsse man „umso mehr zum Leuchten bringen“. Damit sich die katholische Kirche erneuern könne, brauche man Gottes Hilfe.

Abt Aloysius Althaus sprach von Obermarsberg als einem Ort, der ins ganze Diemeltal hinein ausstrahle. Er zog das Matthäus-Gleichnis vom „auf Fels gebauten Haus“ heran, welches man gut auf die hiesige Stätte und ihre Gemeinde übertragen könne, deren starker und kirchentreuer Glaube ebenfalls „nicht auf Sand gebaut“ sei. Glaubensgewissheit ist das Fundament eines Zusammengehörigkeitsgefühls und somit Grundlage einer „Kultur der Mitmenschlichkeit“, eines ökumenischen und sogar interreligiösen Miteinanders. „Das ‚Wir‘ im Alltag sollte trotz aller Schwierigkeiten in der kirchlichen Situation nicht verworfen werden“, betonte der Abt. An die Gemeinde gerichtet, mahnte er: „Achten Sie darauf, dass ihre schönen Gotteshäuser nicht zu Museen werden, sondern Orte des Gebets bleiben.“ Denn eine „menschenfreundliche Landschaft der Zukunft“ könne nur eine sein, „in der Gott seinen Platz hat“.

Abt Althaus Jubiläumsjahr Obermarsberg
Abt Aloysius Althaus bescheinigte den Obermarsbergern, „nicht auf Sand gebaut“ zu haben. © Kristin Sens

Pfarrer Markus Pape gestand „ein leichtes Unbehagen“ ein, beim Hören des massiven Geläutes. Er habe sich gefragt: „Könnte es zu machtvoll klingen, feiert die Kirche zu sehr sich selbst?“ Macht habe die Kirche immer auf „schreckliche Abwege“ geführt. Auch Karl dem Großen sei es seinerzeit weniger um Seelenheil als um stabile Machtverhältnisse gegangen. „Je ohnmächtiger Kirche und Gemeinde waren, desto fester waren sie im Glauben“, erinnerte der Pfarrer an die Anfänge des christlichen Glaubens. „Wie wäre es, ganz bewusst ohnmächtig zu sein?“, schlug er vor. Wer die Kraft des Glaubens habe, brauche nicht „die Rüstung der Macht“.

Dieses Ereignis war prägend für Marsberg

Vor 1250 Jahren eroberte Karl der Große die Eresburg und zerstörte das Heiligtum der Sachsen, die Irminsul. Dieses Ereignis markiert den Beginn der Christianisierung und der Entwicklung eines städtischen Gemeinwesens und ist bis heute prägend geblieben für Marsberg und weit darüber hinaus. Darauf ging auch Bürgermeister Thomas Schröder in seinem Grußwort ein und folgerte: „Und so kommt es auch, dass das Jahr 772 nicht nur für Obermarsberg, sondern für unser gesamtes Stadtgebiet, von besonderer Bedeutung ist und deshalb auch gebührend, gemeinsam gefeiert werden soll.“ Mit der Entwicklung Marsbergs wäre, so nahm Schröder an, „sehr zufrieden“ gewesen.

Vielzahl an Veranstaltungen

Klaus Rosenkranz, Vorsitzender des Jubiläumsnetzwerkes, berichtete von der Arbeit des Gremiums, beginnend mit einem Workshop aller Obermarsberger Vereine im Oktober 2018, dem Logo-Wettbewerb und der Beteiligung weiterer Einrichtungen und Institutionen Marsbergs. Dabei seien mehr Ideen entwickelt worden, als die letztendlich ausgewählten Programmpunkte. „Vielleicht kann man etwas davon mal bei einer anderen Gelegenheit umsetzen“, so seine Hoffnung. Corona habe so manche Planung über den Haufen geworfen und keiner habe geahnt, dass es auch noch zwei Jahre später alles bestimmen werde, „aber man muss das Beste aus der Situation machen“, so Rosenkranz. Er zeigte sich zuversichtlich, dass man sich am Ende des Jahres wieder zu einem Dankgottesdienst treffen werde, „weil das meiste stattfinden konnte, so wie wir’s uns erhofft hatten“.

Vom Todestag Karls des Großen am 28. Januar bis zum Todestag des heiligen Sturmius am 17. Dezember sind eine Vielzahl von Veranstaltungen geplant. Das erste große Highlight wird am ersten Aprilwochenende ein Musical sein mit dem Titel „Magic Moments aM Mons Martis“...oder auch „eintausendzweihundertundfufzig Jahre auf’m Berg druff und drummerum“. In diesem humoristischen Singspiel erzählen zwei fiktive Oberstädter die Geschichte Obermarsbergs von den ersten schriftlichen Erwähnungen bis heute aus ihren – manchmal etwas eigenen – Perspektiven. Während der Zeitreise werden etliche namhafte historische Gestalten auftreten.

Weitere Programmpunkte sind Eresburglauf, Grenzbegang, Tag der Landwirtschaft, Prozession, Lange Tafel, Historischer Markt, Kabarett und eine historische Tagung. Die Ausstellung zu Karl dem Großen musste, pandemiebedingt, ebenfalls zeitlich begrenzt werden und soll erst am 19. August öffnen.

Musikalisch wurde das Festamt mitgestaltet durch Kantor Marcel Eliasch an der Orgel und die Schola aus Paderborn unter Leitung von Joachim Hengstermann. Zwischen den einzelnen Grußworten füllten Musiker des Spielmannszugs der Freiwilligen Feuerwehr Obermarsberg die Pausen.

Jubiläumsprogramm

Das Jubiläumsprogramm gibt es als Mini-Booklet, im Internet unter www.obermarsberg.com oder kann mittels QR-Code gelesen werden.

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