Leader-Region Hochsauerland läutet nächste Runde ein

„Füllhorn an guten Ideen“

Die Auszubildenden Daniel Becker und Benedikt Mund, Jens Steinhoff als Moderator und Werner Hellwig, Kolping Bildungswerk, sprachen über ein Olsberger Leader-Projekt.

„In Meerhof brennt jetzt Licht“, verkündete stolz Stefan Niewels, der Zweite Vorsitzende des Vereins Klassengeist, als er zum Erfolg des Leader-Projekts zur Umnutzung der alten Schule befragt wurde.

Für Meerhof ist das ein Signal: „Unser Dorf lebt“. In der gesamten Region setzten sich in den vergangenen sechs Jahren Menschen dafür ein, ihre Dörfer, ihre Kommunen aufzuwerten. Am Mittwoch fand die Auftaktveranstaltung zur erneuten Bewerbung als Leader-Region Hochsauerland im Kloster Bredelar statt.

Auch vor sieben Jahren war das Kloster Bredelar der Gastgeber der Auftaktveranstaltung gewesen – mit gutem Grund, so Marsbergs Bürgermeister Klaus Hülsenbeck bei der Begrüßung, schließlich sei es eines der Leuchtturmprojekte von Leader. Gemeinsam – und mitverantwortlich für ihren Erfolg – sei allen Projekten, dass sie von der Basis ausgegangen und genau auf die Region abgestimmt seien, so der Bürgermeister weiter. „Sie haben eine hohe Akzeptanz innerhalb –

70 Projekte wurden zwischen 2007 und 2013 umgesetzt und zirka 1,6 Millionen Euro an Fördergeldern ausgezahlt. „Das entspricht, zusammen mit der Kofinanzierung, einer Wertschöpfung von rund 3,2 Millionen Euro für die Region“, so Heinrich Nolte, der frühere Vorsitzende des Leader-Regionalvereins und jetzige Geschäftsführer. „Wir haben die Fördergelder bis auf den letzten Cent ausgeschöpft und sogar noch einen ,Nachschlag’ von rund 80.000 Euro erhalten“, verkündete der neue Vorsitzende der Leader-Region Hochsauerland Thomas Grosche. „Wenn es noch so viele gute Ideen gibt, dann sollte man weitermachen“, begründete er die Bewerbung für die neue Leader-Periode 2014 bis 2020.

Mit kleinen Mitteln Großes bewegen

Jens Steinhoff vom Institut für Regionalmanagement Werl, welches die abgelaufene Leader-Periode evaluiert hatte, sprach von einem „Füllhorn an guten Vorschlägen, Ideen und Erfahrungen“, die es gelte weiterzubringen. Auf den ersten Blick, so Nolte, wären 3,2 Millionen Euro nicht viel Geld – aber es hätte sich gezeigt, dass man mit kleinen Mitteln Großes bewegen oder anstoßen könne. Als „Musterbeispiel“ nannte er das überbetriebliche Ausbildungszentrum für metallverarbeitende Berufe in Olsberg, welches das Kolpingbildungswerk mit hochwertigen Geräten und Maschinen ausgestattet hatte. Neben dem Geschäftsführer des Kolpingwerks waren zwei Auszubildende eingeladen, über ihre Erfahrungen zu sprechen. Beide zeigten sich begeistert von der Chance, jenseits vom betrieblichen Trubel und unabhängig von den Schwerpunkten ihres Ausbildungsbetriebes verschiedene Arbeitstechniken erlernen zu können. „Hier können wir alles von A bis Z durchgehen, was wir in der Berufsschule gelernt haben“, erklärte Daniel Becker. „Wir merken, dass wir dadurch Vorteile haben gegenüber den anderen Auszubildenden“, sagte Benedikt Mund. „Wir sind nachher vielseitig einsetzbar“, bemerkte Becker – und empfahl sich direkt den vielleicht anwesenden potenziellen Arbeitgebern. Gute Voraussetzungen jedenfalls, dass die beiden nach der Ausbildung einen Arbeitsplatz in der Region finden werden.

Als weitere Beispiele nannte Nolte die vielen Bürgerhilfevereine sowie weitere kommunale und interkommunale Netzwerke, die entstanden seien und welche das Zusammenwachsen der Region förderten. Viele dieser Prozesse gelte es nun, zu verstetigen, damit die Lebensqualität in der Region weiter gestärkt wird. Die Struktur des Regionalvereins, mit seinen Arbeitskreisen und dem 16 Personen umfassenden Vorstand, so Nolte, habe sich bewährt und soll beibehalten werden. Inhaltlich will man aber mehr in die Beratung und Unterstützung der häufig ehrenamtlichen Projektentwickler investieren, denn es habe sich gezeigt, dass mehr als die Hälfte der Projekte in privater Trägerschaft liegen. Das Thema „Ehrenamt schafft Lebensqualität im Dorf“ wird jedenfalls weit vorne auf der Agenda der neuen Leader-Bewerbung stehen. Weitere Schwerpunkte werden sein: Gesundheit, Kultur und Soziales, Fachkräftesicherung sowie die Energieversorgung.

Konkurrenz ungleich größer geworden

Zur Leader-Region Hochsauerland gehören die sechs Kommunen Brilon, Hallenberg, Marsberg, Medebach, Olsberg und Winterberg. Dies ist die dritte Bewerbung (in der ersten Runde waren nur Medebach und Hallenberg dabei). Insgesamt gehen in Nordrhein-Westfalen dreißig Leader-Verbünde ins Rennen, die Konkurrenz ist also ungleich größer geworden. In der vorigen Periode waren es nur zwölf.

Sollte die Leader-Region Hochsauerland den Zuschlag bekommen, kann sie mit rund 2,7 Millionen Euro an Fördergeldern rechnen. Bis Ende des Jahres muss das Regionalentwicklungskonzept eingereicht sein. Ab September finden zur Vorbereitung öffentliche Veranstaltungen zu unterschiedlichen Themenschwerpunkten sowie ein Gesamtworkshop statt, wo die Ergebnisse und Inhalte zusammengeführt werden. Mit einer Entscheidung des Landes ist im Laufe des Frühjahrs zu rechnen.

2.September, 18.30 Uhr, Rathaus Medebach: Arbeitskreis Bildung, Kultur, Soziales; 9.September, 18.30 Uhr, Kump Hallenberg: Arbeitskreis Dorfentwicklung, Land- und Forstwirtschaft, Naturschutz; 23. September, 18.30 Uhr, Tommys Restaurant Brilon: Arbeitskreis Tourismus, Wirtschaft, Verkehr, Energie; 22. Oktober, 18.30 Uhr, Rathaus Winterberg: Gesamtworkshop mit Vorstellung des Strategieentwurfs und Diskussion an Themenstationen; 1. Dezember, 19 Uhr, Konzerthalle Olsberg: Abschluss-Präsentation der neuen Bewerbung mit allen Akteuren der Leader-Region; Januar: Abgabe der Bewerbung beim Land. Info: www.leader-hochsauerland.de (Von Kristin Sens, marsberg@sauerlandkurier.de)

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