55 Tage von Nord nach Süd durch Deutschland

„Für eine gerechte Welt“: Friedenswanderung führt auch durch das Sauerland

Marsberg Friedenswanderung Naturfreunde
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Beim Empfang vor dem Marsberger Rathaus: (v.l.) Bürgermeister Thomas Schröder, Wolfgang Weil von den NaturFreunden Deutschlands und Ortsbürgermeisterin Sandra Pohlmeyer.

Wandern in der schönen Natur und Politik – das ist nichts, was man auf Anhieb miteinander verbinden würde. Und dennoch sind Naturfreunde aus ganz Deutschland gerade unterwegs, um einem wichtigen politischen Ziel Aufmerksamkeit zu verleihen: Dem Frieden.

Marsberg/Hochsauerand – In 55 Tagen wandern sie von Nord nach Süd durch Deutschland, ganz in der Tradition der berühmten Ostermärsche. Ihr Motto: „Frieden in Bewegung“. Am Donnerstag erreichten sie Marsberg und übergaben Bürgermeister Thomas Schröder eine Resolution.

Frieden ist keine Selbstverständlichkeit.

Initiatoren

„Frieden sichern!“ und „Abrüsten statt Aufrüsten!“ – so lauten ihre Kernthesen. Konkret fordern sie eine neue Entspannungspolitik, ein Verbot aller Atomwaffen, ein Verbot von Rüstungsexporten und globale Abrüstung. „Gemeinsam wollen wir mithelfen, damit auf allen politischen Ebenen Schritte für eine gerechte und friedliche Welt möglich sind“ – denn „Frieden ist keine Selbstverständlichkeit“, begründen die Naturschützer ihre Initiative.

Die Ostermärsche sind in den letzten Jahren etwas in den Hintergrund gerückt – aber die Initiatoren von „Frieden in Bewegung“, sehen die Welt aktuell an einer „entscheidenden Weggabelung“: Der Nationalismus ist überall auf der Erde am erstarken, die Spannungen zwischen den Großmächten nehmen zu und in Deutschland wird dem Wehretat ein größerer Stellenwert eingeräumt – auf Kosten anderer staatlicher Aufgaben, wie zum Beispiel der sozialen Sicherheit und dem Klimaschutz.

„Frieden in Bewegung“: Naturfreunde aus ganz Deutschland machten am Donnerstag in Marsberg Halt.

Was Politik und Natur zusammenbringt, erläuterte Wolfgang Weil von den NaturFreunden Deutschlands und NRW-Koordinator von „Frieden in Bewegung“: „Naturfreunde sind mit der Natur verbunden und beim Wandern erlebt man gleichzeitig Abstand und Nähe und gewinnt neue Einsichten.“ Als Beispiel nannte er die Wüstung Blankenrode: Hier sei nichts anderes passiert, als das was heute in Syrien oder dem Jemen passiere. Der Bürgermeister sprach den aktuellen Konflikt im Nahen Osten an, worauf Weil erklärte: „Wenn einem vom Nachbarn der Zaun eingerissen wird, ist es im Prinzip das Gleiche: Wir werden provoziert. Aber warum gehen wir eher den Schritt zum Krieg – als zum Frieden? Das sollte uns zu denken geben, denn jeder hat die Freiheit, zu wählen, welchen Schritt er geht.“

„Wir sind breit aufgestellt. Manche interessieren sich für die Natur, andere von uns für Politik und wieder andere für Kultur“, sagte Weil. So gab es während der einzelnen Etappen die verschiedensten Angebote, vom Konzert über den historischen Vortrag bis zum kreativen Gestalten oder dem Moment innerer Einkehr.

Ziel ist Konstanz am Bodensee

Ursprünglich war die Aktion bereits für 2020 geplant, wurde wegen der Pandemie verschoben und wird jetzt, in leicht abgespeckter Form und mit vielen Herausforderungen verbunden, Corona zum Trotz, durchgeführt. So haben nur die Organisatoren die Möglichkeit, zwischendurch zu übernachten. Die anderen Teilnehmer müssen für jede Tagesetappe die sie mitwandern, ihre An- und Abreise organisieren. Dennoch haben sich im Schnitt zwischen acht und dreißig Wanderer pro Etappe zusammengefunden. Einer, der vom ersten Tag an dabei ist, ist Hanno Gröh vom Verein „Ohne Rüstung leben“. Er musste improvisieren, hat mal im Zelt, mal im Auto oder bei einem Mitwanderer geschlafen. Für ihn waren die Begegnungen mit den anderen Teilnehmern eine Bereicherung: „Durch ihre Ortskenntnisse habe ich viel erfahren und Erlebnisse mit ihnen geteilt.“

Anstatt, wie zunächst geplant, Ende April in Hamburg, startete die Wanderung am 12. Mai in Hannover und hat nun, nach Stationen in Hameln, Lemgo und Willebadessen, das Sauerland erreicht. Über Essentho wanderten die Teilnehmer nach Niedermarsberg zum Rathaus. Nach dem Empfang durch den Bürgermeister war eigentlich ein Besuch des Stadtmuseums in Obermarsberg geplant, musste aber wegen der Auflagen ausfallen. So wanderten die Friedens-Bewegten am Freitag weiter nach Adorf und Schweinsbühl. Am heutigen Samstag werden sie Usseln erreichen, wo neue Teilnehmer dazu stoßen können.

Wie geht es weiter?

Vom Usselner Bahnhof wandern die Friedenswanderer weiter Richtung Winterberg, wo sie am Samstagabend um 18 Uhr vom Bürgermeister empfangen werden. Über den Kahlen Asten und die Höhen des Sauerlands geht es weiter Richtung Bad Berleburg. Wanderer, welche einzelne Etappen spontan begleiten wollen, sind immer willkommen. Der genaue Verlauf ist unter www.frieden-in-bewegung.de zu finden. Das finale Ziel der Friedenswanderung ist Konstanz am Bodensee, das man am 4. Juli erreichen will.

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