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„Gemeinsam Lösungen finden“: MdB Dirk Wiese sucht das Gespräch mit Bauern aus der Region

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Von: Kristin Sens

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Zu einem Gespräch über die aktuelle Situation in der Landwirtschaft besuchte MdB Dirk Wiese den Hof von Hartmut Schröder (2. und 4. v.l.) in Erlinghausen, nachdem dieser mit einem Leserbrief auf die Missstände aufmerksam gemacht hatte. © Kristin Sens

Erlinghausen/Hochsauerland – In der Landwirtschaft gärt es – und das nicht nur in der Silage oder der Biogasanlage: Treckerdemos, Debatten, Offene Briefe an die Politiker. Und diese fangen an, die Proteste ernst zu nehmen – siehe Gipfel im Kanzleramt. Nun war MdB Dirk Wiese zu einem Gespräch mit Bauern aus der Region Hochsauerland/Waldeck auf dem Hof von Hartmut Schröder in Erlinghausen eingeladen.

Auslöser für Wieses Besuch war der im SauerlandKurier veröffentlichte Leserbrief von Hartmut Schröder. In einem offenen Brief an den früheren Umwelt- und Landwirtschaftsminister Johannes Remmel fragte der Landwirt Anfang Dezember: „Kann ich meinem Sohn Elias, der jetzt sieben Jahre alt ist und gerne Bauer werden möchte, es überhaupt zumuten, diesen Beruf in der momentanen Situation zu ergreifen? Oder anders gefragt: Was wollen Sie dafür tun, dass ich meinem Sohn dazu raten kann? Bei dieser sehr existentiellen Frage geht es nicht alleine ums Geld, sondern um unsere Zukunft, um unsere Berufung, um das, was Generationen vor mir mit ganz vielen Entbehrungen aufgebaut haben.“ 

Ihre Sorgen und Nöte haben sie in einem Grundlagenpapier zusammengefasst. Die Düngemittelverordnung mag der Auslöser der aktuellen Proteste gewesen sein, aber was die Landwirte umtreibt, geht darüber hinaus: Es ist der Dokumentationswahn, der sie überfordert, es sind Verordnungen, die pauschal erlassen werden, ohne auf regionale Besonderheiten Rücksicht zu nehmen, ohne Transparenz und ohne sie mit ins Boot zu holen – und es ist die Geschwindigkeit, mit der diese Verordnungen durch neue ersetzt werden. Es sind grundlegende Probleme – und sie tangieren nicht nur einzelne Sparten der Landwirtschaft. Die zehn Landwirte, die Wiese zum Gespräch geladen hatten, haben entweder auf Schweinemast, Ackerbau oder Milchviehhaltung spezialisierte Betriebe. Die meisten von ihnen haben einmal klein angefangen: Sein Vater habe 1966 mit drei Kühen ausgesiedelt, erzählte Hartmut Schröder. Immer wieder wurde der Betrieb erweitert, wurde investiert. Aktuell hat er rund 150 Kühe aufgestallt. 

„Die Düngemittelverordnung kommt.“

Dirk Wiese hatte sich an diesem Tag viel Zeit für den Termin genommen. Nach einem Rundgang durch die Stallungen setzten sich die Landwirte mit ihm an den Tisch. Der Politiker sprach alle Probleme, welche die Landwirte in ihrem Grundlagenpapier thematisiert hatten – vom Milchpreis über die Nitratmessungen bis hin zum Mercosur-Handelsabkommen mit Südamerika – an, fragte nach, wo ihm Kenntnisse fehlten und redete Klartext: „Die Düngemittelverordnung kommt.“ Das habe die Kanzlerin nach dem Gipfel klar zu verstehen gegeben. Bei aller Kritik an den Messstellenergebnissen, so sei die Tendenz jedoch eindeutig: In Deutschland ist die Nitratbelastung im Allgemeinen immer noch zu hoch. Im Einzelnen, so zum Beispiel im Roten Land, sei es aber möglich, nochmal genauer hinzuschauen. Viel verspricht sich Wiese von der Binnendifferenzierung. Diese habe in Niedersachsen dazu geführt, dass die Fläche der Roten Gebietskörper sich von 60 Prozent auf circa 39 Prozent reduziert habe. Landwirtschaftsministerin Ursula Heinen-Esser wolle in NRW davon ebenfalls Gebrauch machen. 

Aus der Kritik, dass viele der neuen Vorschriften aufgrund der starken Hanglagen in der Region nicht umsetzbar oder sogar kontraproduktiv seien, entwickelten die Gesprächspartner den Vorschlag, einige der Experten, welche solche Verordnungen verantworteten, einzuladen. Auch die Verbraucher müssten besser aufgeklärt werden. 

„Wir werden nicht durch ein Gespräch alle Probleme lösen können, aber ich suche die Kooperation, um gemeinsam Lösungen zu finden“, versprach Wiese. Konkret regte er an, dass die Landwirte ihre Kritikpunkte an den Messergebnissen vor Ort im Detail erläuterten und auflisteten. Er wolle die Ministerin anschreiben und um eine erneute Prüfung bitten. Auch die Bürokratie betreffend regte Wiese an, die Landwirte sollten Beispiele benennen, wo diese besonders widersinnig sei. „Wir sind doch ein ganzes Stück weiter gekommen“, äußerte sich Hartmut Schröder abschließend zufrieden.

Weitere Denkanstöße zu diesem Thema bietet auch ein Schweizer Positionspapier. 

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