Dorfarchiv und Heimatstübchen

Geschichts-AG will Leitmars Historie bewahren – Mitstreiter willkommen

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Der Anfang ist gemacht: Ein kleiner Kreis historisch Interessierter folgte der Einladung von Christoph Geschwinder (2.v.l.), Jens Scholand (4.v.l.) und Klara Schröder (5.v.l.) und will die Geschichte Leitmars erforschen und ihr Gedächtnis bewahren.

Leitmar. Schwarz-weiß-Fotografien und vergilbte Dokumente gehen von Hand zu Hand: Eine neu gegründete Geschichts-AG will Historisches aus Leitmar vor dem Vergessen bewahren. Sechs Bürger folgten dem Aufruf von Klara Schröder, Jens Scholand und Christoph Geschwinder, um bei einem ersten Treffen Themen, Aktivitäten und Ziele zu besprechen.

„Ich habe zu Hause alte Wählerlisten gefunden aus den 20er-Jahren, als mein Großvater Bürgermeister war und auch noch andere Materialien“, eröffnete Klara Schröder den Abend. Vom Historiker Hans Dieter Tönsmeyer, der einen Beitrag über die Historie Leitmars verfasst hat, habe sie zudem weitere Dokumente erhalten.

„Was fange ich damit an, was ist, wenn ich einmal nicht mehr bin?“, habe sie sich gefragt. Ihr ist es wichtig, ebenso den beiden anderen historisch interessierten Initiatoren, dass sie die Dinge, die sie aus dem und über das Dorf haben, erhalten können.

„Mein Wunsch wäre ein eigenes Dorfarchiv, vielleicht sogar eine Heimatstube oder gar ein kleines Museum mit alten Sachen“, so Schröder. Hilfreich wäre auch, eine Bibliothek einzurichten, mit allen Publikationen, in denen Leitmar Erwähnung findet.

Dafür braucht man natürlich einen Raum: Bereits am ersten Abend wurden diverse Möglichkeiten diskutiert und auch schon überlegt, wo man die Einrichtung herbekommen könne.

Beim Studium der Wählerlisten hat Schröder festgestellt, dass darunter kaum heute noch bekannte, typische Leitmarer Namen waren: „Familiennamen verschwinden oft innerhalb von zwei Generationen – aber als Hausnamen bleiben sie zum Teil erhalten.“

Hausnamen erforschen

Das Thema Hausnamen stieß bei den anderen Teilnehmern auf ebenso großes Interesse. Sogleich wurden Fotos ausgetauscht – alle hatten schon einiges an Material mitgebracht – und Namen und Örtlichkeiten diskutiert.

Als ein weiteres Thema, mit dem man sich beschäftigen solle, wurden die Flüchtlinge genannt, die in Leitmar nach dem Zweiten Weltkrieg eine neue Heimat fanden. Kamen sie freiwillig oder wurden sie zugewiesen, wie wurden sie von den Einheimischen aufgenommen und wie kam es zu einer eigenen Siedlung? Das waren einige der Fragen, die spontan aufkamen.

Dazu –und zu anderen Themen – wäre es wichtig, ältere Leitmarer zu befragen. Schnell wurde klar, dass dies eine besondere Dringlichkeit hat und vorrangig angegangen werden sollte, denn mit dem Ableben jeder Person, gehe ein Hort an Wissen verloren.

Andere Bereiche, denen man sich widmen wollte, waren Kultur und Feste in Leitmar, Hausarbeit, Gärten, Handwerk und Gastronomie.

Dabei will man nicht nur Dokumente und Fotos sichten, sondern auch alte Gerätschaften und Ähnliches sammeln. „Auch die Baukultur ist spannend“, schlug Christoph Geschwinder vor und ergänzte: „Leitmar liegt so zwischen den Welten. Es ist nicht mehr richtig Sauerland, aber auch nicht Waldeck.“

Schließlich kam die Frage auf, welchen zeitlichen Rahmen man sich stecken wolle: „Ist die Kirche alt genug“, wurde zum Beispiel gefragt – und beschlossen, dass die jüngere Geschichte ebenso wichtig ist. Anhand von Fotos mit Uniformierten und Hakenkreuzfahnen wurde auch diskutiert, ob man die Zeit des Nationalsozialismus ausklammern solle. Ein heikles Thema, über das man wenig wisse, stellte man fest.

Leitmar blickt auf 900 Jahre Geschichte

Zuletzt überwog die Meinung, dass nach über 70 Jahren eine Aufarbeitung möglich sein solle. Es seien auch Zeitzeugnisse und man dürfe nicht willkürlich Zeiten abspalten und weglassen.

Besprochen wurde zudem, ob man der neuen Erkenntnis, dass Leitmar im nächsten Jahr 900 Jahre alt ist, Rechnung tragen soll. „Ich finde, wir sollten uns dadurch nicht unter Druck setzen lassen“, sagte Schröder.

Geschwinder schlug vor, dass man die 900 Jahre mit 900 kleinen Aktionen, verteilt über das Jahr, thematisieren könne. Eine große Jubiläumsveranstaltung oder gar ein Dorffest sei in der Kürze der Zeit und mit dem derzeitigen Team kaum machbar.

Zum Abschluss des Abends wurde das weitere Vorgehen geplant. Geschwinder regte an, dass es regelmäßige Treffen gebe müsse, um dem Ganzen einen verbindlichen Rahmen zu geben. Diese müssten aber nicht unbedingt monatlich stattfinden, sondern vielleicht viermal im Jahr.

Es wurde beschlossen, nach den Sommerferien noch ein weiteres, öffentliches Treffen zu veranstalten. Bereits jetzt übernahmen die Anwesenden aber schon einige Aufgaben: So kannte fast jeder jemand Älteres und erklärte sich bereit, diese Person zu besuchen und zu befragen. Zudem will man sich weiter um die Raumfrage kümmern und Kontakt mit dem Stadtarchiv aufnehmen.

Ich bin überzeugt, dass noch weitere Leute dazustoßen werden“, sagte Schröder; sie habe bereits mit etlichen gesprochen, die Interesse gezeigt hätten. Etwas Neues zu probieren ist immer ein gewisses Wagnis und erfordert einigen Mut, aber es ist auch spannend und nach dem ersten Abend kann man sagen, dass die Leitmarer Geschichts-AG auf einem guten Weg ist.

Wer Interesse an einer Mitarbeit oder weitere Vorschläge hat, kann sich mit einem der genannten Initiatoren gerne in Verbindung setzen.

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