„Heiße Funde“

Grabungen im Gewerbegebiet Westheim II sind fast abgeschlossen

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Freuen sich über viele neue Erkenntnisse zu Marsbergs frühen Geschichte - und ein baureifes Areal: (v.l.) Bürgermeister Klaus Hülsenbeck, Wirtschaftsförderin Michaela Schröder, Prof. Dr. Michael Baales und Dr. Eva Cichy, beide LWL Olpe, Frank Linnekugel (WFG HSK) und Dipl. Ark. Zafer Görur, Archaeonet.

Marsberg/Westheim - „Das vermutete Bodendenkmal hat sich zu einem echten generiert“, bestätigte Professor Michael Baales, Leiter der LWL-Archäologie für Westfalen, Außenstelle Olpe. Auch die zweiten, Anfang Oktober begonnenen Grabungen im Gewerbegebiet Westheim II sind inzwischen fast abgeschlossen.

Die Wissenschaftler zogen vor der Presse eine erste Bilanz und präsentierten einige Fundstücke. 

„Wenn Sie etwas im Diemeltal tun, dann wird mehr kommen“ – Das hatte Baales bereits nach den ersten Sondierungen prophezeit – und es hat sich bestätigt. Nachdem im vorigen Jahr im nördlichen Teil des geplanten Gewerbegebiets Westheim II interessante Funde zu Tage gefördert worden waren (Sauerlandkurier berichtete), musste nun auch der südlich des Radwegs gelegene Teil archäologisch untersucht werden, denn das Interesse von Unternehmen, sich hier anzusiedeln, sei groß, wie Bürgermeister Klaus Hülsenbeck und Wirtschaftsförderin Michaela Schröder bestätigten. 

Diesmal sei die Grabung nicht ganz so aufwändig gewesen, weil das zu untersuchende Stück mit rund 3,4 Hektar kleiner und auf einen „Siedlungshorizont“ beschränkt war, wie Baales erläuterte. Die Gesamtfläche, die archäologisch untersucht worden ist, beträgt an die acht Hektar. Beauftragt wurde mit den Arbeiten die Firma Archaeonet aus Bonn, die 2017 bereits die Voruntersuchungen in Westheim durchgeführt hatte. Sie sei die einzige Firma, die über fünf Meter breite Baggerschaufeln verfüge, merkten die Wissenschaftler an. In Westheim kamen zwei davon zum Einsatz. „Das Archäologenteam kam kaum hinterher“, lachte Baales. 

Highlight der zu Tage geförderten Funde sind die untersten Reste eines Schmelzofens, der in rund einem Meter Tiefe aufgedeckt wurde. Das Besondere an ihm ist, dass er eindeutig zur Kupferverhüttung diente. „Das ist die erste gute Stelle, wo wir dies nachweisen können“, freute sich Baales. 

Archäologin Dr. Eva Cichy ergänzte: „Für uns ist das auch deswegen so toll, weil wir erstmals einen solchen Fund mit der modernen Thermoluminiszenz-Methode untersuchen können.“ Diese Methode – durchgeführt wird sie an der Uni Köln – sei sehr aufwändig und werde deshalb nicht so häufig eingesetzt. Aber sie erlaube eine recht genaue Altersbestimmung und sei besonders für durch Hitzeentwicklung veränderte Materialien geeignet, wie es bei der Grubenummantelung und den Schlackeresten der Fall ist. Ohne sich bereits genau festlegen zu wollen, schätzen sie, dass das Fundstück aus dem 12. Jahrhundert stammt. Im Umfeld fanden sich zudem vier Abfallgruben. 

Gruben und Brunnen entdeckt

Im Verlauf fanden sich weitere Gruben, deren Funktion nicht eindeutig geklärt ist. „Das können Vorratsgruben, Verstecke für Werkzeuge, Materialentnahmestellen für Lehm oder manchmal auch große Pfostenlöcher sein“, ließ Cichy offen. Später wurden sie häufig mit Siedlungsabfällen verfüllt. 

Außerdem wurden sechs Brunnen lokalisiert. Einer war im Rahmen der Sondierungen bereits gefunden worden, ein weiterer wurde nicht erschlossen. Er liege so tief, dass er durch Baumaßnahmen nicht zerstört werden könne. Weitere interessante Befundsituationen waren Schlackereste, die vermutlich durch Überflutungen verlagert worden waren. „Das zeigt, dass im gesamten Umfeld mit ganz vielen Montanaktivitäten zu rechnen ist“, erklärte Baales. 

Aufschlussreich waren für die Archäologen auch Luftaufnahmen, ließen sich doch darauf frühere Flussschleifen der nahen Diemel und Hochwasserereignisse erkennen. Diese Erkenntnisse wiederum helfen bei der Einordnung des Alters der Erdschichten, erläuterte Zafer Görür, Geschäftsleitung der Firma Archaeonet. 

Ein weiterer besonderer Fund waren Pfostenspuren und Löcher, die den Grundriss eines Hauses erschlossen. Auch das zwölf mal fünf Meter große Gebäude stammt vermutlich aus dem 12./13. Jahrhundert. Weitere Funde lassen ein insgesamt aus drei Bauten bestehendes Ensemble vermuten. „Es sieht so aus, als ob wir eine autark wirtschaftende Hofstelle erwischt haben“, so Baales. 

Abschließend erläuterte Cichy, warum es für die Olpener Archäologen so besonders spannend ist, in Westheim zu forschen: „Die Keramiken, die wir hier finden, liegen am Rande des Gebietes, das wir archäologisch betreuen. Und sie unterscheiden sich in vielem von dem, was wir üblicherweise finden.“ Als Beispiel hält sie Scherben eines kugelförmigen Gefäßes hoch. Ware, die, auf der Töpferscheibe gefertigt, vermutlich aus Manufakturen im hessischen Raum stamme. „Wir haben hier eine Anbindung Richtung Osten, während sonst Funde eher in Richtung Rheinland verweisen“, so die Archäologin. Sobald die Fundstücke datiert sind, ließen sich Rückschlüsse auf das Alter der Brunnen und Gruben machen, in denen sie gefunden wurden. 

"Die Flächen sind sehr begehrt."

Nachdem nun alle archäologisch relevanten Areale im gesamten Gewerbegebiet Westheim II erschlossen wurden, steht dem Abschluss weiterer Grundstücksverkäufe nichts mehr im Wege. Laut Schröder gibt es für die gesamten restlichen Flächen bereits Interessenten. Diese seien sowohl heimische Betriebe als auch Neuansiedlungen. 

Die Vertragsverhandlungen können nun in die entscheidende, finale Phase gehen. „Die Flächen sind sehr begehrt. Marsberg hat viele Vorteile zu bieten: Die Lage mit Autobahn- und Bahnanbindung ist super, das Areal ist groß und zudem weitgehend eben“, erläuterte Frank Linnekugel, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Hochsauerlandkreises, welche die Vermarktung von Westheim II übernommen hat.

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