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Grundlagenpapier liefert Hintergründe zum Bauernprotest

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Von: Kristin Sens

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Landwirte demonstrieren mit Traktoren in Hamburg
Überall sind Landwirte in Bewegung - wie hier in Hamburg. © dpa (Symbolbild)

Erlinghausen/Hochsauerland – In einem Grundlagenpapier das die Landwirte zum Gespräch mit MdB Dirk Wiese erstellten, betonen sie: „Wir bekennen uns zur Kopplung von ökonomischen und ökologischen Zielen wie u.a. der Klimaneutralität bis 2050 auf EU-Ebene (vgl. „Green Deal“ Ursula von der Leyen).“

Sie machen aber auch deutlich, dass sie in ihren Betrieben weiterhin ein wirtschaftliches Auskommen haben müssen: „Wenn die politischen Lenkungsmechanismen auf der Ebene gerechter Verteilung versagen, müssen wir umso mehr produzieren um wettbewerbsfähig zu sein und wirtschaftlich zu überleben.“ Ihre Anpassungsstrategien an die Zukunft beruhen einerseits „auf den Grundlagen erlernter Traditionen UND neuer wissenschaftlich-ökologischer Erkenntnisse“. 

In dem Papier heißt es: „Unter Tradition verstehen wir hier das Weitertragen dessen, was sich bewährt hat, und das Entwickeln neuer Ideen aufgrund neuer Einsichten. Ausdrücklich verstehen wir uns als Träger der ‚Glut‘ der Vergangenheit und nicht als Hüter der ‚Asche‘. Diese Glut möchten wir auch noch an unsere Kinder weitergeben. Daraus ergibt sich unsere Offenheit in der Auseinandersetzung mit Innovationen! Wir sind bereit für alles, was uns sinnvoll und nachvollziehbar erscheint (Transparenz). Wir sind nicht bereit und offen für Absurditäten oder Schuldzuweisungen, deren Ursachen auf ganz anderen politischen Ebenen zu suchen sind (Stichwort: Globalisierung: Autoexport gegen Billigfleischimport etc.).“ 

Burnout, Ohnmacht und Depressionen

Es folgt eine Aufstellung dessen, was sie kritisieren:

 - Ungerechtfertigte Schuldzuweisungen. 

- Sinnfreie Dokumentationen, deren Ziele sich ihnen nicht erschließen. 

- Gebote, die ihrer Meinung nach nicht zu Ende gedacht sind: Z. B. Das Acker- und Grünlanderhaltungsgebot. 

- Die bodennahe Gülleausbringung auf Grünland die ab 2025 vorgeschrieben ist bezeichnen sie als „letzten  Todesstoß für die kleinen Familienbetriebe“, weil sie in Hanglagen nicht möglich ist. 

- Zeitfenster zur Gülleausbringung zu klein. 

- Wertverlust der landwirtschaftlichen Flächen durch Auflagen und Einschränkungen. 

-Unkalkulierbaren Spekulationen wenn Nicht-Landwirte Grund und Boden zu Zwecken reiner Investition aufkaufen können. 

- Gesundheitsaspekt wirt unterschätzt: Die kommenden Auflagen für Düngung, Insektenschutz usw. kosten viel Geld - aber auch viel Zeit. Zeit ist für viele Familienbetriebe ein extrem knappes Gut, das sich nicht mit Geld bezahlen lässt, da es komplett auf Kosten von sozialen Kontakten, Erholung und körperlicher Regeneration geht. „Was will die Politik für oder gegen die häufiger werdende Problematik der Depressionen, des Ohnmacht-Gefühls, des Burnout Syndroms und der Vereinsamung auf unseren Höfen tun?“, fragen sie.

- Das Mercosur Abkommen auf EU-Ebene, das den Import von Billigfleisch hinter dem „Feigenblatt“ größerer Freihandelszonen ermöglicht: Eine Vergleichbarkeit der Standards bei der Erzeugung landwirtschaftlicher Produkte ist nicht gegeben. 

- Das künstliche Auseinanderdividieren konventioneller und biologischer Landwirtschaft: „Der Anteil von Subventionen am Gewinn liegt in der konventionellen Landwirtschaft bei etwa 50 % und bei der biologischen bei ca. 80%. Wir meinen, dass beides zusammengehört.“ 

Kooperation statt Konfrontation

Das wollen die Bauern stattdessen:

- Kooperation statt Konfrontation: „Wir möchten uns den Wünschen und Anliegen der Gesellschaft stellen. Dazu gehört Aufklärung über das, was wir machen. Z.B. könnten wir Kooperationsverträge mit Schulen eingehen.“ 

- Aktualisierung einiger Schulbücher: „Es gibt Schulbücher, die eine verzerrte Wirklichkeit zeichnen, in denen sich oft noch das verstaubte Bild des ‚Ackermanns‘ tradiert und nicht das einer komplexen modernen Landwirtschaft.“ 

- Offene Landwirtschaft: „Das bedeutet Transparenz vom Erzeuger bis zum Verbraucher.“ 

 - Ideologieneutrale Gesetzgebungen, Kontrollen und Rechtsprechungen: „In allen drei Segmenten möchten wir Bauern nicht nur gehört sondern aktiv beteiligt werden.“ 

- Ein Programm „Landwirte in Not“, wie in Schleswig Holstein: „Das Beratungsangebot reicht vom Sorgentelefon der Nordkirche über die sozioökonomische Beratung der Landwirtschaftskammer bis hin zur Beratung zur Sozialversicherung. 

Bauern ökologisch stärker einbinden

- Verpflichtung zu sinnvollen Dokumentationen. 

- Ökologisch stärker eingebunden werden. 

- Politische Vertreter sollen Wegbereiter sein, die Landwirte im Veränderungsprozess begleiten.

-  Mehr Planungssicherheit. 

- Verhindern, dass der Handel die klaren Auflagen der Politik verwässert: „Wenn der Handel politische Vorgaben dadurch umgeht, dass er Produkte aus Ländern importiert, die den bundesdeutschen Standard nicht entsprechen (z.B. Eier, Hähnchen), dann ignoriert er einschlägige Gesetzesvorgaben.“ 

- Gerechte Preise für standardisierte Qualitätsprodukte (möglichst europaweit). 

- Jagd auf den Wolf: „Wir möchten Rahmenbedingungen mit den zuständigen Behörden festlegen, dass dort, wo der Wolf Probleme bereitet, er zum Abschuss freigegeben wird.

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