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Hafen und Anker sein

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Andrea Brinker, Autorisierte Trainerin für Integrative Validation, zeigte in einem Rollenspiel, in dem sie einen demenzkranken Menschen simulierte, wie schwierig die Kommunikation mit einem solchen Menschen sein kann, wie wichtig es aber dafür ist, sich in seine Gefühle und Handlungsweisen hineinzudenken.  Foto: Kristin Sens
Andrea Brinker, Autorisierte Trainerin für Integrative Validation, zeigte in einem Rollenspiel, in dem sie einen demenzkranken Menschen simulierte, wie schwierig die Kommunikation mit einem solchen Menschen sein kann, wie wichtig es aber dafür ist, sich in seine Gefühle und Handlungsweisen hineinzudenken. Foto: Kristin Sens

„Demenz ist ein Thema, das jeden von uns früher oder später betrifft.

Deshalb sollte sich jeder informieren“, erklärte Petra Vollmers-Frevel, Vorsitzende der Alzheimer Gesellschaft Hochsauerlandkreis, den Tagungsbesuchern bei ihrer Begrüßung. Rund 1,5 Millionen Menschen mit Demenz leben zurzeit in Deutschland; es gibt kaum jemanden, der nicht schon einmal mit einem geistig verwirrten Menschen zu tun hatte. Das bestätigte auch die kurze Stichprobe unter den Zuhörern.

Grund genug für die Alzheimer Gesellschaft, ihre Tagung in der LWL-Klinik Marsberg anlässlich des Weltalzheimertages unter den Leitsatz zu stellen: „Demenz – jede/r kann etwas tun“.

Als positiv bewertete der stellvertretende Landrat Dr. Michael Schult, dass das Krankheitsbild Demenz längst die Tabuzonen in der Gesellschaft verlassen hat. Allerdings stelle die wachsende Zahl Demenzkranker die Betreuenden auch vor besondere Herausforderungen. Generell sei, so die Pflegedirektorin der LWL-Klinik Marsberg Hildegard Bartmann-Friese, die Versorgung Demenzkranker in Deutschland mangelhaft.

„An der Demenz können wir nichts ändern – aber an unserer Einstellung“, ist Bartmann-Friese überzeugt. Grundvoraussetzung ist dabei, dem verwirrten Menschen die gleiche Wertschätzung gegenüber zu zeigen wie allen anderen auch. Wie sich ein dementer Mensch fühlt, brachte Referentin Andrea Brinker aus Soest, Autorisierte Trainerin für Integrative Validation, den Teilnehmern der Tagung in Form eines Rollenspiels nahe. Ihre Selbstinszenierung als verwirrte Dame machte zugleich deutlich, wie schwierig und voller Fallstricke die Kommunikation und der Umgang mit dementen Menschen sind.

„Wer ein Leben lang Chef oder in leitender Funktion war, legt das doch nicht plötzlich ab“, gab die Referentin zu bedenken. „Begleiten Sie etwa ihren Chef auf die Toilette?“, provozierte sie die Zuhörer. Oberstes Prinzip für Brinker ist Ehrlichkeit: Nicht mit Druck, nicht mit Bloßstellung, aber auch nicht mit falschen Versprechungen sei ein Demenzkranker zum Beispiel zum Toilettengang zu bewegen. Sein Vertrauen erreiche man viel eher, wenn man an frühere Erlebnisse, an Puzzlestücke aus der individuellen Biographie des Menschen anknüpfen könne. Für einen Alzheimerpatienten „da sein“, so die Referentin, bedeute: „Hinhören, hinschauen, Hafen und Anker sein – und Selbständigkeit zulassen“. „Wir brauchen eine Begegnung, die Qualität und Herz hat – von Mensch zu Mensch“, fasste Brinker zusammen.

Nach dem Eingangsvortrag der Referentin waren verschiedene Workshops im Angebot zu Themen wie: nicht-medikamentöse Therapie bei Demenz im Frühstadium, Zahnhygiene, praxisorientierte Alltagskommunikation, Bewegungstipps, musiktherapeutisches Angebot, rechtliche Fragen sowie Validation in der Praxis. (Von Kristin Sens, marsberg@sauerlandkurier.de)

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