Erlinghausen präsentiert zukunftsfähiges Projekt

Handwerk und Vereine wollen die "Alte Schule" gemeinsam wiederbeleben

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Besonders Gisbert Schröder, Erster Vorsitzender von Use Erlingsen (vorne, 2. v. l.), Ortsbürgermeister Thomas Schröder (vorne, 3. v. l.) sowie Bauunternehmer Uli Prior (3. v. r.) haben bisher viel Energie in das Vorantreiben der Projektanträge gesteckt. Daneben die Vertreter der beteiligten Vereine.

Erlinghausen - Im vollbesetzten Clubhaus des Sportvereins begrüßte der Erlinghauser Ortsbürgermeister Thomas Schröder circa 60 Dorfbewohner, die der Einladung zur Informationsveranstaltung zum Thema „Nutzungskonzept der ehemaligen Grundschule“ gefolgt waren.

In der alten Grundschule stehen große Teile des Gebäudes leer und sollen nun unter dem Titel „Verein(t) im Handwerk“ wiederbelebt und neu genutzt werden. Einen kurzen Blick auf den zeitlichen Ablauf von diversen Antragsstellungen über finanzieller Förderung bis zum aktuellen Stand gab Thomas Schröder zu Beginn.

Bereits Ende 2016 gab es die ersten Gespräche zum Thema „Alte Schule“. Was soll mit dem leerstehenden Gebäude passieren? Zuerst war die Rede von Teilnutzung und Teilabriss. Die Idee des Teilabrisses wurde jedoch nach ersten Begutachtungen vom ortsansässigen Bauunternehmer Uli Prior ziemlich schnell verworfen. Die Gebäudesubstanz mit seiner massiven Bauweise sei zu schade dafür. 

Vereine an Räumen interessiert

Im Frühjahr 2017 fand dann das erste Treffen aller ortsansässigen Vereine in Hardehausen statt. Hier stand auch das Thema „Alte Schule“ auf der Agenda. Dabei stellte sich heraus, dass einige Vereine an zusätzlichen Räumlichkeiten interessiert wären. 

Alsbald stand auch die Frage der Finanzierung im Raum. In diesem Zusammenhang rief man zuerst „Leader“ auf den Plan. Es stellte sich heraus, dass dort „nur“ noch 75.000 Euro zu erwarten waren. Ein zweiter und dritter Antrag richtete sich an den Fördertopf ILE „Integrierte ländliche Entwicklung“ und das Heimatministerium mit dem Förderprogramm „Heimatzeugnis“. Letzteres stellte sogar eine Fördersumme von 90 statt 65 Prozent in Aussicht. 

Im Mai 2019 stellte sich dann heraus, dass die Förderung „Heimatzeugnis“ nicht klappen sollte. So musste zum vierten Mal ein neuer Topf angesteuert werden, der „Dorferneuerung“ heißen sollte. 244.000 Euro sind dem Projekt nun zugesagt worden. In der Zwischenzeit waren die Baukosten des Projekts bereits gestiegen. Außerdem musste die Finanzierungslücke von 65 zu 90 Prozent geschlossen werden. So entschloss man sich, zumal die Schule ein städtisches Gebäude ist, an die Stadt heranzutreten. Der nächste Antrag wurde an den Stadtrat gestellt und „glücklicherweise war das Entgegenkommen seitens der Stadt sehr groß“, so Schröder. 70.000 Euro, gestaffelt über zwei Jahre, werden seitens der Stadt Marsberg zur Verfügung gestellt. „Wir sind jetzt einigermaßen sicher, was die Finanzierung angeht“, so Schröder. 

Er übergab an Uli Prior, der das Nutzungskonzept anhand einer Zeichnung erläutern sollte. Prior wies darauf hin, dass das aktuelle Konzept „mit der ursprünglichen Idee nicht mehr so viel zu tun“ habe. Stand am Anfang die Idee eines baugeschichtlichen Museums, so rückte man hiervon ab und bedachte, dass die Vereine Räumlichkeiten brauchten. Des Weiteren sollten Handwerker und ortsansässige Firmen die Möglichkeit einer Nutzung haben. „'Verein(t) im Handwerk' fasst das Ganze sehr schön zusammen“, meint Prior. 

Im Erdgeschoss soll der Sportverein einen festen Verkaufsraum bekommen; außerdem einen Utensilienraum. Die bestehende „Hudenhütte“ soll abgerissen werden. Zusätzlich soll sowohl eine Garage für den Sportverein als auch für den Musikverein geschaffen werden. Ein Lager, zum Beispiel für Kostüme des Karnevalsvereins, soll es im ehemaligen Flurbereich geben. Die ehemalige Aula könne beispielsweise für Wanderausstellungen genutzt werden, so Uli Prior weiterhin. Der Ortschronist Herbert Dülme wird zudem Platz für das Dorfarchiv finden, wo er seine gesammelten Materialien und die des verstorbenen Johannes Bödger zusammenführen kann. Der Förderverein „Use Erlingsen“ benötigt nur einen Abstellraum. 

Von Gymnastik- bis Multimedia-Raum

Vor dem Gebäude sollen die vorhandenen Wege erhalten bleiben. Es wird Zuwege zu den Garagen geben, die im Gebäude integriert sind. Vor dem Verkaufsraum des Sportvereins soll der Bereich ebenerdig gemacht werden, Außentische und -stühle können dort gestellt werden. „Insgesamt sind die Bodenbeläge und Wände noch top in Schuss“, so Prior. „Es sind nur wenig bauliche Maßnahmen erforderlich. Die Gebäudesubstanz ist in Ordnung. Das Geld wird größtenteils in Technik, Dach, Fassade und Fenster fließen“. 

Im Obergeschoss soll es einen Gymnastikraum mit neuem Boden geben, den sowohl das Gardeballett vom Karnevalsverein als auch der Sportverein nutzen sollen. Daneben ist ein Multimedia-Raum vorgesehen, der als Schulungsraum für Firmen in der ganzen Umgebung gedacht ist. Die Wirtschaftsförderin Michaela Schröder aus Marsberg ist hierbei mit ins Boot geholt worden, um auch den Marsberger Unternehmen diese Möglichkeit vorzustellen. Angedacht ist eine Cateringfläche auf dem Flur, die für Tagesschulungen genutzt werden könnte, dazu eine Küche. Ein weiterer Raum in der Etage ist für das Büro des Ortschronisten gedacht. 

Die ehemalige Turnhalle soll ein Raum für das Handwerk werden. Azubis sollen hier am Gerät geschult werden. „Schalungen und Mauertechniken sind zum Beispiel für Lehrlinge aus meinem Bereich denkbar“, so Prior. Auch Erste-Hilfe-Kurse und Sicherheitsunterweisungen könnten dort angeboten werden. 

Der Förderverein „Use Erlingsen“ mit seinem 1. Vorsitzenden Gisbert Schröder stellt sich als Ansprechpartner der Stadt zur Verfügung. Er gilt als Hauptmieter, mit den Vereinen werden Untermietverträge geschlossen. Die Laufzeit des Ganzen ist auf 12 Jahre angelegt, in der sich die Partner verpflichten, die Räume zu nutzen, der Mietvertrag mit der Stadt läuft 14 Jahre. Die Erlinghauser sind mit 35 Prozent Eigenleistung im Boot. Diese besteht aus handwerklicher Eigenleistung in circa 3.000 Arbeitsstunden. 

Es handelt sich um ein Gemeinschaftsprojekt. 75 Prozent der Arbeit muss laut Förderplan in 2020 erfolgen, so ist das Projekt angelegt. In 2021 soll es abgeschlossen sein. Da kommt einiges auf die Erlinghauser zu, wie ein Teilnehmer schmunzelnd aufzählt: „Stadtschützenfest, Jubiläumsschützenfest und dann die Eigenleistung am Schulprojekt.“

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