Bedeutende Geschichte

Historischer Dornröschenschlaf: Ältestes Profangebäude Marsbergs auf dem Eresberg entdeckt

Historischer Fund Marsberg Dielenhaus ältestes Profangebäude
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Historischer Fund: Denkmalpflegerin Dr. Bettina Heine Hippler und Bauhistoriker Frank Högg (r.) können mit ihren Befunden aus diesem alten Dielenhaus eine Lücke in Obermarsbergs Stadtbauhistorie füllen.

Eine bislang nicht nachgewiesene Zeitschicht wurde durch umfangreiche Bauuntersuchungen bei einem Wohnhaus in Obermarsberg freigelegt. Für die Bauforscher eine kleine Sensation – und für Obermarsberg ein weiteres Zeugnis für seine bedeutende Geschichte.

Obermarsberg - An dem Haus in der Pagenstraße kommen täglich viele Menschen vorbei, liegt es doch auf dem Weg von Ober- nach Niedermarsberg. Da es lange leer stand, fristete es ein eher unscheinbares Dasein, auch wenn das Gebäude – ein typisches westfälisches Dielenhaus – bereits seit 2002 unter Denkmalschutz steht. Bei der Eintragung ging man von zwei Bauphasen aus: Die Seitenwände aus Backstein verweisen auf das 19. Jahrhundert, Teile der im Fachwerk verbauten Balken datierte man in das 17. Jahrhundert.

Haus entstand im 16. Jahrhundert

Wie neuere dendro-chronologische Untersuchungen ergeben haben, stammt das Holz aber eher aus der Mitte des 16. Jahrhunderts. Da man die Stämme zu dieser Zeit immer frisch verbaute, ist dies auch das Baualter des Hauses. Es gebe zudem keine baugeschichtlichen Spuren, die darauf hinweisen würden, dass das Holz aus einem anderen Gebäude stammen könnte und später dort verbaut wurde. Dekorelemente an den Querriegeln, die sich im Gebäudeinneren wiederfinden, belegen außerdem eine systematische Bauplanung. Auch der aufwändige Gewölbekeller verweise darauf, dass sich an der Gebäudestruktur wenig verändert hat. „Damit haben wir erstmalig in Marsberg verbaute Deckenbalken aus dieser Zeit dokumentiert und wissen jetzt, dass das Gebäude in drei Bauphasen entstanden ist“, erklärte LWL-Bauhistoriker Frank Högg, wobei der Kernbau nachweislich aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts ist.

Bei einem Pressetermin machte er auf weitere Besonderheiten des Gebäudes aufmerksam. So sei die Diele, im Vergleich zu anderen Hofhäusern, relativ schmal. In seiner Grundrissgestaltung weise es Parallelen zu einem jüngst ebenfalls von der LWL dokumentierten Fachwerkhaus aus Meschede auf, das aber deutlich jünger sei. „Der Außenbau verfügt über ungewöhnlich aufwendige Verzierungen. Rauten- und Fischgrätmuster, Taustäbe und aufwendige Schnitzereien geben dem Wohnhaus einen eher städtischen Charakter“, so LWL-Denkmalpflegerin Dr. Bettina Heine-Hippler.

„Solche Verzierungen findet man üblicherweise nicht in kleinen, landwirtschaftlich geprägten Städten, sondern eher in Renaissance-Städten wie Höxter oder Warburg“, führte sie weiter aus. Sei seien Ausdruck wirtschaftlichen Wohlstands. Ein Umstand, der einmal mehr belegt, wie bedeutsam Obermarsberg früher war.

Schreinermeister als Geschichtsmäzen

So außergewöhnlich wie die Bauhistorie, ist auch die Geschichte, wie es dazu kam, dass dieses Haus aus seinem „Dornröschenschlaf“ erweckt wurde: Der neue Eigentümer Georg Zurhorst, ein Schreinermeister aus Göttingen, hatte zuvor keinerlei Berührungspunkte mit der Denkmalpflege. Aber er hatte schon immer ein Interesse an „alten Sachen“.

Eigentlich suchte er nur eine Scheune, um sein Bauholz lagern zu können. Er wandte sich an die LWL, weil er ein altes Gebäude wollte. Nun will er schnellstmöglich in eine Ecke des Hauses einziehen, um selbst mit Hand anlegen zu können. Baubegleitend sollen die Forschungen dabei weitergehen. Unter anderem will man das Alter des Holzes anhand weiterer Bohrproben noch genauer datieren.

In diesem Gebäude manifestieren sich fast 500 Jahre Baugeschichte. Das hat uns alle überrascht. Das Schöne ist, dass es nun einen Eigentümer gibt, der das Gebäude für die Nachwelt erhalten wird.

 Dr. Bettina Heine-Hippler

„In diesem Gebäude manifestieren sich fast 500 Jahre Baugeschichte. Das hat uns alle überrascht. Das Schöne ist, dass es nun einen Eigentümer gibt, der das Gebäude für die Nachwelt erhalten wird“, freute sich Heine-Hippler. Högg ernannte den stolzen Hausbesitzer zum „Geschichtsmäzen“ .

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