Präsent sein und neue Wege gehen

Hospizverein Marsberg steht wegen Coronavirus vor Herausforderungen

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Der Coronavirus schränkt die Sterbebegleitung durch den Hospizverein Marsberg drastisch ein. Nun sollen kreative Lösungen gefunden werden.

Marsberg – Erst vor wenigen Wochen hat sich der Katholische Hospizverein Marsberg mit neuem Flyer und neuer Homepage frisch aufgestellt. Inzwischen haben hingegen die Auswirkungen durch den Coronavirus unsere gesamte Gesellschaft überrollt – auch der Hospizverein sieht sich nun vor ganz neuen Herausforderungen.

„Das Thema Tod und Sterben ist plötzlich sehr präsent. Täglich hören wir die neuen Opferzahlen. Aber die Menschen sind vor allem mit sich selbst beschäftigt und es bleibt keine Zeit zu reflektieren“, so Laura Edel, Koordinatorin des Hospizdienstes in Marsberg. Paradoxerweise stehen die Helfer vom Hospizdienst gerade jetzt durch die Besuchsverbote bei Älteren und Kranken außen vor. „Wir möchten aber signalisieren, dass wir auch jetzt immer für Gespräche bereitstehen, sei es über das Telefon oder auch in Form von Einzelgesprächen in unserem Büro“, versichert Edel. 

Dank einer Sonderregelung können palliativ und schwer Erkrankte in einem Heim auch weiterhin besucht werden. „Die Heime hier sind ganz kooperativ, sie sorgen dafür, dass wir uns desinfizieren und schützen und begleiten uns zu den Zimmern“, berichtet Edel. Diese Dienste übernehmen die hauptberuflichen Koordinatorinnen Gabi Klose und Laura Edel zurzeit. Denn viele ihrer ehrenamtlichen Sterbebegleiter sind über 60 und gehören somit selbst zur Risikogruppe. So bleiben ihnen nur noch eine Handvoll Unterstützer. 

Die meisten der Begleitungen mit nicht akut im Sterbeprozess befindlichen Menschen müssen ohnehin pausieren. Für beide Seiten eine schwierige Situation, wenn man gerade erst einen guten Kontakt aufgebaut hat und plötzlich die Kranken nicht mehr besuchen darf. Häufig können diese auch nicht mehr selbst telefonieren. 

Sorgen bereitet dem Verein, dass ihm langfristig auch finanzielle Fördermittel fehlen könnten, denn diese ermitteln sich nach den Begleitungszahlen. Der Dachverband habe aber bereits signalisiert, auch telefonische Begleitungen anzuerkennen. 

Trauerprozess unter erschwerten Bedingungen

Der Umgang mit schwersterkrankten Coronapatienten – auch wenn sie bisher in Marsberg so einen Fall noch nicht hatten – werde zudem noch ganz neue Herausforderungen schaffen: Denn diese werden isoliert, häufig können Angehörige sie nicht mehr besuchen, sich nicht mehr verabschieden. Selbst die Bestattung erfolge anonymisiert, bestenfalls im sehr kleinen Kreis. „Durch Corona sehen wir als Trauerbegleiterinnen eine riesige Welle auf uns zu kommen. Wenn Menschen isoliert trauern, erschwert das den Trauerprozess“, weiß Edel. 

„Wir suchen gerade ein bisschen unsere Position, fragen uns, wo stehen wir, was können wir noch machen. Wir sind bereit, neue Wege zu gehen, präsent zu sein und Begleitung im Vorhinein anzubieten. Wir werden weiterhin für Familienangehörige und auch Betroffene da sein und sehen, was sie brauchen“, überlegt die Koordinatorin. Von anderen Hospizinitiativen wissen sie, dass die Ehrenamtlichen dort nun Mundschutze anfertigen und anbieten. Selbst wenn die physische Präsenz momentan reduziert werden muss, Unterstützung, vor allem durch junge Leute, könne der Verein dennoch gerade jetzt gut gebrauchen. 

„Uns ist wichtig zu zeigen, dass wir da sind. Die Menschen sollen sich nicht scheuen, uns anzurufen, weil sie denken, man könne eh nichts machen. Wir machen was wir können – und wenn es nur telefonisch ist. Die Leute dürfen uns mutig ansprechen. Wir gucken dann, wie es im Einzelfall aussieht und wie wir helfen können. Wir werden da sehr kreativ sein“, fasst Edel zusammen.

Kontakt 

Katholischer Hospizverein Marsberg, Tel: 01 75/7 45 00 68, E-Mail: info@hospizverein-marsberg.de

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